TopZehn: 10 wirklich wahre Verschwörungstheorien

Advertisements

Vortrag: Okkultismus und Satanismus

Peter Egger erklärt die Begriffe Okkultismus, Spiritismus und Satanismus.
Diese Praktiken nehmen vor allem in den reichen Ländern zur Zeit stark zu. Viele Menschen nehmen, oft in Verbindung mit der Esoterik, okkulte Dienste in Anspruch. Dazu gehören zum Beispiel Pendeln, Wahrsagen, Kartenlegen, Handlesen und das Wirken sogenannter ‚Heiler‘. Auch in bestimmten Musikgruppen hat der Okkultismus einen großen Einfluss, einige haben sich sogar Satan verschrieben. Es werden die Folgen aufgezeigt und auch, was die Heilige Schrift dazu sagt. Schließlich benennt er auch Hilfsmittel gegen okkulte Praktiken.

DDDr. Peter Egger wurde 1948 in Bozen in Südtirol (Italien) geboren. Nach dem Besuch des Jesuitenkollegs „Stella Matutina“ in Feldkirch (Vorarlberg) studierte er Philosophie, Geschichte, Theologie und Religionspädagogik in Padua, Innsbruck, Salzburg und London. Nach Abschluss der Studien war er in der Familienseelsorge in Wien tätig und anschließend Religionslehrer in Innsbruck, Salzburg, Tamsweg und Padua. Seit 1989 unterrichtet Egger als Oberschullehrer Religion, Philosophie und Geschichte am bischöflichen Gymnasium „Vinzentinum“ in Brixen. Egger hält auch Vorlesungen an der Volkshochschule in Bozen und gestaltet Sendungen bei „Radio Horeb“, „Radio Maria“ und „K-TV“. 1999 gab er das Buch „Chancen im Wertechaos — Die Zehn Gebote in unserer Zeit“ heraus. 2011 erschien sein Buch „Die Weltreligionen“. Seit 2010 ist Egger Dozent für Religionswissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule „Benedikt XVI.“ in Heiligenkreuz. Egger ist verheiratet und Vater einer Tochter.

(Quelle: YouTube)

Okkultismus – Begriff und Geschichte

Okkultismus (von lateinisch occultus ‚verborgen‘, ‚verdeckt‘, ‚geheim‘) ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für verschiedenste Phänomenbereiche, Praktiken und weltanschauliche Systeme, wobei okkult etwa gleichbedeutend ist mit esoterisch, paranormal, mystisch oder übersinnlich.[1] In einem engeren, vorwiegend in der Wissenschaft gebräuchlichen Sinn wird die Bezeichnung für bestimmte esoterische Strömungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verwendet. Diesem Verständnis schließt sich der vorliegende Artikel an. Im heutigen Sprachgebrauch hat der Begriff vielfach eine abwertende Konnotation.[2]

Begriffsgeschichte

Das aus dem Lateinischen stammende Wort occultus ist entlehnt von dem Partizipialadjektiv oc-culere = „verdecken, verbergen“. In dessen Grundwort ob-celere, das die indogermanische Verbalwurzel „kel“ = „verhüllen, verbergen“ besitzt, finden sich „celare“ = „verhehlen, verbergen“ und „cella“ = „Vorratskammer, enger Wohnraum, Zelle“. Das Adjektiv okkult wurde schon im Mittelalter gebraucht. Im Rahmen der aristotelischen Naturphilosophie unterschied man damals wahrnehmbare Qualitäten der Dinge wie Farbe oder Geschmack von nicht wahrnehmbaren okkulten Qualitäten wie dem Magnetismus, den Einflüssen der Sterne (im Sinne der Astrologie) und den Heilkräften verschiedener Substanzen, die nur indirekt über ihre Effekte erfahrbar sind. Die mittelalterliche Scholastik war der Meinung, dass die okkulten Qualitäten im Unterschied zu den direkt wahrnehmbaren nicht Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sein könnten. Als die Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert begann, auch Erscheinungen wie den Magnetismus zu untersuchen, erhielt die Rede von okkulten Qualitäten eine abwertende Bedeutung, da sie im Zusammenhang mit der scholastischen Ansicht der Unerforschbarkeit gesehen wurde.[3]

Seit dem frühen 16. Jahrhundert ist der Begriff okkulte Philosophie nachgewiesen.[4] Er scheint auf Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim zurückzugehen, der ihn 1510 in einer ersten, handschriftlichen Fassung seines Werks De occulta philosophia verwendete.[4][5] In diesem Buch, das zunächst in Form von Abschriften verbreitet wurde[5] und erst 1531 in gedruckter Form erschien, verband Agrippa Elemente der Hermetik, des Neuplatonismus und der christlichen Kabbala.[4][6] Okkulte Philosophie oder Philosophia occulta etablierte sich als Bezeichnung für derartige religiös-philosophische Lehren, insbesondere für solche des späten 15. bis zum 17. Jahrhundert.[7][8][9] Vertreter der okkulten Philosophie wie Agrippa und Giovanni Pico della Mirandola versuchten, Philosophien zu entwickeln, die hermetisches, hebräisches und klassisches Wissen assimilieren, und diese Fusion mit der christlichen Theologie zu vereinigen.[10] Trotz ihres esoterischen Charakters wurden die der okkulten Philosophie zugrundeliegenden hermetischen und kabbalistischen Ideen im Europa der Renaissance anfangs positiv aufgenommen. Die Historikerin Frances A. Yates betrachtete die okkulte Philosophie sogar als zentrale Triebkraft hinter der Renaissance selbst.[11] Vermutlich ist es kein Zufall, dass die okkulte Philosophie, die Wert auf Einheit legte, während der Zeit der Reformation und der Renaissance populär wurde; möglicherweise wurde von ihr und ihrer Vereinigung so unterschiedlicher Quellen wie der klassischen Weisheit, der Magie, der hebräischen Kabbala und des Christentums erwartet, eine Lösung für das religiöse und politische Schisma der Zeit zu bieten.[12] Während das scholastische Mittelalter Glauben und Frömmigkeit forderte, forderte die Renaissance individuelles Streben und die Suche nach Wissen; die Hermetik versuchte, Wissen und Glauben zu vereinigen.[13] Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden christliche Magi wie Agrippa und John Dee jedoch wegen ihrer Theurgie verdächtigt, und als Teil der Gegenreformation wuchs auch die Reaktion gegen den Renaissance-Neuplatonismus und damit assoziierte okkulte Strömungen. Die christliche Kabbala, die zunächst der Legitimation okkulten Denkens diente, wurde nun wegen der okkulten Assoziation abgewertet und mit Hexerei assoziiert. Dee und Giordano Bruno wurden wegen ihrer Philosophie diskreditiert; ersterer verbrachte seine letzten Jahre in Armut, letzterer wurde 1600 verbrannt.[12]

Ebenfalls im 16. Jahrhundert kam die Bezeichnung Okkulte Wissenschaften auf, womit vor allem die Astrologie, die Alchemie und die Magie gemeint waren.[7]

Im Rahmen einer Gegenbewegung zur Aufklärung und der mit ihr verbundenen mechanistischen und materialistischen Naturwissenschaft wurden ab dem 18. Jahrhundert okkulte Kräfte postuliert, die der „normalen“ Wissenschaft unzugänglich sein sollten. Hinzu kamen Spekulationen, wonach letztlich alles auf nur eine okkulte Kraft zurückgeführt werden könnte. Beliebte Kandidaten waren der Magnetismus und die Elektrizität. Ihren Höhepunkt erreichten diese Spekulationen in Blavatskys synkretistischem Werk Die Geheimlehre (The Secret Doctrine, 1888).[14]

Das deutsche Lehnwort okkult kam erst um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert auf, obwohl Agrippa von Nettesheim alle Geheimlehren seiner Zeit bereits als „Occulta Philosophia“ bezeichnete. Die neulateinische Bildung des Substantivs Okkultismus erfolgte besonders nach der Gründung der Theosophischen Gesellschaft erst am Ende des 19. Jahrhunderts, und wurde erstmals in einem französischen Wörterbuch von 1842 nachgewiesen. Populär wurde es zunächst im Französischen durch Éliphas Lévi, der es zuerst 1856 in Dogme et rituel de la haute magie gebrauchte. Ins Englische wurde es anscheinend 1875 durch Helena Petrovna Blavatsky eingeführt; im Deutschen prägte vor allem Carl Kiesewetter diesen Sprachgebrauch in den 1890er Jahren. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine allgemein anerkannte Okkultismus-Definition. Im weitesten Sinn wird das Wort mitunter als Synonym für Esoterik gebraucht. In der engsten, vor allem von Antoine Faivre vertretenen Fassung steht es speziell für die französische, durch Lévi und Papus begründete Richtung der Esoterik. Zumeist werden jedoch ähnliche und etwa zeitgleiche Strömungen in anderen Ländern hinzugenommen.[15]

Ein weiterer, etymologisch verwandter Begriff neueren Ursprungs ist das Okkulte, der u. a. durch Colin Wilson (The Occult: A History, 1971) geprägt wurde und vor allem in der Soziologie und im Journalismus als vage Sammelbezeichnung für das Unerklärte verwendet wird.[16]

Richtungen

Grundsätzlich lassen sich zwei Richtungen des Okkultismus unterscheiden: der empirische und der esoterische Okkultismus.[17] Ersterer befasst sich mit okkulten Erscheinungen und will diese erforschen. Seine Ursprünge liegen im Mesmerismus und im experimentellen Spiritismus. Der esoterische Okkultismus hingegen befasst sich mit „Geheimwissen“, das nur „Eingeweihten“ zugänglich sei.

Nach einem Vorschlag von Edward A. Tiryakian soll nur die praktisch orientierte Richtung als Okkultismus bezeichnet werden, während die theoretische Richtung der Esoterik zugerechnet werden soll.[18] Dieser Sprachgebrauch fand eine weite Verbreitung, wurde jedoch auch grundsätzlich als künstliche Unterscheidung zurückgewiesen[19] und konnte sich nicht allgemein durchsetzen.

Geschichte

Die Wurzeln des Okkultismus lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen (Gnosis, Hermetik, Neuplatonismus, Kabbala).[20] (Siehe Geschichte der westlichen Esoterik.) Im engeren Sinn, oft auch als moderner Okkultismus bezeichnet, wurde er in Frankreich durch Alphonse Louis Constant alias Éliphas Lévi begründet, der in den Jahren 1854 bis 1861 einige einflussreiche Kompilationen über diverse Themen der Esoterik herausbrachte und auch die Bezeichnung Okkultismus populär machte.[21] Weitere bedeutende Vertreter des französischen Okkultismus waren Papus, Stanislas de Guaita und Joséphin Péladan; im englischen Sprachraum sind vor allem G. R. S. Mead und Arthur Edward Waite zu nennen, in Deutschland Carl du Prel und Franz Hartmann, in Russland P. D. Ouspensky.[22] Die okkulten Bücher des 19. Jahrhunderts wirken laut Hans Biedermann „meist wie mißverstandene Abklatsche der älteren mag. Werke, wenn auch ein Bestehen echter Traditionen als Bindeglieder von der Zeit der neueren ‚Hermetiker‘ zum 19. Jh. nicht völlig von der Hand zu weisen ist“.[23]

Helena Blavatsky (1877)

Aus der Beschäftigung mit dem Spiritismus ging die 1875 unter der Leitung von Henry Steel Olcott und Helena Petrovna Blavatsky in New York gegründete Theosophische Gesellschaft hervor, zu deren Zielen die Erforschung okkulter Phänomene und Kräfte sowie vergleichende Studien der Religionen, der Philosophien und der Naturwissenschaft gehören, um darin verborgene „Wahrheiten“ aufzudecken.[24] In den folgenden Jahren entwickelte Blavatsky eine synkretistische esoterische Lehre, die moderne Theosophie, welche eine Einweihung in okkulte Geheimnisse verspricht und Elemente der Gnosis, der Hermetik und anderer Traditionen der westlichen Esoterik mit solchen östlicher Religionen verbindet.[25] Sie fand begeisterte Anhänger in den Vereinigten Staaten, in Europa und in Indien, wo die Theosophische Gesellschaft zeitweilig ihren Hauptsitz hatte.

Vereinigtes Königreich

G. R. S. Mead nahm nach der Lektüre von Alfred Percy Sinnetts Esoteric Buddhism (1883) Kontakt zu den Londoner Theosophen Bertram Keightley und Mohini Chatterji auf und schloss sich der Theosophischen Gesellschaft in London an. Sein Interesse am Spiritismus führte ihn nach Frankreich an die Universität von Clermont-Ferrand, wo er den später für seine Theorie des Vitalismus bekannten Henri Bergson kennenlernte. Nachdem Blavatsky sich 1887 in London niederlassen hatte, besuchte Mead sie dort regelmäßig und wurde von 1889 bis zu ihrem Tod 1891 ihr privater Sekretär; außerdem wurde er 1889 zusammen mit Keightley Mitsekretär der Esoterischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Während in der Theosophischen Gesellschaft in den 1890er Jahren um die Führung gekämpft wurde, widmete Mead sich der Religion als Wurzel der Theosophie sowie den westlichen Wurzeln der Esoterik. Er versuchte sich an einer allgemeinen Theosophie und verband in seinen Schriften östliche und westliche Traditionen, wobei er sich anfangs stark an hellenistische Theosophie und Gnosis anlehnte. Mead hatte kein Interesse an magischen oder okkulten Künsten und unterschied streng zwischen den sie Ausübenden und „echten“ Okkultisten.[26] 1909 brach Mead mit der Theosophischen Gesellschaft und gründete die Quest Society, zu deren Vizepräsidenten Arthur Edward Waite zählte.[27] Auch Waite ging den Weg vom Spiritismus zur Theosophischen Gesellschaft; nach seinem Bruch mit dieser schloss er sich dem Hermetic Order of the Golden Dawn an. William Wynn Westcott, der den Golden Dawn zusammen mit Samuel Liddell MacGregor Mathers und William Robert Woodman 1888 gegründet hatte,[28] hatte für diesen die Struktur und das Grundsystem des Rosenkreuzerordens Societas Rosicruciana in Anglia (SRIA), der alle drei Gründer ebenfalls angehörten,[29] übernommen.[30]

Da Mathers sich immer weniger dem Orden widmete, den er aus der Distanz von Paris aus leitete, und sich stattdessen immer mehr mit politischen Aktivitäten beschäftigte, kam es ab 1895 zunehmend zu Konflikten zwischen den Mitgliedern innerhalb des Golden Dawn, u.a. zwischen Mathers und Annie Horniman, die daraufhin von ihm des Ordens verwiesen wurde. Als er seine Autorität gefährdet sah, verlangte er in einem Manifest vollständigen Gehorsam in allen Belangen des Ersten und Zweiten Ordens. Zusätzlich verließ Westcott 1897 den Orden, angeblich nachdem seinem Abeitgebern bekannt geworden war, – er war amtlicher Leichenbeschauer -, dass er Mitglied eines okkulten Ordens sei. Eine Krise für den Golden Dawn entstand Anfang 1900, als Florence Farr Mathers’ Verhaltens überdrüssig wurde und in einem Brief vorschlug, den Ordens aufzulösen. Mathers hielt dies für einen Versuch, Westcott die Spitze des Ordens zurückzubringen, und offenbarte Farr, dass die von Westcott als Legitimation für die Ordensgründung angeführten[31] Briefe von Fräulein Sprengel Fälschungen waren[32]. Dies erschütterte das Vertrauen der Londoner Mitglieder. Darüber hinaus weigerte Westcott sich, Stellung zu Mathers’ Vorwürfen zu nehmen. Als die Londoner Mitglieder sich weigerten, den exzentrischen Aleister Crowley in den zweiten Orden aufzunehmen, begab sich dieser nach Paris und wurde von Mathers initiiert, was von den Londoner Adepten jedoch nicht anerkannt wurde. Der Zweite Orden setzte ein Komitee zur Untersuchung der Sprengel-Briefe ein, worauf Mathers das Komitee annullierte und Crowley als Gesandten nach London schickte, um die privaten Räume und das Inventar zu beschlagnahmen. William Butler Yeats und andere Londoner Adepten vereitelten Mathers Plan, indem sie ihn und Crowley ausstießen. Mathers verlor daraufhin die Autorität über die englischen Tempel.[32]. Yeats übernahm im Zuge der Verwirrungen den Isis-Urania-Tempel, und das Komitee versuchte, den Orden in demokratischeren Formen zu restrukturieren, was zu noch mehr Verwirrungen sorgte. Unterdessen war Horniman wieder in den Orden aufgenommen worden, der sich seit ihrem Hinauswurf stark verändert hatte, was zu Streitigkeiten zwischen ihr und einem Großteil des Ordens führte. 1901 resignierte Yeats, und Madame Horos und ihr Ehemann brachten dem Golden Dawn unerwünschte Aufmerksamkeit und veröffentlichten Interna desselben. Der Golden Dawn begann zu zerfallen; Farr resignierte, Mathers und eine kleine Gruppe von Initiierten gründeten den Orden Alpha et Omega, der Tempel in London, Edinburgh und Paris etablierte; von Eingeweihten des Alpha et Omega wiederum gingen weitere magische Gruppen aus, wie die von Dion Fortune gegründete Fraternity of the Inner Light und Paul Foster Cases Builders of the Adytum. Nach einem Schisma 1903 bestand der alte Golden Dawn nicht mehr.[33] Die Überreste des ursprünglichen Isis-Urania-Tempels wurden von Waite übernommen, dem sich viele der verbleibenden Golden-Dawn-Mitglieder anschlossen; Waite interessierte sich jedoch weniger für Magie als für Mystik und reduzierte daher die ritualmagischen Elemente zugunsten des von ihm bevorzugten mystischen Pfads.[33][34] 1914 schloss er den Orden und gründete die Fellowship of the Rosy Cross.[34] Die stärker magisch interessierten Ordensmitglieder, darunter Robert William Felkin und John William Brodie-Innes, formierten den Orden Stella Matutina.[33] Crowley überwarf sich später ebenfalls mit Mathers und gründete darauf den Orden Astrum Argenteum (A∴A∴) und schloss sich dem Ordo Templi Orientis (OTO) von Theodor Reuß an, dessen britischen Zweig er später leiten sollte.[32]

In den 1930er Jahren veröffentlichte Israel Regardie, Crowleys Sekretär von 1928 bis 1930, zwei Bücher, die bei Stella-Matutina- und Alpha-et-Omega-Mitgliedern für Aufregung sorgten; wegen seiner Verbindungen zu Crowley wurde Regardie schriftlich attackiert. Durch Fortune, die ihn gegen diese Angriffe verteidigte, wurde er eingeladen, Stella-Matutina-Mitglied zu werden, wurde 1933 Mitglied und 1934 Adept. Wegen der Zerfallserscheinungen im Orden besorgt, veröffentlichte er nach Verlassen dessen Lehren im Buch The Golden Dawn, um das Überleben dieser Lehren zu sichern. Wie von Regardie angenommen, stellten die meisten Alpha-et-Omega- und Stella-Matutina-Tempel ihre Tätigkeiten in den folgenden Jahren ein. Der letzte britische Tempel, der Hermes-Tempel in Bristol, wurde in den frühen 1960er Jahren auf Eis gelegt und 1972 offiziell geschlossen; der letzte Tempel in Neuseeland schloss 1978. 1982 gründete Regardie einen neuen Zweig des Hermetic Order of the Golden Dawn in Columbus, Georgia.[35]

Deutschland

Auch im deutschen Sprachraum ist der Ursprung der modernen okkultistischen Bewegung eng mit dem Spiritismus verbunden, der um 1860 aus den USA nach Deutschland kam.[36] Ein breites Interesse an okkulten Phänomenen riefen hier besonders die Sitzungen des Physikers Karl Friedrich Zöllner mit dem Medium Henry Slade hervor, an denen auch andere bedeutende Wissenschaftler (darunter Gustav Theodor Fechner) teilnahmen und über die Zöllner ab 1878 ausführliche Berichte veröffentlichte.[37] Zöllner erwartete von diesen Séancen Beweise für die Existenz einer Vierten Dimension und wollte damit eine „Transzendentale Physik“ begründen. Während die bei Séancen auftretenden okkulten Phänomene traditionell als Äußerungen verstorbener Personen gedeutet wurden, entstand in den 1880er Jahren in Deutschland eine neue animistische Richtung (v. lat. anima = ‚Seele‘), welche die Ursachen dieser Phänomene als unbekannt betrachtete und sie auf psychologischer Ebene untersuchen wollte.[38] Die wichtigsten Vertreter dieser Richtung waren Gregor Konstantin Wittig und Alexander Aksakow, die zusammen mit dem Verleger Oswald Mutze die Zeitschrift Psychische Studien herausgaben. Ein renommierter Unterstützer war der Philosoph Eduard von Hartmann mit seiner Schrift Der Spiritismus (1884).

1886 gab es in Deutschland zwei bedeutende Neugründungen im Bereich des Okkultismus: die Psychologische Gesellschaft und die theosophische Zeitschrift Sphinx.[39] Die Psychologische Gesellschaft verfolgte vor allem das Ziel, durch streng wissenschaftlich durchgeführte Experimente mit mediumistisch begabten Versuchspersonen neue Erkenntnisse über die menschliche Psyche zu gewinnen. Die Sphinx, herausgegeben von Wilhelm Hübbe-Schleiden, brachte mit wissenschaftlichem Anspruch Berichte über okkulte Phänomene wie Telepathie und Magnetismus sowie Beiträge zu den „Okkulten Wissenschaften“ wie Astrologie und Magie. Sie zählte auch namhafte Wissenschaftler wie Alfred Russel Wallace und Eduard von Hartmann sowie andere bedeutende Personen wie Leo Tolstoi oder den Sozialdemokraten Kurt Eisner zu ihren Autoren. Über die Arbeit der Psychologischen Gesellschaft berichtete neben okkulten Magazinen wie der Sphinx auch die Mainstream-Presse wie etwa Die Gegenwart.

Carl du Prel

Innerhalb der Psychologischen Gesellschaft kam es bald zu Differenzen zwischen den beiden wichtigsten Mitarbeitern, Albert von Schrenck-Notzing und Carl du Prel.[40] Der Philosoph du Prel wollte mit der Begründung einer „Transzendentalen Psychologie“ ein Gegengewicht zu dem herrschenden Materialismus schaffen und sah in den Experimenten der Gesellschaft einen wichtigen Beitrag hierzu, indem er hoffte, durch sie den Materialismus empirisch widerlegen zu können. Dagegen verfolgte der Psychiater Schrenck-Notzing das eher pragmatische und umgekehrt ausgerichtete Ziel, gewisse rätselhafte Phänomene, die er etwa durch Hypnose hervorrufen konnte, aus dem Bereich des Mystischen in den der „offiziellen Wissenschaft“ einzubringen. 1889 kam es zum Bruch, indem sich unter der Leitung du Prels eine Gesellschaft für Experimentalpsychologie abspaltete, in der das Ziel einer transzendentalen Psychologie weiter verfolgt wurde, während die verbleibende Muttergesellschaft unter Schrenck-Notzing der Richtung folgte, aus der die Parapsychologie hervorging.

Die von du Prel und Hübbe-Schleiden vertretene Zielsetzung, das Spirituelle zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung zu machen, war ab etwa 1890 ein zentrales Thema der deutschen okkultistischen Bewegung. Im Verlauf der 1890er Jahre verlagerte sich das Interesse aber von der wissenschaftlichen Erforschung zur subjektiven Erfahrung.[41] Okkultismus wurde zunehmend als eine Angelegenheit der persönlichen Entwicklung verstanden, bei der den „okkulten Künsten“ eine Schlüsselrolle zukam und die dem Zeitgeist des Fin de siècle entsprechend mit der Entwicklung alternativer Lebensstile verbunden war. Inzwischen handelte es sich um eine Massenbewegung mit vielen lokalen und überregionalen Gesellschaften, mit zahlreichen Buchverlagen, welche unter anderem okkultistische Literatur herausbrachten, und mit etlichen eigenen Zeitschriften, von denen neben der Sphinx (1886–1896) die von Franz Hartmann herausgegebenen Lotusblüthen (1892–1900) und Paul Zillmanns [Neue] Metaphysische Rundschau (1896–1918) die bedeutendsten waren.[42] Führende Vertreter des auf die eigene spirituelle Entwicklung und Erfahrung ausgerichteten Okkultismus waren die Theosophen Franz Hartmann und Rudolf Steiner, der 1902 die Leitung der neu gegründeten Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft übernahm und später die Anthroposophie begründete.[43]

Während die Theosophen auf der Grundlage der spirituellen Entwicklung des Einzelnen weltweit die Schaffung einer „allumfassenden Bruderschaft der Menschheit“ anstrebten, entwickelte sich speziell im deutschsprachigen Raum im frühen 20. Jahrhundert mit der Ariosophie eine Bewegung, welche okkultistische Elemente mit Rassismus und Nationalismus verband.[44] Die Ariosophen, deren bedeutendste Repräsentanten Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels waren, propagierten eine rassisch reine „arische“ Gesellschaft und übernahmen selektiv gewisse Vorstellungen aus der Theosophie, darunter die Lehre von den Wurzelrassen. Innerhalb der Okkultismus-Bewegung war die Ariosophie jedoch nur eine Randerscheinung, während umgekehrt okkultistische Themen etwa in den Publikationen des Lanz von Liebenfels nur einen recht geringen Raum einnahmen.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konnte sich der Okkultismus in fast allen seinen Spielarten in Deutschland recht frei entfalten und erfreute sich wachsender Beliebtheit. Es gab zwar Gegner wie die Katholische Kirche, und speziell in Bayern gab es einen „Gaukelei“-Paragraphen im Strafgesetzbuch, der eine Handhabe bot, etwa Handleser und Astrologen strafrechtlich zu verfolgen,[45] aber insgesamt wuchs die Akzeptanz für „das Okkulte“.[46] Auch einige führende Nationalsozialisten waren an okkulten Themen interessiert. So nahm Rudolf Heß regelmäßig die Dienste von Astrologen, Magnetheilern und Hellsehern in Anspruch.[47] Heinrich Himmler förderte den Ariosophen Karl Maria Wiligut als seinen „privaten Magier“ und Hellseher.[48] Dieser hatte eine eigene Variante eines Geschichtsmythos von übermenschlichen arischen Vorfahren entwickelt. Wiligut wurde Leiter der Abteilung Vor- und Frühgeschichte der SS und trug zum Ausbau der Wewelsburg als SS-Zeremonienstätte bei. 1939 wurde er jedoch – unter anderem wegen des Bekanntwerdens einer früheren Schizophrenie – aus der SS ausgeschlossen. Für Adolf Hitler waren dagegen Okkultisten bereits in Mein Kampf (1925/26) ein Haufen von Wirrköpfen.[49]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden okkultistische Vereinigungen als „staatsfeindliche Sekten“ eingestuft.[50] Die wichtigsten Anklagepunkte waren, dass Okkultisten den für den Nationalsozialismus zentral bedeutenden Rassismus ablehnten und speziell die Theosophen sogar eine „allumfassende Bruderschaft der Menschheit“ propagierten, und dass sie, ähnlich wie die Freimaurer, angeblich eine „gefährliche“ Beeinflussung der Volksmassen betrieben.[51] Ab 1935 ist eine strafrechtliche Verfolgung okkultistischer Aktivitäten dokumentiert, und 1937 wurden durch einen Erlass des Innenministeriums alle Freimaurerlogen, theosophischen Vereine und verwandten Gruppierungen verboten.[52] Die Situation verschärfte sich weiter, nachdem im Mai 1941 Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß auf eigene Faust nach Großbritannien geflogen war, um Friedensverhandlungen anzuregen. In einer umgehend durch den Propagandaminister Joseph Goebbels gestarteten Kampagne wurde Heß als Geisteskranker bezeichnet, der aufgrund des Einflusses von Astrologen, Mesmeristen und anderer Okkultisten unter Halluzinationen leide.[53] Es folgten umfassende Polizeiaktionen gegen Astrologen, Spiritisten, Anthroposophen und alle Anhänger ähnlicher Richtungen einschließlich der völkischen Ariosophen mit der Anordnung, diese Personen zur Zwangsarbeit zu verurteilen oder in Konzentrationslager einzuliefern und ihre Publikationen und sonstige Materialien zu beschlagnahmen.[54]

Das Ziel dieser Aktion gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften war die vollständige und dauerhafte Ausschaltung dieser Personen und ihrer Organisationen. So notierte Goebbels in seinem Tagebuch: „Diese [sic!] ganze obskure Schwindel wird nun endgültig ausgerottet. Die Wundermänner, Heß’ Lieblinge, werden hinter Schloss und Riegel gesetzt.“[55] Von Hitler wird berichtet, dass er namentlich Astrologen eine starke Mitschuld an Heß’ Aktion zusprach und äußerte: „Es ist daher Zeit, mit diesem Sterndeuterunfug radikal aufzuräumen.“[56] Inwiefern das tatsächlich erreicht wurde, ist jedoch unklar. Goebbels notierte nach der Aktion: „Alle Astrologen, Magnetopathen, Anthroposophen etc. verhaftet und ihre gesamte Tätigkeit lahmgelegt. Damit ist diesem Schwindel endgültig ein Ende gemacht.“[57] Diese Einschätzung wurde in der Fachliteratur weitgehend übernommen.[58] Dagegen wird in einer neueren Untersuchung von Uwe Schellinger et al.[58] darauf hingewiesen, dass in den Anweisungen Ausnahmeregelungen für Wehrmachtsangehörige, führende Parteimitglieder und leitende Staatsbeamte vorgesehen waren, und die Durchführung von Experimenten mit Pendeln zur Ortung feindlicher Schiffe bei der Marine noch im Jahr 1942 dokumentiert.

Russland

Um Georges I. Gurdjieff und P. D. Ouspensky entstand eine als Vierter Weg bekannte Bewegung. die eine elaborierte Kosmologie und spirituelle Selbstentwicklung mit künstlerischem Ausdruck verband. 1907 entdeckte der russische Universalgelehrte Ouspensky die Theosophie und begann mit dem Studium okkulter Literatur. Sein erstes großes philosophisches Werk, Tertium Organum (1912), befasste sich mit der kognitiven Macht höherer Bewusstseinsstadien. Stark von Yoga und östlicher Weisheit angezogen, reiste er nach Indien und besuchte 1913 die Theosophen in Adyar. Nach seiner Rückkehr begegnete er Gurdjieff, der in Zentralasien nach esoterischer Weisheit gesucht hatte. Ouspensky glaubte, dass Gurdjieff ein neues System des Denkens und allumfassenden Wissens entdeckt hatte. Gurdjieff arbeitete indessen an Ballett und heiliger Gymnastik, wobei seine Arbeit unter anderem den Komponisten Thomas de Hartmann, den Maler Alexander von Salzmann und die Ballett-Lehrerin Jeanne de Salzmann anzog. Gurdjieffs Gruppe emigrierte über das revolutionäre Russland, Konstantinopel und Deutschland nach Frankreich, wo er 1922 zu Fontainebleau seine Schule etablierte.[59]

In Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel präsentierte Gurdjieff seine Ideen in Form einer mythenerschaffenden Kosmogonie mit einer Hierarchie untergeordneter Ebenen in einem lebenden Universum und einer Teilung der menschlichen Geschichte in eine bewusste und eine unbewusste, eine initiatorische und eine profane Strömung. Er sah den Menschen als Gefangenen seiner mechanischen Reaktionen auf und falschen Identifikation mit externen Reizen; der Weg zur Erleuchtung bestehe im Erwachen des essentiellen Seins und Erlangen wahrer Selbsterkenntnis. Gurdjieff setzte den menschlichen Zustand in einen kosmischen Kontext der Biologie, Metaphysik und Kosmologie. Sein Strahl der Schöpfung, der an die Terminologie der Theosophen erinnerte, verband den Mikrokosmos des menschlichen Herzens und Geistes mit einer Hierarchie von Planeten und Sternen bis hinauf zum Absoluten als Quelle aller Schöpfung. Erst nach der Erkenntnis des eigenen essentiellen Seins sei man in der Lage, auf die universellen Energien zuzugreifen. Der persönliche spirituelle Aufstieg müsse individuell erreicht werden.[60]

Wenngleich Gurdjieffs System traditionelle Ideen westlicher Esoterik aufgriff, beinhaltete es auch Innovationen wie die semitonalen Intervalle auf der diatonischen Skala im Kontrast zu den musikalischen Korrespondenzen Robert Fludds. Gurdjieffs Gesetze der Drei und Sieben untermauern sein Schlüsselsymbol, das Enneagramm, und sein Nahrungsdiagramm, das Nahrung, Luft und Impressionen im Mikrokosmos in Beziehung setzte. Ouspensky versuchte, Gurdjieffs Lehren in ein metaphysisch kohärentes System zu bringen, in Auf der Suche nach dem Wunderbaren (1950) publiziert. Britische Interpreten Gurdjieffs und Ouspenskys führten deren Arbeit in eigenen Gruppen, Instituten und Schriften fort, darunter der Wissenschaftler, Technologe und Philosoph John G. Bennett, der in den späten 1940ern Kontakt zu Ouspensky aufnahm und dessen System mit moderner Wissenschaft in Einklang bringen wollte, Rodney Collin und der Psychiater und Jungianer Maurice Nicoll.[61]

Okkultismus im Kontext der Moderne

Traditionell wird der Okkultismus als Gegenbewegung zur Moderne, als Abkehr von der Vernunft und als Rückfall in vor-moderne Ansichten interpretiert. Besonders drastisch hat das Theodor W. Adorno 1951 in Minima Moralia formuliert, indem er von einer „Rückbildung des Bewusstseins“ und von einer „Metaphysik der dummen Kerle“ sprach.[62] Auch James Webb, der 1971 mit The Flight from Reason als Erster eine Untersuchung des Okkultismus in kulturgeschichtlicher Perspektive vorlegte, betonte noch den Aspekt der Gegenbewegung, der „Flucht vor der Vernunft“. Demgegenüber wird in neuerer Literatur der Ansatz vertreten, den Okkultismus als Bestandteil der Moderne selbst aufzufassen. So weist Antoine Faivre in Esoterik im Überblick (2001) darauf hin, dass die Okkultisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sich im Allgemeinen weder gegen den wissenschaftlichen Fortschritt noch gegen die Modernität wendeten, und er schlägt vor, den Okkultismus jener Zeit als Äußerung der „mit sich selbst konfrontierten Moderne“ anzusehen.[63] Speziell für den deutschsprachigen Raum führt das Corinna Treitel in A Science for the Soul (2004) aus, und in ähnlicher Weise Alex Owen in The Place of Enchantment (2004) für Großbritannien.

Wirkung

Kunst

Okkultistische Überzeugungen und Praktiken hatten großen Einfluss auf die zeitgenössische (moderne) Kunst.[64] Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Gustav Meyrink und Thomas Mann griffen okkultistische Ideen und Erfahrungen auf. In Kinofilme wie Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) und Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) flossen okkultistische Motive ein. An der Produktion des Vampirfilm-Klassikers Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) waren zwei überzeugte Okkultisten, Friedrich Wilhelm Murnau und Albin Grau, maßgeblich beteiligt. Vom Okkultismus beeinflusste Maler waren Wassily Kandinsky, Max Ernst, Piet Mondrian, Paul Klee, Hans Arp und andere. Kandinskys bahnbrechender Schrift Über das Geistige in der Kunst (1911) war eine intensive Auseinandersetzung mit okkultistischen Werken Zöllners, du Prels und Aksakows sowie mit Artikeln in der Sphinx vorausgegangen. Corinna Treitel bezeichnet daher in ihrer Studie A Science for the Soul (2004) den Okkultismus und die neue Ästhetik der Moderne als zwei Facetten desselben Phänomens: des Aufkommens einer neuen Sensibilität auf der Grundlage intuitiver Erfahrung.[65]

Medizin

Im Bereich der Alternativmedizin wurden vielfach Praktiken aus dem Bereich des Okkultismus eingesetzt, so dass man von einer „Okkulten Medizin“ sprechen konnte.[66] Beispiele dieser okkultistischen Praktiken sind Hellsehen, Pendeln, Graphologie, Irisdiagnostik, spiritistischer Mediumismus und Astrologie.

Kriminalistik

Vor allem in den 1920er Jahren wurden die vermeintlichen Fähigkeiten von Hellsehern und Telepathen in Deutschland vielfach auch bei der Aufklärung von Verbrechen in Anspruch genommen, und zwar sowohl von privaten Auftraggebern wie auch in direkter Kooperation mit der Polizei.[67] Berühmte Vertreter dieses kriminalistischen Mediumismus‘ waren Else Günther-Geffers und August Christian Drost. Die Inanspruchnahme solcher Personen durch staatliche Organe war allerdings umstritten, und einige von ihnen wurden als Betrüger überführt, während etwa Drost und Günther-Geffers zwar wegen Betrugs angeklagt, aber für unschuldig befunden wurden.

Für Betrüger, die sich okkulter Methoden bedienen oder die „okkulte, abergläubische Einstellung der von ihr ausgegangenen Personenkreise“ zu ihren Zwecken ausnützen, führte der Jurist Herbert Schäfer den Begriff des Okkulttäters ein, wobei er zwischen dem an die Richtigkeit seiner Behauptungen glaubenden „echten“ und dem den „fremden Aberglauben“ bei „vorhandener besserer Einsicht“ ausnützenden „unechten“ Okkulttäter unterscheidet. Diesen Tätertyp habe es „seiner Grundstruktur nach schon immer gegeben“, sein „eigentliches Betätigungsfeld“ habe ihm aber erst der Siegeszug des Rationalismus bereitet; erst seit dieser Zeit sei er für die kriminologische Forschung als Tätertyp, der sich von anderen durch seine besondere geistige Einstellung unterscheide, interessant und zugänglich. Schäfer beschränkte sich bei seinen Untersuchungen auf den Raum der Bundesrepublik Deutschland und drei Typen des Okkulttäters: den in der Öffentlichkeit wenig bekannten und hauptsächlich auf dem Land tätigen Hexenbanner, dessen „heimtückisches Wirken“ bestimmten Dorfbewohnern schade, den großes Aufsehen erregenden magischen Heiler, dessen Tätigkeiten der Gesundheit seiner Anhänger schadeten, und den Erdentstrahler, der sich als Forscher tarne und mit seinen Entstrahlungs- und Abschirmgeräten die Gesundheit und das Vermögen technisch faszinierter Abergläubischer erheblich gefährde.[68]

Militär

Im Kriegsjahr 1942 führte die deutsche Marine Experimente mit Pendeln durch, um deren Eignung für die Ortung feindlicher Schiffe zu prüfen.[69] Vorausgegangen war eine auffällige Häufung von Verlusten deutscher U-Boote, und es gab Hinweise, wonach die britische Marine in der Lage sei, mit Hilfe von Pendeln U-Boote zu orten. Die Experimente lieferten jedoch keinerlei verwertbare Ergebnisse und wurden anscheinend nach weniger als einem Jahr wieder eingestellt. Die ungewöhnlichen Erfolge der britischen Marine fanden später eine andere Erklärung: Es war den Briten zeitweilig gelungen, den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln (siehe Enigma).

Rezeption

Verschwörungstheorien

Zur Rezeption des Okkultismus gehört ein umfangreiches verschwörungstheoretisches Schrifttum, das sich ab den 1960er Jahren entfaltete, sich in Anfängen aber bis in die späten 1930er Jahre zurückverfolgen lässt und bedeutende okkulte Einflüsse auf den Nationalsozialismus und insbesondere auf Adolf Hitler postuliert, die dessen Aufstieg und Macht erklären sollen.[70] Nach der Einschätzung Hans Thomas Hakls war der wichtigste Ursprung dieser Legenden das Buch Hitler m’a dit des emigrierten Ex-Nationalsozialisten Hermann Rauschning, das 1939 in Paris und kurz darauf auch in einer englischen (Hitler Speaks, 1939) und in einer deutschen Ausgabe (Gespräche mit Hitler, 1940) erschien.[71] Rauschning behauptete, zahlreiche Gespräche mit Hitler geführt zu haben, die aufgrund neuerer Forschungen heute jedoch als größtenteils oder vollständig frei erfunden gelten. Auf der Grundlage dieser angeblich intimen Kenntnis Hitlers schrieb er, dieser stehe unter dem Einfluss dunkler und zerstörerischer magischer Kräfte. Rauschnings Behauptungen fanden in Frankreich weite Verbreitung, insbesondere durch den Rundfunk, der, wie Hakl schreibt, „bis zur Invasion durch die deutschen Truppen praktisch täglich längere Auszüge aus dem Buch“ sendete.[72] Ebenfalls 1939 in Paris erschien das Buch Hitler et les Forces Occultes von Edouard Saby, in dem Hitler als Magier und Eingeweihter bezeichnet wird, der unter dem Einfluss okkulter Geheimgesellschaften stehe.[73] Saby erhob den Anspruch, erstmals „das okkulte Wirken Adolf Hitlers“ darzustellen. Ähnliche Schriften, in denen Hitler mit Okkultismus und Satanismus in Verbindung gebracht und so der militärische Gegner dämonisiert wurde, erschienen um 1940 auch in Großbritannien. Als Pionierarbeit kann hier Lewis Spences The Occult Causes of the Present War (1940) gelten.[74]

Einen regelrechten Boom derartiger Publikationen über einen angeblichen „Nazi-Okkultismus“ löste 1960 das Buch Le matin des magiciens (deutsch: Aufbruch ins dritte Jahrtausend, 1962) von Louis Pauwels und Jacques Bergier aus.[75] Darin wurde behauptet, die Nationalsozialisten hätten den Kontakt mit einer geheimnisvollen unterirdischen Zivilisation gesucht, die über eine ungeheuer mächtige Energie namens „Vril“ verfüge, mit deren Hilfe man die Welt grundlegend verändern könne.[76] Das Vril und die unterirdische Zivilisation sind Motive aus Edward Bulwer-Lyttons fiktionaler Schrift The Coming Race von 1871, die auf Helena Blavatsky und andere einflussreiche Theosophen und Okkultisten wie William Scott-Elliot oder den frühen Rudolf Steiner einen großen Einfluss ausgeübt hatte. In deutschen okkultistischen Kreisen wurde das Vril vor allem im Kontext okkulter Naturkräfte rezipiert und gelangte dort zu großer Popularität.[77] Pauwels und Bergier ließen sich von diesen historischen Wurzeln inspirieren und behaupteten, in Berlin sei eine „Vril-Gesellschaft“ eingerichtet worden, mit dem Ziel der Schaffung einer neuen Menschenrasse. Wie Julian Strube in seiner Arbeit über die Genealogie des Vril zeigen konnte, entbehren die Behauptungen von Pauwels und Bergier jedoch jeder historischen Grundlage.[78] Eine noch wichtigere Rolle schrieben Pauwels und Bergier der Thule-Gesellschaft zu, die im Geheimen die eigentlich lenkende Kraft des „Dritten Reiches“ gewesen sei und deren angebliche Mitglieder Dietrich Eckart und Karl Haushofer Hitler durch die Übermittlung geheimen Wissens beeinflusst hätten. Eine Thule-Gesellschaft hat es tatsächlich gegeben, aber sie existierte nur von 1918 bis etwa 1925, und weder Eckart noch Haushofer zählten zu ihren Mitgliedern. Auch kann sie keinesfalls als der mächtige okkulte Orden gelten, als der sie von Pauwels und Bergier geschildert wurde.[79]

In Bevor Hitler kam (1964) baute Dietrich Bronder diese Fiktion weiter aus, indem er Elemente aus Blavatskys Theosophie aufgriff.[80] Demnach sei Haushofer in tibetanische Geheimlehren eingeweiht gewesen, und die Thule-Gesellschaft habe Kontakte mit einem geheimen Klosterorden in Tibet gepflegt. Trevor Ravenscroft schilderte in The Spear of Destiny (1972, deutsch: Der Speer des Schicksals), dass Hitler schon in seiner Wiener Zeit ein eifriger Student des Okkultismus gewesen sei und geplant habe, die in der dortigen Hofburg aufbewahrte Heilige Lanze in Besitz zu nehmen, um ihre vermeintlichen magischen Kräfte zur Erlangung der Weltherrschaft zu nutzen.[81] Später sei er von Eckart und Haushofer in schwarzmagische Rituale eingeweiht und zum Werkzeug böser Mächte gemacht worden.

Rechtsextremismus

Neben der Flut verschwörungs­theoretischer Schriften, in denen Hitler und der Nationalsozialismus durch fiktive Verbindungen mit Okkultismus und Satanismus dämonisiert wurden und die während des Krieges zum Teil auch von der alliierten Propaganda herangezogen wurden, gab es in der Nachkriegszeit vereinzelt auch Autoren, welche diesen „Okkultmythos“ aufgriffen, um ihn zur Propagierung rechtsextremer Ansichten und Ziele zu nutzen, so etwa Wilhelm Landig, Savitri Devi und Miguel Serrano.[82] Im Zentrum dieser Vermengung von Rechtsextremismus und Esoterik stand bereits seit den 1950er Jahren das Motiv der so genannten Schwarzen Sonne, das sich insbesondere seit den 1990er Jahren einer großen und wachsenden Popularität erfreut. Es sind dabei Kontinuitäten von der ersten Generation um Landig bis hin zu noch heute aktiven Gruppierungen, wie die Autoren um die Tempelhofgesellschaft, nachgewiesen worden.[83]

Literatur

  • Claudia Dichter, Michael Krajewski, Susanne Zander (Hrsg.): The Message – Kunst und Okkultismus. König, Köln 2007, ISBN 978-3-86560-342-5.
  • Sabine Doering-Manteuffel: Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung – Von Gutenberg bis zum World Wide Web. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-888-5.
  • Sabine Doering-Manteuffel: Okkultismus. Geheimlehren, Geisterglaube, magische Praktiken. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61220-6.
  • David Allen Harvey: Beyond Enlightenment. Occultism and Politics in Modern France. Northern Illinois University Press, DeKalb 2005, ISBN 0-87580-344-X.
  • Carl Kiesewetter: Geschichte des neueren Okkultismus. Geheimwissenschaftliche Systeme von Agrippa von Nettesheim bis Carl du Prel. Leipzig 1891; Marix, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-121-6.
  • Johannes Mischo: Okkultismus bei Jugendlichen. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Grünewald, Mainz 1991, ISBN 3-7867-1525-4.
  • Alex Owen: The Place of Enchantment. British Occultism and the Culture of the Modern. University of Chicago Press, Chicago 2004, ISBN 978-0-226-64204-8.
  • Priska Pytlik: Okkultismus und Moderne. Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71382-5.
  • Corinna Treitel: A Science for the Soul. Occultism and the Genesis of the German Modern. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2004, ISBN 0-8018-7812-8.
  • James Webb: The Occult Underground. Open Court, La Salle 1974, ISBN 0-8126-9073-7.
    • deutsch: Die Flucht vor der Vernunft. Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-86539-213-8.
  • James Webb: The Occult Establishment. Open Court, La Salle 1976, ISBN 0-87548-434-4.
    • deutsch: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-152-0.

Weblinks

 Wiktionary: Okkultismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Okkultismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Eberhard Bauer, Bernhard Wenisch: Okkultismus, in: Hans Gasper, Joachim Müller, Friederike Valentin: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Herder, Freiburg, 6. Aufl. 2000, S. 768–775, hier S. 768.
  2. Gerhard Wehr, Lexikon der Spiritualität, Köln 2006, S. 251; Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-36753-7, S. 936.
  3. Wouter J. Hanegraaff: Occult/Occultism, in Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, Leiden 2005, S. 884 f.
  4. a b c Hanegraaff, S. 886.
  5. a b Carl Kiesewetter: Geschichte des neueren Okkultismus, Wiesbaden 2007, S. 20 f.
  6. Kocku von Stuckrad: Was ist Esoterik? Kleine Geschichte des geheimen Wissens, C. H. Beck, München 2004, S. 107 f.
  7. a b Hanegraaff, S. 887.
  8. Antoine Faivre: Esoterik im Überblick, Freiburg 2001, S. 73–77.
  9. Siehe auch Frances A. Yates: The Occult Philosophy in the Elizabethan Age, 1979; deutsch: Die okkulte Philosophie im elisabethanischen Zeitalter, Clemens Zerling, Berlin 2001; sowie Martin Dembowsky: Okkulte Philosophie: Geschichte einer vergessenen Inspirationsquelle bei Philognosie.
  10.  Andrew Duxfield: Doctor Faustus and Renaissance Hermeticism. In: Sara Munson Deats (Hrsg.): Doctor Faustus. A Critical Guide. Continuum, London u. a. 2010, S. 100.
  11. Duxfield, S. 98
  12. a b Duxfield, S. 108
  13. Duxfield, S. 107
  14. Hanegraaff, S. 885 f.
  15. Hanegraaff, S. 887 f.; Antoine Faivre: Access to Western Esotericism, Albany 1994, S. 34 f.; Eduard Gugenberger, Roman Schweidlenka: Mutter Erde – Magie und Politik zwischen Faschismus und neuer Gesellschaft, Wien 1987, S. 69.
  16. Hanegraaff, S. 888.
  17. Bauer & Wenisch, S. 769.
  18. Edward A. Tiryakian: Toward the Sociology of Esoteric Culture. In: On the Margin of the Visible – Sociology, the Esoteric, and the Occult, 1974, S. 257–280.
  19. Robert Galbreath: Explaining modern occultism. In: Howard Kerr, Charles L. Crow (Hrsg.), The Occult in America – New Historical Perspectives, 1983, S. 11–37.
  20. Nicholas Goodrick-Clarke, Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Lizenzausgabe Wiesbaden 2004, S. 23.
  21. Faivre 2001, S. 111.
  22. Faivre 2001, S. 112–114.
  23.  Hans Biedermann (Hrsg.): Okkultismus. In: Handlexikon der magischen Künste. Von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert. 2., verbesserte und wesentlich vermehrte Auflage. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00844-3, S. 377.
  24. Stuckrad, S. 200–203; Treitel, S. 85 f.
  25. Goodrick-Clarke 2004, S. 24–27.
  26.  Clare Goodrick-Clarke, Clare Goodrick-Clarke, Nicholas Goodrick-Clarke (Hrsg.): G. R. S. Mead and the Gnostic Quest (= Western Esoteric Masters Series). North Atlantic Books, Berkeley 2005, ISBN 1-55643-572-X, S. 2–10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  27.  Clare Goodrick-Clarke, Clare Goodrick-Clarke, Nicholas Goodrick-Clarke (Hrsg.): G. R. S. Mead and the Gnostic Quest (= Western Esoteric Masters Series). North Atlantic Books, Berkeley 2005, ISBN 1-55643-572-X, S. 19–25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  28.  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 45 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  29.  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 44–47 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  30.  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 99 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  31.  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 50 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  32. a b c  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 58 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  33. a b c  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 61–63 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  34. a b  Christopher McIntosh: The Rosicrucians. The History, Mythology, and Rituals of an Esoteric Order. Samuel Weiser, Inc., York Beach 1998, ISBN 0-87728-920-4, S. 104 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  35.  Chic Cicero, Sandra Tabatha Cicero: The Essential Golden Dawn. An Introduction to High Magic. Llewellyn Publications, St. Paul 2004, ISBN 0-7387-0310-9, S. 64–66 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 3. August 2012).
  36. Corinna Treitel: A Science for the Soul – Occultism and the Genesis of the German Modern, Johns Hopkins University Press, Baltimore und London 2004, S. 37–40.
  37. Treitel, S. 3–24.
  38. Treitel, S. 39.
  39. Treitel, S. 40 f., 52 und 83 f.
  40. Treitel, S. 41–45.
  41. Treitel, S. 50–53.
  42. Treitel, S. 56–76.
  43. Treitel, S. 93–102.
  44. Treitel, S. 102–107; ausführlich dargestellt bei Goodrick-Clarke 2004.
  45. In der Nachkriegszeit wurde im Bayerischen Landtag 1954 ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt, dessen Strafbestimmungen in Artikel 27 sich auf die „sehr populären Hellseher und Astrologen“ konzentrierte. Der 1955 vorgelegte Gesetzesentwurf enthielt keinen Gaukeleiartikel mehr, vermutlich unter anderem wegen der Nichtstrafbarkeit in anderen Bundesländern (entsprechende Verbote hielten sich jedoch in Württemberg-Baden und Hessen), der als nicht möglich eingestuften „zuverlässige[n] Abgrenzung strafwürdiger Wahrsagepraktiken gegenüber dem weiten Gebiet der Parapsychologie“ und der bedenklichen Nähe des Artikels zur Betrugsbestimmung und damit des Widerspruchs zum Bundesrecht, das den Strafbestand des Betrufes im Strafgesetzbuch regle. Neben der Gesetzgebung zeigte auch die Rechtsprechung „deutliche ‚Aufweichungstendenzen‘“: Hellseher wurden nicht mehr wegen Betrugs verurteilt, und „[d]ie zahlreichen Verfahren gegen die entstrahlenden Rutengänger endeten mit Einstellung oder Freispruch“. ( Herbert Schäfer: Der Okkulttäter. KRIMINALISTIK, Verlag für kriminalistische Fachliteratur, Hamburg 1959, S. 6 f.)
  46. Treitel, S. 192–209.
  47. Treitel, S. 213.
  48. Goodrick-Clarke 2004, S. 155–166.
  49. Andreas Klump: Rechtsextremismus und Esoterik – Verbindungslinien, Erscheinungsformen, offene Fragen. 2001, archiviert vom Original am 21. Juni 2008, abgerufen am 28. Dezember 2010 (deutsch).
  50. Treitel, S. 220 f.
  51. Treitel, S. 222 f.
  52. Treitel, S. 224–226.
  53. Treitel, S. 213 f.
  54. Treitel, 224 f.
  55. Zitiert nach Uwe Schellinger, Andreas Anton, Michael Schetsche: Zwischen Szientismus und Okkultismus. Grenzwissenschaftliche Experimente der deutschen Marine im Zweiten Weltkrieg, Zeitschrift für Anomalistik 10: 287–321 (2010), Zitat auf S. 293.
  56. Schellinger et al., S. 292.
  57. Zitiert nach Schellinger et al., S. 294
  58. a b Schellinger et al., S. 295
  59.  Nicholas Goodrick-Clarke: The Western Esoteric Traditions: A Historical Introduction. Okford University Press, New York 2008, ISBN 978-0-19-532099-2, S. 232 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 2. April 2013).
  60.  Nicholas Goodrick-Clarke: The Western Esoteric Traditions: A Historical Introduction. Okford University Press, New York 2008, ISBN 978-0-19-532099-2, S. 233 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 2. April 2013).
  61.  Nicholas Goodrick-Clarke: The Western Esoteric Traditions: A Historical Introduction. Okford University Press, New York 2008, ISBN 978-0-19-532099-2, S. 233 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 2. April 2013).
  62. Zitiert nach Sabine Doering-Manteuffel: Okkultismus, Beck, München 2011, S. 7.
  63. Faivre 2001, S. 112.
  64. Treitel, S. 108–110. Siehe auch Priska Pytlik: Okkultismus und Moderne. Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900. Schöningh, Paderborn 2005.
  65. Treitel, S. 110.
  66. Treitel, S. 154–161.
  67. Treitel, S. 143–150.
  68.  Herbert Schäfer: Der Okkulttäter. KRIMINALISTIK, Verlag für kriminalistische Fachliteratur, Hamburg 1959, S. 4–10.
  69. Schellinger et al.
  70. Goodrick-Clarke 2004, S. 186–193; H. T. Hakl: Nationalsozialismus und Okkultismus, bei Goodrick-Clarke 2004, S. 194–217.
  71. Hakl, S. 211 f.
  72. Hakl, S. 211.
  73. Hakl, S. 212–214.
  74. Hakl, S. 215 f.
  75. Goodrick-Clarke 2004, S. 188 f.; Hakl, S. 217.
  76. Goodrick-Clarke 2004, S. 187.
  77. Julian Strube: Vril. Eine okkulte Urkraft in Theosophie und esoterischem Neonazismus. München/Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2013, ISBN 978-3-7705-5515-4, S. 55–123.
  78. Strube 2013, S. 126–142.
  79. Siehe hierzu Hermann Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz. München, Kiessling 1994.
  80. Goodrick-Clarke 2004, S. 189 f.
  81. Goodrick-Clarke 2004, S. 190–192.
  82. Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne, marixverlag, Wiesbaden 2009.
  83. Julian Strube: Die Erfindung des esoterischen Nationalsozialismus im Zeichen der Schwarzen Sonne. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft. Bd. 20, Heft 2, 2012, ISSN 0943-8610, S. 223–268, doi:10.1515/zfr-2012-0009.

CC-BY-SA 3.0 Wikipedia

Gary Allen – Pionier der Verschwörungstheorie

Gary Allen (* 2. August 1936; † 29. November 1986 in Long Beach, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Journalist und Aktivist konservativer Organisationen. International bekannt wurde er 1972 durch sein Buch None Dare Call It Conspiracy (deutsch Die Insider), in dem er eine Verschwörungstheorie entwarf.

Leben

Allen studierte Geschichte an der Stanford University und der California State University. Er war zeitweise Sprecher der konservativen John Birch Society und schrieb für das Magazin Conservative Digest. 1963/64 verfasste er Reden für den rassistisch geprägten Wahlkampf von George Wallace in Alabama, in den 1980er Jahren schrieb er Reden für eine konservative, christlich-fundamentalistische Kampagne des texanischen Unternehmers Nelson Bunker Hunt.

Die Insider

In dem Buch None Dare Call It Conspiracy (deutsch Die Insider), das 1971 (nach anderen Angaben 1972) erschien, entwarf er eine sehr weitreichende Verschwörungstheorie: Eine geheime, international organisierte Freimaurer-Organisation, die er die „Insider“ genannt, bringe schon seit dem 19. Jahrhundert über die Zentralbanken die Politik der USA und anderer Staaten bis hin zur Sowjetunion unter ihre Kontrolle, um eine geheime Weltherrschaft zu errichten.

Das Grundmuster dieser Theorie geht auf Augustin Barruel zurück. Über die Werke der britischen Faschistin Nesta Webster fand die Theorie Eingang in die politische Propaganda der John Birch Society.

Schriften

  • mit den Redakteuren des Verlags: Communist revolution in the streets. Mit einem Vorwort von W. Cleon Skousen. Western Islands, Boston 1967.
  • Richard Nixon: the man behind the mask. Western Islands, Boston 1971.
  • Nixon’s palace guard. Western Islands, Boston 1971.
  • None dare call it conspiracy. Concord Press, Rossmoor 1972.
  • mit Larry Abraham: None dare call it conspiracy. Concord Press, Rossmoor 1973.
  • Kissinger: the secret side of the Secretary of State. ’76 Press, Seal Beach 1976, ISBN 0-89245-002-9.
  • Jimmy Carter, Jimmy Carter. ’76 Press, Seal Beach 1976, ISBN 0-89245-006-1.
  • The Rockefeller file. Mit einem Vorwort von Larry McDonald. ’76 Press, Seal Beach 1976, ISBN 0-89245-001-0.
  • Tax target, Washington. Mit einem Vorwort von Howard Jarvis. ’76 Press, Seal Beach 1978, ISBN 0-89245-014-2.

Weblinks

Bilderberger

Die Teilnahme an der jährlich stattfindenden Konferenz ist abhängig von einer Einladung durch den Vorsitzenden und die beiden ehrenamtlichen Generalsekretäre, die nach Beratung und Empfehlung des Lenkungsausschusses erfolgt. Die Teilnehmer werden nach Bekanntgabe der offiziellen Organisatoren so ausgewählt, dass eine „wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion“ über die vorgegebenen Tagesordnungspunkte sichergestellt werde. Die Geschäftssprache ist Englisch. Es gilt wie beim ähnlich global ausgerichteten und diskret operierenden Council on Foreign Relations die Chatham House Rule. Es kann in allgemeinen Begriffen berichtet, aber niemals mit Namen zitiert werden.

 

Hotel de Bilderberg in Oosterbeek

Die meisten Teilnehmer kommen aus NATO-Staaten; seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil. Eventuelle Einigungen werden nicht veröffentlicht. Bei der Bilderberg-Gruppe (international auch als Bilderberg-Club oder als Bilderberger bekannt) handelt es sich um keine formelle Organisation. Es existieren, soweit bekannt, weder ein Status der Mitgliedschaft noch ein Gründungsvertrag. Die Tagesordnungspunkte sowie die Teilnehmerlisten werden erst nach einem Treffen den internationalen Presseagenturen zugänglich gemacht.

Zum ersten Mal wurde die Konferenz im Mai 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande in dem damals ihm gehörenden Hotel de Bilderberg in Oosterbeek in den Niederlanden veranstaltet,[1] der Name Bilderberg wurde vom ersten Tagungsort übernommen. Dieses erste Treffen hochgestellter Persönlichkeiten erwuchs aus der Befürchtung, dass Westeuropa und Nordamerika möglicherweise nicht so eng zusammenarbeiteten, wie es die ernsten Probleme, mit denen sich die Staaten zu diesem Zeitpunkt konfrontiert sahen, erforderlich zu machen schienen.

Um die „Bilderberger“ ranken sich verschiedene Verschwörungstheorien.

Entstehungsgeschichte

Der Impuls zur Gründung der Bilderberg-Konferenz ging von Józef Retinger aus. Bereits während des Zweiten Weltkrieges hatte Retinger als Berater der polnischen Exilregierung in London Tagungen zwischen Vertretern von Exilregierungen und Außenministern europäischer Staaten organisiert. In diesen Konferenzen, die zwischen Oktober 1942 und August 1944 stattfanden, wurde das Nachkriegs-Zollabkommen zwischen den Benelux-Staaten geboren.

Nach dem Krieg legte Retinger während einer Konferenz im Chatham House seine Position hinsichtlich einer europäischen Einigung dar: „The end of the period during which the white man spread his activities over the whole globe saw the Continent itself undergoing a process of internal disruption.“ (Das Ende der Phase, während welcher der weisse Mann seine Aktivitäten über den Erdball verteilte, sah den Kontinent selbst einen Prozess der inneren Zerrüttung durchmachen.)

Zu diesem Zeitpunkt war Retinger Generalsekretär der unter der Leitung des belgischen Premierministers Paul van Zeeland stehenden Economic League for European Cooperation (ELEC), aus der später die Europäische Bewegung hervorging. Bald nach seiner Londoner Rede machte er die Bekanntschaft von W. Averell Harriman, dem amerikanischen Botschafter in Großbritannien, der ihm einen USA-Aufenthalt arrangierte, bei dem Retinger für die Unterstützung der dortigen Regierung für die ELEC werben wollte. Unter anderem nahm Retinger in den USA Kontakt mit Adolf Berle Jr. und John Foster Dulles auf.

In der Folge erhielt die Europäische Bewegung beträchtliche finanzielle Zuwendungen sowohl von Seiten der US-Regierung/CIA als auch aus privaten Quellen über das American Committee for a United Europe (ACUE) und andere Institutionen. 1952 legte Retinger sein Amt als Generalsekretär der Europäischen Bewegung nieder und begann verstärkt inoffizielle und vertrauliche Zusammenkünfte zwischen europäischen und US-Politikern und Wirtschaftsführern zu fördern. Besonders sollten diese Gespräche die aufkeimenden Spannungen zwischen den europäischen Staaten und den USA beseitigen.

Er konsultierte den ehemaligen belgischen Premierminister Paul van Zeeland, der zu diesem Zeitpunkt Präsident der OEEC war, sowie Paul Rykens, den damaligen Vorsitzenden der Unilever und vormaligen Berater der in London exilierten niederländischen Regierung, und entwarf mit ihnen Pläne für eine wiederkehrende Konferenz. Als Vorsitzenden und Symbolfigur für diesen transatlantischen Dialog gewann Retinger Prinz Bernhard der Niederlande.

Die Idee für die neue Gesprächsplattform war es, jeweils zwei Personen aus den bedeutenderen europäischen Staaten zu finden, um so den konservativen und liberalen Blickwinkel offenzulegen. Durch Bernhards Stellung und Retingers Verbindungen waren in kurzer Zeit zehn Personen gefunden:

Worin die Vorbehalte der europäischen Staaten gegenüber den USA bestanden, wurde auf der ersten Konferenz der europäischen Kerngruppe am 25. September 1952 erörtert. Eine Zusammenfassung sollte den Amerikanern überbracht werden. Auf vertraulichem Wege gelangte das Papier in die Vereinigten Staaten, wo jedoch die Präsidentschaftswahlen des Jahres 1952 in vollem Gange waren. Für die Belange Prinz Bernhards war in dieser hektischen Situation kein Raum, so dass ein erneuter Versuch für die Zeit nach den Wahlen sinnvoll erschien. Aber erneut wurde die Idee zurückgewiesen, ehe sich Bernhard an Walter Bedell Smith wandte. Smith war zu diesem Zeitpunkt CIA-Direktor und informierte seinerseits C. D. Jackson, den Sonderberater des US-Präsidenten, über die Angelegenheit.

In Zusammenarbeit mit John S. Coleman und dem Committee for a National Trade Policy wurde ein Antwortschreiben formuliert. Weitere Personen wurden einbezogen, so Joseph E. Johnson (Carnegie Endowment for International Peace), Dean Rusk (Direktor der Rockefeller-Stiftung) sowie David Rockefeller und Jack Heinz. Dennoch dauerte es noch bis 1954, ehe alle organisatorischen Fragen geregelt werden konnten.

Max Brauer und Rudolf Mueller übernahmen die Aufgabe, für Deutschland sieben Personen für die Teilnahme an der „vertraulichen Tagung” zu benennen. Anfang Mai 1954 wurden die personellen Fragen gelöst. Am Nachmittag des 28. Mai trafen sich die Mitglieder der Gruppe im niederländischen Soestdijk Palace zu letzten abschließenden Besprechungen.

Am folgenden Morgen um 10 Uhr wurde die erste Konferenz im Hotel de Bilderberg durch Prinz Bernhard eröffnet. Auf der Tagungsordnung des Treffens wurden die Standpunkte gegenüber „dem Kommunismus und der Sowjetunion“, „den Kolonien und ihren Bevölkerungen“, „den Wirtschaftspolitiken und ihren Problemen“ sowie „die europäische Integration und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft“ thematisiert. Es ging dabei nicht um eine „Lösung“ der Fragen, sondern um einen Austausch der jeweiligen Standpunkte. Obgleich die Themen für die Tagung vorgegeben waren, kamen die Europäer während der Konferenz doch immer wieder auf die anti-kommunistische Kampagne von Senator Joseph McCarthy zu sprechen. Einige sahen in seinem Eifer die Gefahr, dass die USA sich zu einer Diktatur entwickle, was von den US-Vertretern aber zurückgewiesen wurde.

„Offensichtlich“, so Retinger, müssen die Teilnehmer an den jährlich stattfindenden Bilderberg-Konferenzen „einflussreich und allgemein respektiert sein sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung“ verfügen, um durch ihre „persönlichen Kontakte und ihren Einfluss in nationalen wie internationalen Kreisen den von Bilderberg gesetzten Zielen“ genügen zu können. Die Teilnehmer sollten von großer Offenheit sein, keine offensichtlich nationalen Überzeugungen vertreten und nicht mit Vorurteilen belastet sein, sowie die westlichen kulturellen und ethischen Werte teilen, um so dem Ziel, so viele Personen wie möglich aus den verschiedensten Kreisen zu erreichen, entsprechen zu können. Die Organisatoren achten darauf, parteipolitisches Gleichgewicht zu halten, denn „es kann nicht schaden, wenn Kontroversen auch im Rahmen […] [dieser] Konferenz polar ausgetragen werden“. Für die jeweilige Zusammensetzung jedes Treffens werde ein Gleichgewicht angestrebt, welches so gut wie möglich die vorherrschende Meinung des jeweiligen Landes zu den vorgegebenen Themen widerspiegele.

Das ehemalige Mitglied des Steering Committees, George C. McGhee, sagte dem Biographen von Prinz Bernhard über die Kompetenzen der Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen: Ich glaube, sie können sagen, dass die Römischen Verträge, welche den Gemeinsamen Markt einleiteten, auf diesen Tagungen geboren wurden.

Prinz Bernhard der Niederlande führte bis zur Aufdeckung seiner Verwicklung in den Lockheed-Bestechungsskandal den Vorsitz. Wie alle Bilderberg-Aktivitäten, wurde auch Bernhards Verstrickung äußerst diskret gehandhabt, so dass das für den 22. bis 25. April 1976 angesetzte Treffen in Hot Springs, Virginia, abgesagt wurde, um der öffentlichen Aufmerksamkeit wegen seiner langjährigen Funktion zu entgehen. Prinz Bernhard legte schließlich im August desselben Jahres sein Amt nieder. Im April 1977 wurden dann die informellen Konferenzen unter dem Vorsitz von Alec Douglas-Home wieder aufgenommen sowie unter mehrfach geändertem Vorsitz bis zum heutigen Tag fortgeführt.

Organisation

Ablauf

Bilderberg-Konferenzen dauern in der Regel drei Tage. Es werden vor allem Fragen der Weltwirtschaft und der internationalen Beziehungen besprochen. Die Gespräche münden nicht in einer Abschlusserklärung und werden auch nicht im Wortlaut veröffentlicht.

Nach jeder Konferenz bekommt jeder Teilnehmer sowie alle, die früher an einer Bilderberg-Konferenz teilgenommen haben, ein Protokoll des Treffens zugesandt. Diese Protokolle sind keine Wortprotokolle, sondern nur Zusammenfassungen der Besprechungen, in denen Aussagen niemals einem bestimmten Teilnehmer, sondern immer nur dessen Herkunftsland zugeordnet werden. Seit 1963 erhalten die Teilnehmer zusätzlich eine erläuternde Schrift, um das Bild einer solchen Konferenz zu vervollständigen. Diese Papiere sind besonders vertraulich zu behandeln. Die Bilderberg-Treffen finden üblicherweise in hochklassigen Hotels statt.

Willy Claes, ehemaliger NATO-Generalsekretär und zweimaliger Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz, bestätigte dieses Prozedere in einem Interview auf dem belgischen Sender Radio 1 (VRT): Die Konferenzteilnehmer erhalten demnach zu einem bestimmten Thema je zehn Minuten Zeit für einen Vortrag, wobei eine spezifische Sitzung von einem Rapporteur begonnen wird, gefolgt von Beiträgen der anderen Teilnehmer. Das Bilderberg Steering Committee übermittelt die Diskussionsergebnisse in Form von Synthesen an alle Teilnehmer, die im Laufe des folgenden Jahres die in den Synthesen ausgegebenen Strategien im jeweiligen politischen, unternehmerischen oder anderen Umfeld in ihren Heimatländern implementieren sollen.[2]

Leitung, Organe

Die Leitung der Bilderberg-Konferenzen obliegt einem Vorsitzenden.

1954 bis 1976 hatte Prinz Bernhard der Niederlande den Vorsitz inne, obwohl er in der Öffentlichkeit wegen verschiedener Skandale umstritten war.

1976 bis 1980 trat seine Nachfolge der frühere britische Premierminister Alec Douglas-Home an.

1980 übergab Lord Home während der Aachener Bilderberg-Konferenz den Vorsitz an Walter Scheel, den früheren Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.[3]

1985 übernahm Eric Roll, Baron Roll of Ipsden, einer der früheren Präsidenten des Bankhauses S.G. Warburg, den Vorsitz. 1989 übergab dieser während der Konferenz den Vorsitz an Peter Carington, 6. Baron Carrington, den früheren Generalsekretär der NATO, der den Posten für zehn Jahre innehatte. Danach übernahm Étienne Davignon, ein früheres Mitglied der Europäischen Kommission den Vorsitz.[4] 2010 übernahm Henri de Castries,[5] Vorstandsvorsitzender (CEO) des französischen Versicherungskonzerns AXA und persönlicher Freund von Nicolas Sarkozy[6], den Vorsitz der Bilderberg-Konferenzen.[7] Über die AXA konzerneigene AllianceBernstein LP Vermögensverwaltung besteht darüber hinaus ein enger Kontakt zu Goldman Sachs.[8]

Der Vorsitzende wird in seiner Arbeit durch zwei ehrenamtliche Generalsekretäre unterstützt, nämlich einen für Europa und Kanada sowie einen für die USA. Dementsprechend bestehen Sekretariate in Leiden und New York. Weiter gibt es einen ehrenamtlichen „Leiter für Finanzen“.

1956 wurde überdies ein achtköpfiger Lenkungsausschuss (Steering Committee) eingesetzt. Lenkungsausschussmitglieder können jeder Konferenz und jedem sonstigen Treffen beiwohnen. Beim Steering Committee handelt es sich nicht um einen gewählten Ausschuss. Die Mitglieder werden vom Vorsitzenden der Konferenz ernannt und, nach Rücksprache mit diesen Mitgliedern, werden die Teilnehmer auf der jeweils kommenden Konferenz ausgewählt. Zwischen den jährlichen großen Bilderberg-Konferenzen finden nur zu wichtigen Anlässen weitere Zusammenkünfte des Steering Committees statt. Im Steering Ausschuss sitzen stets zwei Mitglieder aus Deutschland, von denen einer für Finanzen, der andere für die Auswahl der Themen und der Redner verantwortlich ist. Diesen Posten hatte lange der Chefredakteur der Zeit Theo Sommer inne; ihm folgte zunächst Christoph Bertram, danach Matthias Naß, beide ebenfalls Redaktionsmitglieder der Zeit.[9]

1959 kam schließlich ein Beratungsgremium (Advisory Group) hinzu. Wie verlautbart, trifft es sich dann, „wenn für notwendig empfunden”, in den ersten Dekaden meist im Soestdijk Palace, dem Stammsitz von Prinz Bernhard der Niederlande.

Teilnahme

Für gewöhnlich nehmen rund 130 Personen teil, wobei eine geographische und funktionelle Besonderheit erkennbar wird: Zwei Drittel stammen aus Westeuropa und ein Drittel aus Nordamerika. Etwa zwei Drittel der geladenen Teilnehmer kommen aus dem Finanzsektor, der Industrie, Hochschulen und Medien und etwa ein Drittel aus Regierungen oder politischen Institutionen.

Seit 1954 besuchten die Konferenz ca. 2.500 Personen. Sie kamen aus etwa 28 Staaten und gehörten etwa 15 Internationalen Organisationen an. Seit 1972 nehmen auch Frauen an den Veranstaltungen teil.

Alle Beteiligten nehmen an den Konferenzen ausschließlich als Privatpersonen und nicht in ihrer offiziellen Position teil, obgleich ihre Stellung im öffentlichen Leben eine entscheidende Rolle bei diesen Kooptationen spielen kann.[10]

Zum engsten Kreis der Teilnehmer gehören seit Beginn die englischen und belgischen Königshäuser, Bankiers sowie die politischen und militärischen Strategen des nordatlantischen Bündnisses.

Als aktivste Teilnehmer gelten Giovanni Agnelli (Fiat) und David Rockefeller (Chase Manhattan Bank), welche jeweils bei ca. 20 Bilderberg-Konferenzen anwesend waren und auch der Advisory Group angehörten.

Eine starke Stellung auf den Treffen genießt ferner der ehemalige US-Minister Henry Kissinger.

Zu den deutschen Teilnehmern zählt zum Beispiel Jürgen Schrempp.[11][12] Aus Deutschland sind im Steering Committee seit den 60er Jahren stets ein Vertreter der Deutschen Bank (etwa Hilmar Kopper und Josef Ackermann) sowie ein Vertreter der Wochenzeitung Die Zeit (etwa Helmut Schmidt und Christoph Bertram) anwesend.

Konferenzorte und -frequenz

Die jährliche große Konferenz ist das wichtigste Ereignis, welches die Bilderberg-Organisatoren veranstalten.

Bis Mitte der 1960er Jahre waren die Treffen der Bilderberg-Gruppe weltweit weitestgehend unbekannt.

Von 1954 bis 2009 fanden 57 Konferenzen statt. Bis 1957 wurden zwei Treffen pro Jahr abgehalten, heute nur noch eines. 1960 wurde der Name von Bilderberg-Gruppe zu Bilderberg-Konferenz geändert. Jede vierte Konferenz findet in Nordamerika statt, um den amerikanischen und kanadischen Teilnehmern entgegenzukommen.

Die letzten Konferenzen fanden in Frankreich (2003, Versailles), Italien (2004, Stresa), Deutschland (2005, Rottach-Egern), Kanada (2006, Ottawa), Türkei (2007, Istanbul), USA (2008, Chantilly, Virginia), Griechenland (2009, Athen), Spanien (2010, Sitges)[13], USA (2011, Chantilly, Virginia),[14] in der Schweiz (2011, St. Moritz),[15] im Vereinigten Königreich (2013, Watford[16]) und Dänemark (2014, Kopenhagen)[17] statt. Die 63. Konferenz im Jahr 2015 fand vom 11.–14. Juni in Telfs, Österreich, statt.[18][19]

Finanzierung

Die Auslagen für das Sekretariat der Bilderberg-Konferenz werden nach eigenen Angaben der Konferenz vollständig durch private Zuwendungen gedeckt; die Finanzierung der durch die Bewirtung der einzelnen Konferenzteilnehmer entstehenden Kosten verantworten diejenigen Mitglieder des Lenkungsausschusses, die aus dem Land stammen, in dem die jeweilige Konferenz stattfindet.[20] Wie bei der Konferenz 2011 in der Schweiz bekannt wurde, haben sich der Veranstalter und der Bund die Kosten für die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen geteilt.[21] Wie hoch diese Kosten waren und wie das bei anderen Konferenzen gehandhabt wurde, ist nicht bekannt. Die Kosten für die Anreise zur Konferenz sollen die Teilnehmer selbst tragen. Im Jahr 2008 wurde bekannt, dass die Reisekosten von Eckart von Klaeden (Teilnehmer der CDU) vom Deutschen Bundestag übernommen wurden.[22] Nachdem der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im darauffolgenden Jahr an der Konferenz teilnahm, gab es eine parlamentarische Anfrage über Details zu den Inhalten der Konferenz sowie der Motivation und Finanzierung von Faymanns Konferenz-Teilnahme.[23] Laut den Gegnern der Konferenz und einer Zeitung werden zumindest seit 2015 die Kosten für die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen von der öffentlichen Hand, also den Steuerzahlern, übernommen.[24]

Einordnung

Medienpräsenz in Deutschland

Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für praktische Journalismusforschung in Leipzig Uwe Krüger[25], der eine Dissertation über Elite-Journalismus und die Netzwerke, in denen er sich bewegt, veröffentlicht hat, überschrieb 2007 einen der wenigen Berichte, die über die Bilderberger in Deutschland erschienen sind, in der Medienzeitschrift Message mit: Alpha-Journalisten embedded.[1][26]

Der Münchener Mediensoziologe und Publizist Rudolf Stumberger äußerte über die Bilderberg-Konferenz 2010, er habe kein Verständnis dafür, „dass verantwortliche Redakteure etwa der Wochenzeitung Die Zeit schon über viele Jahre eng mit den Bilderbergern verflochten sind und dennoch wie alle anderen teilnehmenden Journalisten nie auch nur eine Zeile über die Konferenzen berichten“. Er gehe davon aus, dass es hier um persönliche Eitelkeiten geht.[1] Seither wurden die Treffen in einzelnen Artikeln der Zeit erwähnt, so u. a. 2011,[27][28][29] aber auch schon 1988.[30]

Auswirkungen

Aufgrund des rechtlich informellen Charakters des Treffens können keine ausführbaren Beschlüsse getroffen werden. Durch die Diskussionen soll jedoch ein Konsens über eine gemeinsame Denk- und Handlungslinie erreicht werden.[31] Nur wenige Auswirkungen sind tatsächlich belegbar bekannt:

Die Trilaterale Kommission wurde auf Anraten Rockefellers bei einer Bilderberg-Konferenz gegründet. Die Einführung des Euro geht nach Angaben des belgischen Unternehmers und Ehrenvorsitzenden Etienne Davignon auf eine Bilderberg-Konferenz zurück. Bei der Gestaltung der Römischen Verträge zur Gründung der EWG kam nach Angaben des ehemaligen US-Botschafters in Berlin, John McGhee, den Bilderberg-Konferenzen eine „wichtige Rolle“ zu.[31]

Für den Ökonomen und zeitweiligen Indienbotschafter unter John F. Kennedy, John Kenneth Galbraith, rechtfertigt die Bilderberg-Konferenz dagegen kein einziges jener Geheimnisse, die um sie gemacht werden – außer einem: „Niemand glaubt ernsthaft daran, von diesen Treffen könne irgendeine Wirkung ausgehen. In Wirklichkeit sind sie nur eins: Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form“.[32]

Geheimhaltung

Die Tagungshotels werden für die Zeit der Bilderberg-Konferenzen üblicherweise für andere Gäste gesperrt. Am 9. Juni 2011 wurde der italienische EU-Parlamentarier Mario Borghezio von der Polizei in Gewahrsam genommen und befristet des Kantons Graubünden verwiesen, nachdem er versucht hatte, das Bilderberg-Tagungshotel Suvretta House in St. Moritz zu betreten. Der Vorfall führte zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Italien und der Schweiz.[33]

Auch das Weltwirtschaftsforum in Davos, die Atlantikbrücke, die Münchner Sicherheitskonferenz oder die Treffen der Trilateralen Kommission sind so genannte „privat“ organisierte Treffen.[34] Rudolf Stumberger (siehe oben) wundert sich über diese Auffassung von „privaten Treffen“, bei denen praktisch kein Blatt Papier mehr zwischen die Welt der Wirtschaft und derjenigen der Politik passe. Er ordnet die praktizierte Geheimhaltung anders ein:

„Tendenzen der Re-Feudalisierung. Das heißt, dass neben den offiziellen, demokratischen Strukturen die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab.“[1]

Eckart von Klaeden (siehe oben):

„Auf der Konferenz können Sie ungehindert und offen über aktuelle Probleme der Weltpolitik und -wirtschaft diskutieren. Daher ist die Tagung auch vertraulich und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dies ist die Vereinbarung unter allen Teilnehmern …“[1][35]

Kritik

Verschwörungstheorien

Die strenge Geheimhaltung der Gesprächsthemen der Konferenzen lieferte häufig Stoff für Verschwörungstheorien.[36]

Des Griffin behauptet in seinem Buch Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne (englischer Originaltitel: The Fourth Reich of the Rich – übersetzt: Das Vierte Reich der Reichen), die Bilderberger strebten eine „Weltdiktatur” im Sinne einer Neuen Weltordnung an und würden ihre diesbezüglichen Pläne „erbarmungslos weiterentwickeln“.[37]

Der deutsche Autor Andreas von Rétyi spekuliert darüber, ob sie hinter den Morden an Alfred Herrhausen und Olof Palme stecken würden, die sich angeblich gegen sie gestellt hätten. Auch schreibt er den Bilderbergern die Verantwortung für eine ganze Reihe einschneidender Ereignisse der Nachkriegsgeschichte zu, wie etwa:

1991 soll Bill Clinton, damals noch Gouverneur von Arkansas, an der Konferenz teilgenommen haben und dort auf das Projekt des nordamerikanischen Freihandelsabkommens eingeschworen worden sein. Er habe Unterstützung zugesagt.[1]

Für die rechtsextreme US-amerikanische Zeitschrift The Spotlight war im Mai 1993 die Tatsache, dass von den Treffen der Bilderberger trotz der hohen Prominenz der Teilnehmer nichts veröffentlicht wird, Anlass, über ihre Macht auch über die Medien zu spekulieren: „Die Bilderberger sind zu mächtig und zu allgegenwärtig, als dass man öffentlich über sie berichten könnte.“[39] Die Anti-Defamation League beklagt, dass sich die Kritiker in ihrer Polemik gegen eine angebliche Verschwörung der Familien Rockefeller und Rothschild, die internationalen Banken und eine sich angeblich anbahnende „geheime Weltregierungantisemitischer Stereotype bedienen.[40]

Im August 2010 wurden nach einer Meldung von AFP zwei Kommentare von Fidel Castro veröffentlicht, nach denen die Jugend der Welt aufgrund der Verschwörung einer Weltregierung einem atomaren Holocaust geopfert werden solle. Hinter dieser Weltregierung stehe die Bilderberg-Konferenz. Castro beruft sich dabei auf das Buch des russischen Journalisten Daniel Estulin über die „wahre Geschichte der Bilderberger“, das 2007 auf Deutsch im Kopp-Verlag erschienen war.[41]

Gesellschaftswissenschaften

Hans-Jürgen Krysmanski[42], Vertreter der Power Structure Research, kritisiert, dass man über die Bilderberger, ähnlich wie über andere Begegnungen von Reichen und Mächtigen so gut wie nichts wisse, während etwa Hartz-IV-Empfänger einer ständigen Kontrolle der Ämter und einer begleitenden Sozialforschung unterworfen seien. Dabei seien diese es, die wirklich die Macht in den Händen halten:

„Macht hat auch etwas mit dieser Geld-Macht-Dimension zu tun und insofern können Politiker auch gar nicht die Ebene darüber, die Finanzeliten etwa, kontrollieren. Das hat Herr Tietmeyer ja schon 1996 sehr deutlich gesagt, die Politiker machten sich gar keine Vorstellungen davon, wie sehr sie von den Finanzmärkten abhängig sind.“[1]

Der belgische Soziologe Geoffrey Geuens von der Université de Liège missbilligt die zwanghafte Geheimhaltung der Bilderberger, schließt sich aber keiner Verschwörungstheorie an. Er benutzt das Beispiel der Bilderberger, um aufzuzeigen, wie Macht funktioniert und welche engen Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und den Medien bestehen.[11]

Nach dem Hamburger Historiker Bernd Greiner, Bereichsleiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Experte für den Kalten Krieg, liegt eine funktionale Ausdifferenzierung von Staatlichkeit im Sinne Niklas Luhmanns vor. Diese Zuständigkeiten seien bei weitem nicht so gebündelt zu sehen, wie es in Verschwörungstheorien angenommen wird; vielmehr fehle sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik „dieses eine, steuernde Zentrum“. Das habe sich beispielsweise in der Griechenland-Krise oder bei dem Problem der verminderten Interventionspotenziale gezeigt.[1]

Nach dem Journalisten Marcus Klöckner widerlegen die personale Diskontinuität und die Heterogenität der Teilnehmer sowie die Seltenheit ihrer Treffen die Vorstellung, bei den Bilderbergern handle es sich um eine geheime Weltregierung. Gleichwohl seien die Treffen demokratietheoretisch durchaus nicht so harmlos, wie der Vergleich mit üblichen Hinterzimmergesprächen von Politikern, Journalisten und Wirtschaftsführern annehmen lasse. Durch die geheimen Treffen würden wichtige Teile der politischen Willensbildung aus dem öffentlichen Raum ausgelagert und der demokratischen Kontrolle entzogen. Das enorme soziale Kapital, das bei den Treffen zusammenkomme, ermögliche es, Vorhaben von großer Tragweite durchzusetzen, selbst wenn nicht alle Teilnehmer in den Konsens eingewilligt hätten.[43]

Politik

Im Sommer 2012 war Jürgen Trittin Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz im US-amerikanischen Chantilly (Virginia), was in seiner Partei gespaltene Reaktionen hervorrief.[44][45]

Siehe auch

Literatur

  • Charles Wright Mills: The Power Elite. Oxford University Press, Oxford 1956 (englisch).
  • Alden Hatch: Prins Bernhard af Holland. Blade af et moderne monarkis historie. Lohses Forlag, Kopenhagen 1962 (dänisch, illustriert mit sw-Fotos).
  • John Pomian (Hrsg.): Joseph Retinger. Memoirs of an Eminence Grise. Sussex University Press / Chatto & Windus Ltd., Brighton / London 1972 (englisch, with a foreword by Prince Bernhard of the Netherlands).
  • Bernt Engelmann: Hotel Bilderberg. Steidl Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-88243-316-7.
  • Hans-Jürgen Krysmanski: Hirten & Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research. Westfälisches Dampfboot, Münster 2004, ISBN 3-89691-602-5 (Online-Ausgabe (PDF)).
  • Markus B. Klöckner: Machteliten und Elitenzirkel. Eine soziologische Auseinandersetzung. 1. Auflage. VDM, Saarbrücken April 2007, ISBN 978-3-8364-1332-9.
  • Carroll Quigley: Katastrophe und Hoffnung. Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit. Perseus, Basel 2007, ISBN 3-907564-42-1.
  • Ian Richardson, Andrew Kakabadse, Nada Kakabadse: Bilderberg People. Elite Power and Consensus in World Affairs. Routledge, London 2011, ISBN 978-0-415-57635-2 (englisch).
  • Björn Wendt: Die Bilderberg-Gruppe. Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten. 1. Auflage. Optimus Wissenschaftsverlag, Göttingen März 2015, ISBN 978-3-86376-143-1.

Weblinks

Commons: Bilderberg-Konferenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Allgemeine

Medien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Detlef Grumbach, radio.de: Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht? – Zur Bilderberg-Konferenz 2010, Deutschlandfunk, Hintergrund, 2. Juni 2010
  2. „Luister naar Willy Claes“ (Interview): „2 tot en met 6 juni: Bilderbergconferentie in Sitges, Spanje“, Feiten en Fillet: De dag in zestig minuten (Radio 1 / VRT), 4. Juni 2010. Transkript.
  3. Hörbare Vertalkung. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1987, S. 238–242 (online).
  4. BBC News vom 29. September 2005: Inside the secretive Bilderberg Group
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatProfil von Henri De Castries. In: corporationwiki.de. 17. Mai 2012, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHolger Alich: AXA-Chef Henri de Castries: Der Machtmensch. In: Handelsblatt. 9. Oktober 2009, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBilderberg Meetings – Governance. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPeter S. Kraus – Chairman of the Board and Chief Executive Officer. In: AllianceBernstein.com. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  9. Marcus Klöckner: Die diskrete Macht der Bilderberger. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 99 f.
  10. Romano Prodi im Namen der Europäischen Kommission am 15. Mai 2003
  11. a b Asia Times (10. Mai 2005): Bilderberg strikes again, von Pepe Escobar (abgerufen am 2. Juni 2007)
  12. Deutschlandradio (29. Mai 2004): Erste Bilderberger Konferenz vor 50 Jahren
  13. 58. „Bilderberg“- Konferenz: Das Geheimnis von Sitges Die Presse 5. Juni 2010 (Abgerufen am 8. Juni 2010), The Bilderberg „Blackout“ slate.com 9. Juni 2008 (Abgerufen am 9. Juni 2010).
  14. Charlie Skelton: Bilderberg 2012: the technocrats are rising at this year’s annual conference. In: guardian.co.uk. 13. Oktober 2014, abgerufen am 14. Juni 2015.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMarcus Klöckner: Bilderberg-Konferenz: SPD trifft Facebook trifft NSA. In: fr-online.de. 14. Juni 2011, abgerufen am 14. Juni 2015.
  16. Der Club der Mächtigen: Bilderberg-Gruppe trifft sich nahe London. In: Spiegel Online. 7. Juni 2013, abgerufen am 14. Juni 2015.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBilderberg-Konferenz in Kopenhagen: Die Mächtigsten der Welt beraten sich im geheimen Zirkel. In: Focus Online. 30. Mai 2014, abgerufen am 14. Juni 2015.
  18. 63rd Bilderberg conference to take place from 11 – 14 June 2015 in Telfs-Buchen, Austria
  19. Großaufgebot für Konferenz und G7-Gipfel – tirol.ORF.at. In: tirol.orf.at. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  20. Bilderberg Meetings. The official Website (abgerufen am 14. Juni 2012).
  21. Roman Seiler: Bilderberg-Konferenz – Gästeliste und Agenda streng geheim: Hier tagt die Welt-Elite. In: blick.ch. 2. Januar 2012, abgerufen am 14. Juni 2015.
  22. abgeordnetenwatch.de: Eckart von Klaeden (CDU)
  23. parlament.gv.at, Parlamentarische Anfrage der FPÖ zur Teilnahme von Werner Faymann an der Bilderberg-Konferenz 2009
  24. Öffentliche Hand zahlt für Bilderberg-Treffen. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  25. Journalismusforschung.de: Diplom-Journalist Uwe Krüger (Memento vom 15. Januar 2010 im Internet Archive)
  26. Archivfrontseite message, Ausgabe 3-2007, aufgerufen am 3. Juni 2010, 15:19 MESZ.
  27. Heike Faller: Endzeitstimmung. Rette sich, wer kann! ZEITmagazin, 24. Februar 2011
  28. Peer Teuwsen: Management. „Verantwortung ist Spaß“ DIE ZEIT, 22. Juni 2011
  29. Heike Faller, Max Otte: Finanzkrise. Der alte Mann und das Mehr ZEITmagazin, 4. August 2011
  30. Theo Sommer: Weltbühne. Schlaflose Gendarmen DIE ZEIT, 10. Juni 1988
  31. a b Marcus Klöckner: Bilderberg-Konferenz: Geheimes Treffen der Elite, Frankfurter Rundschau, 7. Juni 2010, aufgerufen am 10. April 2011, 15:30 MESZ
  32. John Kenneth Galbraith: „Herrschaft der Bankrotteure“, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1992, S. 136.
  33. Schweizer Fernsehen am 11. Juni 2011 – Italien fordert Aufklärung nach Bilderberg-Vorfall.
  34. Rudolf Stumberger: Die privaten Treffs der Reichen und Mächtigen, heise.de, 23. Januar 2008, aufgerufen am 3. Juni 2010, 15:32 MESZ
  35. Kostenübernahme durch den Bundestag – Auskunft von Eckart von Klaeden auf www.abgeordnetenwatch.de
  36. Marlon Kuzmick: Bilderbergers. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 123 f.
  37. Des Griffin: Die Herrscher. Luzifers fünfte Kolonne. VAP – Verlag für Außergewöhnliche Perspektiven, Wiesbaden 1980 (Originaltitel: The Fourth Reich of the rich), S. 138.
  38. Vgl. F. William Engdahl, Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, Kopp Verlag, Rottenburg 2006.
  39. zit. nach Robert Anton Wilson und Miriam Joan Hill: Everything is under Control. Conspiracies, Cults and Cover-Ups. HarperPerennial, New York 1998, S. 76 ff.
  40. Debunking the Bilderberg Myth auf der Webseite der Anti-Defamation League, Zugriff am 7. Februar 2013; Marlon Kuzmick: Bilderbergers. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 124.
  41. Afp: Ausland: AUCH DAS NOCH – Fidel Castros Magical Mystery Tour. In: badische-zeitung.de. 21. August 2010, abgerufen am 14. Juni 2015.
  42. stern.de, 24. Januar 2008, Hans-Jürgen Krysmanski: Davos ist „wie eine Bambi-Gala“, aufgerufen am 3. Juni 2010, 16:56 MESZ
  43. Marcus Klöckner: Die diskrete Macht der Bilderberger. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 102–108.
  44. Trittin und sein Bilderberg-Problem auf Spiegel Online
  45. Matthias Kamann, Michael Stürmer: Trittin nach Bilderberg-Konferenz in Erklärungsnot. welt.de, 5. Juni 2012, abgerufen am 6. Juni 2012.

CC-BY-SA 3.0 Wikipedia

David Rockefeller – Biografie

David Rockefeller Sr. (* 12. Juni 1915 in New York) ist ein US-amerikanischer Bankier, Milliardär und Staatsmann. David ist der aktuelle Patriarch der Rockefeller-Familie, das einzige noch lebende Kind des Milliardärs John D. Rockefeller Jr. und der einzige noch lebende Enkel des Ölmagnaten John D. Rockefeller Sr. David Rockefeller prägte insbesondere den wirtschaftlichen Erfolg der Chase Manhattan Bank. Zeit seines Lebens ist Rockefeller in politikberatenden Denkfabriken und Stiftungen engagiert.

Leben

1915–1945: Ausbildung und Zweiter Weltkrieg

Rockefeller wurde 1915 in der privaten Krankenstation im elterlichen Wohnhaus in New York City geboren und wuchs in der größten privaten Residenz der Stadt, einem neunstöckigen Haus in der 10 West 54th Street auf. Das Haus war bestückt mit seltenen antiken, mittelalterlichen und Renaissance-Schätzen seines Vaters. Auf der siebten Etage betrieb seine Mutter Abby Aldrich Rockefeller eine private Galerie für Moderne Kunst. Das Haus wurde später von Davids Vater als Standort für einen Skulpturengarten im Namen und in Erinnerung seiner Frau Abby als Teil des New Yorker Museum of Modern Art gespendet.

Schloss Kykuit, NY, erbaut von John D. Rockefeller Sr., Familiensitz der Rockefellers

Als Kind verbrachte er viel Zeit auf dem elterlichen Schloss Kykuit in Pocantico Hills, eine Stunde nördlich von New York City. Regelmäßige Gäste waren dort langjährige Mitarbeiter seines Vaters, darunter General George C. Marshall, Namensgeber für den Marshallplan der alliierten Siegermächte im Nachkriegseuropa, der Abenteurer und Admiral Richard Evelyn Byrd, dessen Antarktis-Expeditionen die Rockefellers finanzierten, der Atlantik-Flug-Pionier Charles Lindbergh sowie der Anwalt der Familie Rockefeller, spätere Präsident der Weltbank, langjährige Präsident des Council on Foreign Relations, Vorstandsvorsitzende von Rockefellers Chase Manhattan Bank und höchster Vertreter der alliierten Siegermächte in Deutschland, John J. McCloy.[1] Die Sommerferien wurden im Eyrie verbracht, ein 100-Zimmer-Haus in Seal Harbor an der südöstlichen Küste von Mount Desert Island in Maine. McCloy, der in seiner Funktion als Hochkommissar viele verurteilte deutsche Kriegsverbrecher wieder begnadigte, lehrte David und seinen Brüdern das Segeln.[2]

Rockefeller besuchte die Lincoln School auf der 123. Straße in Harlem. Die 1916 gegründete und von der Columbia University betriebene Schule war die Idee von Abraham Flexner, einem Vorstand des General Education Board der Rockefeller-Stiftung und wurde nach der Philosophie des Reformpädagogen John Dewey geführt.

Im Jahr 1936 absolvierte Rockefeller die Harvard University mit cum laude, der er 2008 eine Spende in Höhe von 100 Mio. US-Dollar zukommen ließ.[3] Es folgte an gleicher Stelle ein einjähriges Aufbaustudium der Wirtschaftswissenschaften und anschließend ein Jahr an der London School of Economics. Hier traf er zum ersten Mal John F. Kennedy, obwohl sie bereits gleichzeitig in Harvard studierten.[4] Rockefeller arbeitete während dieser Zeit in der Londoner Niederlassung der Chase Manhattan Bank. Um sein Studium abzuschließen, kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und promovierte erfolgreich mit seiner Dissertation „Unused Resources and Economic Waste“ (dt.: „Ungenutzte Ressourcen und volkswirtschaftliche Verschwendung“) an der 1892 von seinem Großvater John D. Rockefeller Sr. gegründeten und finanzierten privaten Elitehochschule University of Chicago.[5]

Nach Abschluss seines Studiums in Chicago, wurde er für 18 Monate Sekretär des New Yorker Bürgermeisters Fiorello LaGuardia in einer sogenannten Ein-Dollar-pro-Jahr-Stelle des öffentlichen Dienstes. Obwohl Bürgermeister La Guardia gegenüber der Presse darauf hinwies, dass Rockefeller nur einer von 60 Praktikanten der New Yorker Stadtverwaltung wäre, war sein Arbeitsplatz praktisch das vakante und unbesetzte Amt des stellvertretenden Bürgermeisters.[6]

Von 1941 bis 1942 diente Rockefeller als Assistent des Direktors vom Vorläufer des US-Verteidigungsministeriums, dem United States Office der Verteidigung, Gesundheit und Wohlfahrt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldete er sich für den Kriegsdienst, besuchte 1943 zunächst die Offizierschule und wurde 1945 schließlich zum Hauptmann befördert. Während des Zweiten Weltkriegs diente er in Nordafrika und Frankreich dem militärischen Geheimdienst zum Aufbau politischer und wirtschaftlicher Geheimdiensteinheiten. Hilfreich bei dieser Aufgabe war, dass Rockefeller schon damals fließend Französisch sprach. Sieben Monate lang diente er als Assistent des Militärattaché an der Botschaft der Vereinigten Staaten in Paris. Während dieser Zeit konnte er Kontakte seiner Familie und die von „Standard Oil„-Führungskräften um Hilfe bitten sowie eigene neue Kontakte knüpfen. Hier lernte er nach eigenem Bekunden das Potenzial der Vernetzung besonders zu schätzen.[7]

Ab 1946: Karriere bei der Chase Manhattan Bank

Rockefeller-Intimus John J. McCloy

Ab 1946 begann Rockefellers Karriere bei der Chase National Bank. Vorsitzender war Davids Onkel Winthrop W. Aldrich, Sohn des mächtigen US-Senators Nelson W. Aldrich und Bruder von Rockefellers Mutter Abby Aldrich Rockefeller. Die Chase National Bank war in erster Linie eine Bank für globale Unternehmen, die mit anderen Finanzinstituten und Großkunden wie General Electric Geschäfte abwickelte. General Electric, dessen GE Building heute noch ein Hauptgebäude des Rockefeller Centers ist, war bereits bei Fertigstellung des Centers 1940 der erste Mieter überhaupt. Die Chase Manhattan Bank ist eng mit der Ölindustrie verbunden, finanziert diese und besitzt langjährige Verbindungen zu den Vorständen der Nachfolgeunternehmen von Rockefellers Standard Oil, insbesondere zu ExxonMobil. Aus der Chase National Bank wurde im Jahr 1955 zunächst die Chase Manhattan Bank und man stieg in das Privatkundengeschäft ein. Nach weiteren Fusionen firmiert die Rockefeller-Bank heute als JPMorgan Chase & Co.

Rockefeller begann 1946 seine Karriere in unterster Position als Assistenzmanager in der Auslandsabteilung der Chase National Bank, die den internationalen Handel von Gütern wie Kaffee, Zucker und Metallen finanzierte. Diese Position beinhaltete auch Beziehungen mit mehr als 1000 Korrespondenzbanken auf der ganzen Welt zu halten. Er bahnte sich seinen Weg durch die Reihen und wurde 1960 Präsident des mittlerweile in Chase Manhattan Bank umbenannten Finanzkonzerns und damit Nachfolger von seinem einstigen Förderer John J. McCloy. Von 1969 bis 1980 war Rockefeller Chief Executive Officer (Generaldirektor) der Bank. Zu dieser Zeit hielt er 1,7 % der Anteile und war damit gleichzeitig größter Einzelaktionär der Chase Manhattan.[8]

One Chase Manhattan Plaza (rechts), im Hintergrund 40 Wall Street

Als Vorsitzender des Ausschusses für eine neue Bankzentrale entschied sich Rockefeller 1955 die neue Zentrale der Chase National Bank direkt gegenüber dem Sitz der Federal Reserve Bank of New York in unmittelbarer Nähe zur Wall Street unter seiner Leitung zu errichten. 1961 wurde das neue Hauptquartier, das One Chase Manhattan Plaza, an der Liberty Street im Herzen Lower Manhattans eröffnet. Der 60-stöckige, 248 Meter hohe Wolkenkratzer, war zu diesem Zeitpunkt das größte Bankgebäude der Welt und verbarg fünf Stockwerke unter der Erde den damals größten Banktresor der Welt.

In den 1960er Jahren bildete Rockefeller gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten das Chase International Advisory Committee, ein bis 2005 bestehendes weltumspannendes Gremium aus 28 prominenten und angesehenen Geschäftsleuten aus 19 Nationen. Mit vielen von ihnen verband Rockefeller eine persönliche Freundschaft. Rockefeller war, bis er 1999 in den Ruhestand ging, Vorsitzender des Komitees. Nach der Chase-Fusion mit JP Morgan zu JPMorgan Chase & Co., wurde dieser Ausschuss in International Council umbenannt und beherbergt weiterhin prominente Persönlichkeiten wie Henry Kissinger, Riley P. Bechtel (Vorsitzender der Bechtel Corporation), Andre Desmarais, Lee Kuan Yew und den derzeitigen Vorsitzenden George P. Shultz (Finanzminister von Präsident Richard Nixon). Weitere internationale Mitglieder des IAC waren der langjährige Chase-Banker und Fiat-Chef Giovanni Agnelli, John Loudon (Vorsitzender der Royal Dutch Shell), C. Douglas Dillon (US-Finanzminister unter den Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson), David Packard (Gründer von Hewlett-Packard) und Henry Ford II.[9] Seit den 1960er Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen den Familien Rockefeller und Rothschild. Im Mai 2012 stieg Jacob Rothschild mit seiner Bank RIT Capital Partners PLC als Aktionär bei Rockefellers Rockefeller Financial Services ein.[10]

Unter Rockefellers Führung stellte sich die Chase Manhattan Bank international breiter auf und wurde zu einem zentralen Pfeiler des internationalen Finanzsystems. Sie besitzt heute ein globales Netz von geschätzten 50.000 Korrespondenzbanken und ist die größte Bank der Welt. 1973 wurde die ersten Filiale einer amerikanischen Bank in der damaligen Sowjetunion gegründet, am Moskauer Karl-Marx-Platz 1 in der Nähe des Moskauer Kreml.[11][12]

Politisches Leben

Für David Rockefeller gab es, privat bedingt, Schnittstellen mit jedem US-Präsidenten seit Dwight D. Eisenhower und er hat einige Präsidenten als inoffizieller Emissär auf allerhöchstem Level bei diplomatischen Missionen unterstützt. Präsident Jimmy Carter bot ihm die Positionen des US-Finanzministers und den Vorsitz der privatisierten US-Zentralbank Federal Reserve an. Rockefeller aber lehnte stets ab und nahm stattdessen lieber eine private Rolle ein.

Auf Grund Rockefellers persönlichen, politischen und beruflichen Verbindungen konnte er Brücken trotz unterschiedlicher Interessen auf der ganzen Welt schlagen, selbst zu Persönlichkeiten wie Fidel Castro, dem Schah von Persien, Nikita Chruschtschow, Michail Gorbatschow und Saddam Hussein.

In Henry Kissinger fand Rockefeller eine politische Operative mit einer ähnlichen nationalen und internationalen politischen Perspektive. Sie lernten sich 1954 bei einem Arbeitskreis zum Thema Atomwaffen des weltweit einflussreichen Council on Foreign Relations kennen, der von Kissinger geleitet wurde und dessen Mitglied Rockefeller war.[13] Die Beziehung der beiden entwickelte sich und Kissinger wurde Kuratoriumsmitglied der Stiftung Rockefeller Brothers Fund. Rockefeller beriet sich bei zahlreichen Gelegenheiten mit Kissinger, wie zum Beispiel wegen der Interessen der Chase Manhattan Bank in Chile und der Bedrohung für die Bank durch die Wahl von Salvador Allende zum Präsidenten im Jahre 1970.[14] Ebenso konsultierte Rockefeller Kissinger und unterstützte diesen bei seiner „Öffnung von China“-Initiative im Jahr 1971, die unter anderem beinhaltete, Banken wie der Chase Manhattan Bank Chancen in China zu gewähren.[15]

Im Spätherbst 1979 waren der damals amtierende Vorstandsvorsitzende der Chase Manhattan Bank und Vorsitzende des Council on Foreign Relations David Rockefeller, der damals amtierende CFR-Direktor Henry Kissinger und der ehemalige CFR-Präsident John J. McCloy Auslöser und Hauptdarsteller einer internationalen, weltweit umstrittenen Affäre. Sie hatten gemeinsam mit Rockefellers Beratern US-Präsident Jimmy Carter überredet, den schwer krebskranken Schah von Persien ins Land zu lassen, damit er sich in einem US-Hospital behandeln lassen konnte. Der Schah kam im Oktober 1979 in New York an, und wurde umgehend ins Cornell Medical Center des NewYork-Presbyterian Hospital transportiert. Als dies im Iran bekannt wurde, kam es daraufhin am 4. November 1979 zur Erstürmung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran durch iranische Studenten und zur 444 Tage andauernden Geiselnahme der Botschaftsangehörigen, der sogenannten „Geiselnahme von Teheran„. Zum ersten Male in seinem Leben stand daraufhin Rockefeller unter intensiver Beobachtung und auf dem Prüfstand US-amerikanischer Medien, insbesondere der New York Times.[16]

Think Tanks und weitere Interessengruppen

Rockefeller wurde von Allen Welsh Dulles in eine CFR-Studiengruppe berufen.

David Rockefeller ist seit seiner Rückkehr vom Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 eng mit dem einflussreichen US-Think Tank Council on Foreign Relations verbunden. In der für das Studienjahr 1946/47 gegründeten Studiengruppe The Problem of Germany stellte der spätere CIA-Direktor, Chef des US-Geheimdienstes OSS in der Schweiz und im Nazi-Deutschland, sowie CFR-Präsident Allen Dulles unter der Leitung von Charles Spofford die Diskussionsrunde Reconstruction of Western Germany mit David Rockefeller als Secretary zusammen.[17] Das von David Rockefeller gegründete und finanzierte David Rockefeller Studies Program ist eine der wichtigsten Säulen des CFR. Dieser CFR-interne Think Tank beschäftigt 70 hauptberufliche sogenannte CFR Fellows, die wirtschaftliche und politische Expertisen erarbeiten und über das bestehende Netzwerk an Entscheidungsträger übermitteln. Zudem schreiben die Fellows Bücher, Zeitungsartikel, Blogs und beteiligen sich an Diskussionen über die Weltpolitik.[18]

Rockefeller war von 1949 bis 1985 Direktor, von 1950 bis 1970 Vizepräsident und von 1970 bis 1985 Vorstandsvorsitzender des Council on Foreign Relations.[19]

Weiterhin gilt er über die Rockefeller-Stiftung als Gründer der Trilateralen Kommission und der Group of Thirty, beides private Interessenvereinigungen der Finanzwirtschaft. Rockefeller sitzt im Steering Committee der Bilderberg-Konferenzen und ist Namens- und Geldgeber für das David Rockefeller Center for Latin American Studies der Harvard University.

Verschwörungstheorien

1952 veröffentlichte der New Yorker Arzt und McCarthy-Anhänger Emanuel Josephson ein Pamphlet gegen den angeblichen „Internationalisten“ Rockefeller, dem er vorwarf, seine ökonomische Macht und seine vielfältigen Beziehungen zu unguten Zwecken zu missbrauchen.[20] Seitdem wurde Rockefeller immer wieder Gegenstand von Verschwörungstheorien, die ihm unterstellten, gemeinsam mit der Sowjetunion die Weltherrschaft anzustreben.[21] Als Rockefeller sich 1980 in einem Artikel in der New York Times dagegen verwahrte, als „Mastermind einer internationalen Verschwörung“ hingestellt zu werden, wurde das von Verschwörungsgläubigen nur als weiterer Beweis seiner Schuld umgedeutet.[22] Seit dem Ende des Kalten Krieges wandelten sich der Inhalt der Vorwürfe, nicht aber ihre Intensität: Nun wird behauptet, Rockefeller und das Council on Foreign Relations würden eine sozialistische Eine-Welt-Regierung anstreben. Dabei tat sich insbesondere die rechtsradikale John Birch Society hervor, die auf ihrer Webseite behauptet, keine andere Organisation habe seine Unterstützung für die Vereinten Nationen und deren angebliches Ziel einer „Neuen Weltordnung“ so scharf angegriffen wie sie.[23]

Sonstiges

  • David Rockefeller lag 2012 mit einem geschätzten Privatvermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar auf Platz 491 der finanziell reichsten Menschen der Welt.[24]
  • David Rockefeller besitzt eine große Sammlung zeitgenössischer und moderner Kunst.[24]
  • David Rockefeller besitzt eine der umfangreichsten Käfersammlungen der Welt.[24]
  • Im Jahr 2003 war Rockefeller Ehrenmitglied der Jury für den „World Trade Center Site Memorial„-Wettbewerb. 1958 wurde er Gründer und Vorsitzender der Downtown – Lower Manhattan Association, die den Bau des World Trade Centers initiiert hatte. Zur Seite standen ihm damals sein Bruder und Gouverneur von New York Nelson Rockefeller sowie der einflussreichste Stadtplaner der New Yorker Geschichte, Robert Moses.[25][26]
  • Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Rockefeller am 15. Januar 1998 von US-Präsident Bill Clinton die Presidential Medal of Freedom, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen in den USA.

Familie

David Rockefeller heiratete am 7. September 1940 Margaret „Peggy“ McGrath (* 28. September 1915, † 26. März 1996), Tochter eines Partners einer befreundeten Wall Street-Anwaltskanzlei. Sie hatten sechs gemeinsame Kinder und bis 2002 zehn Enkel:

  • David Rockefeller Jr. (* 24. Juli 1941) mit Ariana & Camilla
  • Abby Rockefeller (* 1943) mit Christopher
  • Neva Rockefeller Goodwin (* 1944) mit David & Miranda
  • Peggy Dulany (* 1947) mit Michael
  • Richard Rockefeller (1949–2014) mit Clay & Rebecca
  • Eileen Rockefeller Growald (* 1952) mit Danny & Adam

David Rockefeller hatte vier ältere Brüder:

Werke

  • David Rockefeller: Erinnerungen eines Weltbankiers. Autobiographie. Finanzbuch-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-89879-327-8.

Literatur

Einzelnachweise

  1. David Rockefeller: Memoirs. Random House, New York 2002, S. 28-29 und 323.
  2. Walther Leisler Kiep: Bridge Builder. An Insider’s Account of Over 60 Years in Postwar Reconstruction, International Diplomacy, and German-American Relation. S. 205.
  3. Rockefeller Gives Harvard $100 Million. In: New York Times. 25. April 2008.
  4. David Rockefeller: Memoirs. Random House, New York 2002, S. 85.
  5. Geschichte der University of Chicago auf: uchicago.edu
  6. John Ensor Harr, Peter J. Johnson: The Rockefeller Century: Three Generations of America’s Greatest Family. Charles Scribner’s Sons, New York 1988, S. 392.
  7. Beginnings of his networking. In: David Rockefeller: Memoirs. Random House, New York 2002, S. 113.
  8. 1,7% der Anteile an der Chase Bank. siehe: The Change at Davids Bank. In: Time Magazine. 1. September 1980.
  9. Historische Mitglieder des Chase International Advisory Committee. In: David Rockefeller: Memoirs. Random House, New York 2002; S. 205–209.
  10. Former Chase Manhattan Bank Chairman David Rockefeller, has a longtime personal relationship with the Rothschilds. In: Forbes. 30. Mai 2012.
  11. Geschichte der JPMorgan & Chase-Repräsentanz in Moskau
  12. JPMorgan & Chase-Office, 1 Karl-Marx-Square
  13. Walter Isaacson: Kissinger: A Biography. Simon & Schuster, New York 2005, S. 84.
  14. Walter Isaacson: Kissinger: A Biography. Simon & Schuster, New York 2005, S. 289.
  15. Chase in China. In: Johannes Donald Wilson: The Chase: The Chase Manhattan Bank, NA, 1945-1985. Harvard Business School Press, Boston 1986, S. 229/230
  16. David Rockefeller: Memoirs. Random House Trade Paperbacks, ISBN 0-8129-6973-1, S. 356–375.
  17. Michael Wala: Winning the Peace – Amerikanische Außenpolitik und der Council on Foreign Relations, 1945–1950; Die Entstehung des Council on Foreign Relations. Franz Steiner Verlag mit Unterstützung der Universität Hamburg, S. 120ff. (online in der Google-Buchsuche)
  18. Diane Stone, Andrew Denham: Think Tank Traditions: Policy Research and the Politics of Ideas. Manchester University Press, 1998, ISBN 0-7190-6479-1, S. 23.
  19. offizielle Liste der ehemaligen Vorstandsmitglieder und Direktoren des CFR von 1921–2012, Homepage des CFR
  20. Emanuel Josephson: Rockefeller, „internationalist“: The Man Who Misrules the World. Chedney Press, New York 1952, S. 4, 204 u.ö.
  21. Auch zum Folgenden siehe: Chip Berlet, Matthew N. Lyons: Right-Wing Populism in America. Too Close for Comfort. Guilford Press, New York 2000, S. 195 f.; Marlon Kuzmick: Council on Foreign Relations. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara/ Denver/ London 2003, Bd. 1, S. 210 f.
  22. Larry Schweikart: Rockfeller Family. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara/ Denver/ London 2003, Bd. 2, S. 624.
  23. Myths vs facts auf der Webseite der John Birch Society, Zugriff am 10. Februar 2013.
  24. a b c Forbes vom 13. September 2012
  25. The Height of Ambition. In: New York Times. 8. September 2002: The genesis of the World Trade Center Twin Towers.
  26. Geschichte der Downtown-Lower Manhattan Association

Weblinks

Commons: David Rockefeller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

CC-BY-SA 3.0 Wikipedia

Verschwörungstheorie

Merkmale und Haupttypen

Definitionen

Dieses Bildelement der Ein-Dollar-Note zeigt das Auge der Vorsehung – für viele Verschwörungstheoretiker ein wichtiger Beweis einer globalen Verschwörung des Illuminatenordens oder der Freimaurer.

Dem Wortsinn nach ist eine Verschwörungstheorie eine Theorie über eine Verschwörung. Dieses Verständnis ist aber in mehrfacher Hinsicht problematisch: Zum einen sind Verschwörungstheorien nach dem gängigen Begriffsverständnis keine Theorien im wissenschaftstheoretischen Sinn des Wortes,[1] also keine „wissenschaftliche Wissens-Einheit, in welcher Tatsachen und Modell-Vorstellungen bzw. Hypothesen zu einem Ganzen verarbeitet“ sind und in dem „die Tatsachen in ihrer Unterordnung unter die allgemeinen Gesetze erkannt und ihre Verbindungen aus diesen erklärt werden“.[2] Laut dem amerikanischen Philosophen Brian L. Keeley handelt es sich bei so verstandenen Verschwörungstheorien allerdings durchaus um die Erklärungen von Ursachen von Phänomen der Vergangenheit, weshalb die Bezeichnung Theorie in einem weiteren Sinn zutreffend sei.[3] Zum anderen ist „Verschwörung“ ein negativ konnotiertes Wort: Seine englische Entsprechung conspiracy bezeichnet den Straftatbestand der kriminellen Vereinigung.[4] Somit impliziert seine Verwendung, von ganz wenigen Ausnahmen wie der Verschwörung des 20. Juli 1944 abgesehen, immer auch eine Kritik am Handeln der Verschwörer. Der Begriff Verschwörungstheorie wird zudem häufig gebraucht, nicht um normale Kriminalität, Intrigen oder andere alltägliche Verabredungen zu ungutem Tun zu kritisieren; es geht dann vielmehr um Aussagen über groß angelegte, nachhaltige Einflussnahmen auf ganze Staaten und Gesellschaften bis hin zur Weltverschwörung. In diesem Sinne werden Verschwörungstheorien unterschiedlich definiert.

Der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper trug wesentlich zur Popularität und negativen Konnotation des Begriffs Verschwörungstheorie bei.[5] In seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde spricht er 1945 von einer „Verschwörungstheorie der Gesellschaft“. Damit meint er Versuche, soziale Phänomene und historische Ereignisse durch den Nachweis zu erklären, „daß gewisse Menschen oder Gruppen an dem Eintreten dieses interessiert waren und daß sie konspiriert haben, um es herbeizuführen. (Ihre Interessen sind manchmal verborgen und müssen erst enthüllt werden).“[6]

Für die stereotype Vermutung, hinter verschiedensten Erscheinungen steckten Verschwörungen, die er in der amerikanischen Geschichte und seiner Gegenwart weit verbreitet sah, schlägt der Historiker Richard Hofstadter 1964 die Bezeichnungen „Verschwörungsfantasie“ und „paranoider Stil“ der Welterklärung vor. Er sei gekennzeichnet durch eine apokalyptische Vorstellungswelt, ein manichäisches Freund-Feind-Denken, das nur das absolut Gute und das absolut Böse sehe, welch letzteres ohne Kompromisse vernichtet werden müsse. Dass dies nicht gelinge, werde als weiteres Indiz für die Gefährlichkeit der imaginierten Verschwörer gedeutet.[7]

Das Lexikon der Soziologie definiert 1972 „Verschwörer-“ bzw. „Konspirationstheorien“ als Argumentationen, mit der politische Autoritäten im Sinne einer Sündenbocksuche von eigenen Misserfolgen ablenken und ihre Herrschaft stabilisieren würden. Dadurch würden ihre geschichtsphilosophischen Voraussagen und politischen Rezepte gegen Kritik immunisiert: Die Schuld an negativen Entwicklungen und dem Nichteintreffen eigener Prognosen würde nicht bei den Herrschenden, ihren Fehlern und dem utopischen Charakter ihrer Ideologie gesehen, sondern immer bei dem verderblichen Wirken der angeblichen Verschwörer, zu denen jeweils Gruppen stilisiert würden, gegen die in der Gesellschaft bereits Vorurteile vorhanden wären.[8]

Der deutsche Historiker Dieter Groh definiert 1987 eine Verschwörungstheorie als einen Versuch, zu erklären, wieso guten Menschen Böses zustößt: Zu diesem Zweck werde ein handlungsbestimmtes Geschichtsbild konstruiert, in dem Geschichte als etwas Planbares gedacht werde. Die Verschwörer, die das Böse verursachten, würden als miteinander solidarische und identifizierbare Herren des Geschichtsverlaufs imaginiert, denen eine Gegensolidarität ihrer vermeintlichen Opfer gegenübergestellt werden müsse. Diese Vorstellung sei widersprüchlich, da die Verschwörer als nahezu gottgleich mächtig und gleichzeitig als schwach und besiegbar dargestellt würden.[9]

Der britische Historiker Geoffrey T. Cubitt benutzt 1989 den Begriff Verschwörungstheorien für Konkretionen von allgemeineren „Verschwörungsmythen“: Letztere definiert er als für wahr gehaltene Erzählungen, die ein bestimmtes Grundverständnis über das Wesen der Dinge und des Geschichtsablaufs transportierten, in diesem Fall, dass verhängnisvolle Wirkungen in der Vergangenheit auf eine bestimmte Verschwörung zurückzuführen seien. Die Verschwörungstheorie wende dieses Grundverständnis auf einzelne aktuelle Ereignisse oder Entwicklungen an. Verschwörungstheorien und Verschwörungsmythen seien gekennzeichnet durch drei spezifische Aspekte: Sie seien intentionalistisch, weil sie die Absichten der Akteure als wirkungsmächtige Ursachen ansähen, sie seien dualistisch, weil sie die Welt restlos aufteilten in die angeblich einheitlich agierenden bösen Verschwörer und die angeblich ebenso einheitliche nicht-verschwörerische Mehrheit, und sie seien okkultistisch, weil sie scharf unterschieden zwischen dem Anschein der Welt und ihrer angeblich verborgenen „wahren Natur“, die es aufzudecken gelte; diese Überzeugung äußere sich in den von Verschwörungstheoretikern oft benutzten Metaphern des Drahtziehers und des Untergrabens.[10]

Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel Pipes definiert Verschwörungstheorie 1998 als „real nicht existente, aus Angst befürchtete Verschwörung“. Er unterscheidet lokale und Weltverschwörungstheorien, das heißt, imaginierte Verschwörungen mit begrenzten und mit unbegrenzten Zielen. Letztere könne sich bis zu einer Lebensanschauung auswachsen; dann sei von „Verschwörungsdenken, Paranoia-Haltung, Mentalität der heimlichen Hand“ oder „Konspirationismus“ zu sprechen. Weltverschwörungstheorien unterscheidet er nach ihren jeweiligen Feindbildern in zwei Grundtypen: Gegen Geheimbünde (Freimaurer, Illuminaten usw.) und gegen Juden gerichtete Verschwörungstheorien.[11]

Der deutsche Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber schlägt in einem Aufsatz von 2002 vor, auf das missverständliche Wort Verschwörungstheorie zu verzichten, sondern besser zwischen Verschwörungshypothese, Verschwörungsideologie und Verschwörungsmythos zu unterscheiden. Eine Verschwörungshypothese definiert er als Aussage über die Wirkung einer Verschwörung, die aber offen für Korrekturen und Falsifizierungen durch empirische Gegenbelege formuliert sei. Eine Verschwörungsideologie sei dagegen nicht falsifizierbar, sie setze die Verschwörung, die sie nachweisen wolle, als sicher voraus, sei stereotyp und monokausal. Den Begriff Verschwörungsmythos schließlich definiert er, anders als Cubitt, als eine Übersteigerung und Verdichtung einer Verschwörungsideologie, die auch ohne real existierende Verschwörer auskomme und gleichfalls nicht korrekturfähig sei: Gegenargumente und empirische Belege würden nicht zur Kenntnis genommen oder als Beleg für die Existenz einer Verschwörung umgedeutet, wodurch sich der Verschwörungsmythos gegen jede Widerlegung immunisiere.[12]

Der amerikanische Philosoph Brian L. Keeley definiert 1999 Verschwörungstheorie als Vorschlag einer ursächlichen Erklärung eines oder mehrerer historischer Ereignisse durch das Handeln einer vergleichsweise kleinen Gruppe, die im Geheimen agiert.[13] Ganz ähnlich die Definition des amerikanischen Philosophen Pete Mandik von 2007, der nur den absichtsvollen Charakter der Handlungen der Verschwörer betont.[14] Auch der britische Philosoph Steve Clarke zitiert Keeleys Definition zustimmend und zeigt am Beispiel der verbreiteten Verschwörungstheorie, nach der Elvis Presley seinen Tod 1977 nur vorgetäuscht hätte, dass das Handeln der angenommenen Verschwörer nicht immer verwerflich sein müsse.[15] Der australische Philosoph David Coady dagegen bezeichnet 2003 die von Keeley definierten Erklärungsvorschläge als bloße „Verschwörungserklärungen“; eine Verschwörungstheorie definiert er als Verschwörungserklärung, die in Opposition zu einer offiziellen Version des zu erklärenden Ereignisses stehe.[16]

Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun spricht von „conspiracy beliefs“ („Verschwörungsüberzeugungen“) bzw. einer „conspiracist worldview“ („konspirationistischen Weltsicht“), die durch die Annahme gekennzeichnet sei, eine Organisation agiere böswillig und im Verborgenen. Typisch für dieses Denken sei der Ausschluss von Zufällen – alles Geschehen werde auf die absichtsvollen Handlungen der Verschwörer zurückgeführt –, der Zweifel an allem Offensichtlichen – nichts sei, wie es scheine, es gelte immer, eine geheime Wahrheit zu entdecken –, und die Annahme, alles sei miteinander verbunden – nur die Aufdeckung „geheimer Muster“ liefere eine Erklärung für die Geschehnisse. Diese Weltsicht könne sich in Annahmen unterschiedlicher Reichweite zeigen:

Der Soziologe Andreas Anton definiert Verschwörungstheorien wissenssoziologisch als „Spezial- oder Sonderwissen“, das Ereignisse, kollektive Erfahrungen oder gesellschaftliche Entwicklungen als Folgen von Verschwörungen interpretiere. Gleichzeitig grenzt er sie von anderen Wissensformen wie Ideologien, Mythen, Alltagstheorien oder bloßen Meinungen ab und ordnet ihnen vier grundlegende sozialpsychologische Funktionen zu: die Reduktion von Komplexität, die Antizipation von Situationsentwicklungen, die Verständigung über Grenzsituationen und die Erzeugung sozialer Gemeinschaft.[18]

Einen Konsens über eine trennscharfe Definition, was Verschwörungstheorie eigentlich ist, gibt es bislang nicht.[19] In den wissenschaftlichen Diskursen sind zwei Begriffe von Verschwörungstheorie gängig: Einen engen, werthaften, der Verschwörungstheorien als irrational, nicht korrekturfähig usw. kritisiert, und einen weiten, der darunter sämtliche Aussagen über Verschwörungen subsumiert, ob nun diskussionswürdig oder nicht. Im Folgenden werden zunächst die wissenschaftstheoretisch als unzulänglich bezeichneten Verschwörungsideologien und Verschwörungsmythen dargestellt, dann diskussionswürdige Aussagen über reale Verschwörungen und die Schwierigkeiten, zwischen beiden zu unterscheiden.

Verschwörungsideologien und Verschwörungsmythen

In der wissenschaftlichen Literatur werden verschiedene Gründe dafür angeführt, Verschwörungstheorien (hier verstanden als Verschwörungsideologien und -mythen im Sinne Pfahl-Traughbers) von vornherein als ungeeignete Erklärungsversuche zurückzuweisen. Popper etwa verweist darauf, dass Ereignisse gemeinhin nicht allein das Ergebnis von Absichten seien; zu ihrer Erklärungen müssten unter anderem auch noch ein ganzes Geflecht anderer Faktoren herangezogen werden, etwa Traditionen, Institutionen, sonstige Rahmenbedingungen, etwaige Gegenabsichten sowie unerwünschte und von den Akteuren nicht intendierte Nebenfolgen ihrer Handlungen. Insofern sei eine Verschwörungstheorie, die ein Ereignis allein aus den Absichten der Akteure erkläre, inadäquat.[20]

In den Gesellschaftswissenschaften ist es verbreitet, Poppers Forderung nach Falsifizierbarkeit zur Unterscheidung zwischen rationalen Erklärungen und irrationalen Verschwörungsideologien zu nutzen: Deren Vertreter weigerten sich – anders als Wissenschaftler, die Modelle vertreten –, ihre Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen zu nennen, bei deren Nachweis sie sie für widerlegt betrachten. Gegenargumente und widersprechende Belege werden von ihnen im Gegenteil als gerissene Manipulation der Verschwörer und damit als Bestätigung der Verschwörungstheorie gewertet, die somit gegen jede Widerlegung immunisiert sei.[21] Armin Pfahl-Traughber und Helmut Reinalter sehen als Grundlage solcher Verschwörungsideologien und -mythen ein dezidiertes und vereinfachendes Welt- und Geschichtsbild an, das auf der Grundannahme basiert, Strukturen der sozialen Wirklichkeit könnten durch Handlungen von Personen direkt steuernd beeinflusst werden; diese Handlungen werden monokausal als alleinige Ursache des zu erklärenden Unglücks angesehen. Trotz ihres scheinbar erklärenden Charakters seien sie aber kein unparteiisches Erklärungsinstrument, sondern ein der Feindbestimmung dienendes ideologisch-politisches Werkzeug. Stereotyp würden immer dieselben Minderheiten als persönliche Verursacher allen Bösen herangezogen und dämonisiert.[22] Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann sieht den Glauben an den Teufel als das personifizierte Böse als ideengeschichtliche Wurzel aller Verschwörungsideologien an.[23]

Dieter Groh und der deutsche Historiker Rudolf Jaworski erklären mit dieser drastischen Reduktion der Komplexität historischer Ereignisse und der Harmonisierung kognitiver Dissonanzen im Geschichtsbild die Hauptfunktion von Verschwörungstheorien; Menschen in Stress-Situationen fühlten sich entlastet, wenn sie eine Erklärung für das Böse erhielten, das ihnen widerfährt. Daraus resultiere ihre große Anziehungskraft. Hinzu komme noch die Funktion, dass Verschwörungstheorien in der Propaganda totalitärer Regime eine Erklärung auch für das Nichteintreten der geschichtstheologisch oder -philosophisch vorhergesagten Utopie erkläre.[24]

Nach dem deutschen Politikwissenschaftler Tobias Jaecker sind Verschwörungsideologien zwar durch eine große Logik und Kohärenz gekennzeichnet, die aber in Wahrheit nicht existiere: So würden willkürlich Zusammenhänge zwischen Tatsachen herbeikonstruiert, Zufälle würden bestritten, komplexe Zusammenhänge würden stark vereinfacht, Belege würden mitunter gefälscht oder man beziehe sich auf nicht genannte Experten und Insider; als unhinterfragte Arbeitsprämisse werde angenommen, dass wer von einem Ereignis profitiere, es auch verursacht haben müsse, weshalb Verschwörungstheoretiker häufig Cui bono fragten; Verschwörungstheorien würden einerseits stets einen Anknüpfungspunkt in der historischen Realität benötigen, um plausibel zu erscheinen, andererseits müsse die von ihnen angebotene Deutung zu den vorherrschenden Deutungsmustern einer Gruppe, Partei, Nation, Religion oder Kultur passen; insofern unterscheiden sich Verschwörungstheorie nicht grundsätzlich von den Mehrheitsmeinungen ihrer sozialen Umgebung, sondern nur graduell. In ihrer stereotypen Beschuldigung immer derselben Gruppen trügen Verschwörungstheorien zur Konstruktion von Feindbildern bei.[25]

Nach dem amerikanischen Philosophen Brian L. Keeley kennzeichne es „unwarranted conspiracy theories“, also Verschwörungstheorien, die nicht den Anspruch erheben können, glaubhaft zu sein und ernsthaft diskutiert zu werden, die Konzentration auf „errant data“, also auf die Angaben, die der offiziellen Erklärung des Geschehens entweder widersprächen oder in ihr nicht vorkämen: Unglaubwürdige Verschwörungstheorien lieferten immer eine einzige, schlüssige Erklärung für sämtliche Informationen zu dem zu erklärenden Fall. Für diese hohe Vereinheitlichungsleistung würden sie aber einen hohen Preis bezahlen, da Verschwörungstheorien eine Tendenz zur Ausweitung besäßen: Wenn man zum Beispiel annehme, dass hinter dem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City eine Regierungsbehörde stecke, nämlich das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives, müsse man nicht nur von sehr vielen Mitwissern ausgehen, sondern auch von Vertuschungsaktionen und Desinformationskampagnen, die ihrerseits noch mehr Mitwisser produzieren würden und wiederum vertuscht werden müssten. Diese immense Zahl an Mitverschwörern, deren Annahme die Verschwörungstheorie nötig mache, sei implausibel – einer redet immer – und führe zu einer radikalen, nachgerade nihilistischen Skepsis gegenüber allem gesellschaftlich vermittelten Wissen: Dann würden die Regierung, die Wissenschaft, alle Medien als Teil der Verschwörung oder als von ihr betrogen angesehen werden, eine Grundannahme, die ihrerseits nicht plausibel sei. In den Sozialwissenschaften gebe es dagegen immer „errant data“, da hier keine Erklärung alle Nebenaspekte des Geschehens irrtumslos und vollständig abdecken würden.[26]

Steve Clarke beschreibt Verschwörungstheorien, die keinen Anspruch auf Diskussion erheben könnten, als „degenerierende Forschungsprogramme“ im Sinne des ungarischen Wissenschaftstheoretikers Imre Lakatos: Anders als „progressive Forschungsprogramme“ würden sie keine erfolgreichen Vorhersagen oder Erklärungen leisten, sondern bei Auftauchen neuer Fakten nur ihre Prämissen und Hilfshypothesen ad hoc verändern, um die ursprüngliche Theorie gegen jede Entkräftung zu schützen. Außerdem weist er auf den fundamentalen Attributionsfehler hin, der viele indiskutable Verschwörungstheorien auszeichne: Damit ist die sozialpsychologisch belegte Neigung gemeint, Ereignisse eher auf dispositionelle Faktoren wie die Absichten, Einstellungen und moralische Qualitäten der Akteure zurückzuführen als auf situative Faktoren, das heißt auf momentane Umstände, Rahmenbedingungen und das Handeln Dritter. Die Beharrlichkeit, mit der amerikanische Behörden sich weigern, den Absturz eines UFOs 1947 in Roswell, New Mexico, zu diskutieren, würde daher auf ihre angebliche Neigung zu verschwörerischem, paternalistischem Verhalten zurückgeführt statt auf den situativen Faktor, dass da gar kein UFO abgestürzt ist. Dieser verbreitete Attributionsfehler sei der Grund, weshalb viele Verschwörungstheoretiker so lange an ihren Konstrukten festhielten.[27]

Der amerikanische Philosoph Pete Mandik erklärt sämtliche Verschwörungstheorien ipso facto für indiskutabel: Als erst im Anschluss abgegebene intentionale Erklärungen von Ereignissen könnten sie keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, da die Verursachung historischer Ereignisse prinzipiell nicht beobachtbar sei. Die zahlreichen Faktoren, die dem Ereignis zeitlich vorausgehen, lassen sich ja nicht im Experiment einzeln ausschalten, um zu prüfen, ohne welche von ihnen das zu erklärende Ereignis ausbleiben würde. Insofern seien Verschwörungstheorien wie alle anderen Kausalattribuierungen sozialer Ereignisse Ergebnisse des Fehlschlusses Post hoc ergo propter hoc. Dieses Problem werde noch verstärkt dadurch, dass Verschwörungstheorien den einzigen verursachenden Faktor, der sich belegen ließe, methodisch ausschlössen, nämlich die erklärten Absichten der Akteure: Diese gälten den Verschwörungstheoretikern prinzipiell als gelogen, da eine Verschwörungstheorie ja definiert sei als geheime Zusammenarbeit einer kleinen Gruppe: Würden die Verschwörer die Wahrheit sagen über ihre Absichten, wäre es keine Verschwörung mehr.[28]

Aussagen über reale Verschwörungen und Unterscheidungsprobleme

Tatsächlich gibt es Verschwörungen und sie sind in der Geschichte oft durchaus wirkungsmächtig. Als Beispiele werden etwa genannt die Attentate auf Julius Caesar 44 v. Chr., Zar Alexander II. 1881 oder Erzherzog Franz Ferdinand 1914,[29] kommunistische Versuche in den 1920er Jahren, eine Weltrevolution herbeizuführen,[30] die Watergate- und die Iran-Contra-Affäre[31] oder die weltweiten Machenschaften der CIA und anderer amerikanischer Geheimdienste.[32] Aussagen über diese und andere reale Verschwörungen können nicht ohne weiteres als Verschwörungsideologien bzw. Verschwörungsmythen abgetan werden. Sie werden als Verschwörungshypothesen (Pfahl-Traughber), Zentralsteuerungshypothesen (Reinalter), warranted conspiracy theories (Keeley) oder Verschwörungserklärungen (Coady) bezeichnet und können Anspruch auf ernsthafte Prüfung erwarten.

Die Unterscheidung, ob eine Aussage eine Verschwörungsideologie oder eine Zentralsteuerungshypothese ist, ist aber oft überaus schwierig. Als Kriterien schlagen Armin Pfahl-Traughber und Helmut Reinalter den Abschottungsgrad gegenüber anderen Erklärungen und ihre Funktion im machtpolitischen Diskurs vor: Verschwörungstheorien, die einen politischen Zweck verfolgen, die der Herrschaftssicherung oder der Aufforderung zu Gewalt dienen, seien Ideologien. Immunisiere sich eine Verschwörungstheorie und lasse keine Möglichkeit offen, sie durch empirische Gegenbeweise zu widerlegen, sei sie ebenfalls unter Verschwörungsideologie anzusehen.[33] Die Unterscheidung sei jedoch nur in einem subjektiven Entscheidungsprozess möglich, in dem zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterschieden werden müsse.[34]

Keeley bestreitet, dass mangelnde Falsifizierbarkeit das Kriterium für eine unwarranted conspiracy theory ist, die keine Diskussion verdiene: In Fällen, wo ein machtvoller Akteur sich bemühe, alle Indizien für seine Verwicklung zu verbergen, könne Falsifizierbarkeit nicht verlangt werden; dies sei aber bei realen Verschwörungen gegeben, wie die Watergate- und die Iran-Contra-Affäre zeigen, wo Richard Nixon bzw. Oliver North keine Mühen scheuten, die Ermittlungen zu behindern. „Warranted“ und „unwarranted conspiracy theories“ unterschieden sich im Grad an nachgerade nihilistischer Skepsis gegenüber allen gesellschaftlichen Institutionen. Weil dieser Unterschied nur ein gradueller sei, gebe es kein zuverlässiges Kriterium, um eine Verschwörungstheorie von vornherein als nicht diskussionswürdig abzutun. Um eine Plausibilitätsprüfung im Einzelfall komme man nicht herum.[35]

Dem widerspricht Steve Clarke: Man können „warranted“ und „unwarranted conspiracy theories“ sehr wohl klar voneinander unterscheiden, und zwar durch die Vermeidung oder Nicht-Vermeidung des fundamentalen Attributionsfehlers. Demnach sei gegenüber Erklärungen, die lediglich aus der Disposition der Akteure argumentierten, von vornherein Zweifel angebracht.[36]

Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter lehnen dagegen in Anlehnung an den Sozialkonstruktivismus Peter L. Bergers und Thomas Luckmanns formale und inhaltliche Unterscheidungen zwischen rationalen und irrationalen Verschwörungstheorien, zwischen solchen, die eine Diskussion verdienten, und solchen, die ohne nähere Prüfung abgetan werden könnten, als essenzialistisch ab. Die gängigen Definitionen des Begriffs, die Verschwörungstheorie als imaginär, ideologisch und nicht wirklichkeitsadäquat stigmatisieren, kritisieren sie als „Teil des Kampfes um die Definitionsmacht über soziale Wirklichkeit“. Wissenssoziologisch betrachtet gebe es vielmehr ein Kontinuum von orthodoxen bis heterodoxen Verschwörungstheorien, also von Annahmen, die von der Mehrheit der Bevölkerung, den Leitmedien und anderen Instanzen als Deutungsmodell anerkannt seien, und solchen, bei denen dies nicht oder noch nicht der Fall sei. Dieses „disqualifizierte Wissen“ im Sinne Michel Foucaults könne zwar die oben aufgezählten Gefahren beinhalten, es könne aber auch durchaus nützlich sein, indem es etwa helfe, reale Verschwörungen aufzudecken, unterdrückte oder diskreditierte Meinungen transportiere und Zusammenhänge offenlege, die bislang unbekannt seien. Insofern sprechen sich die drei Autoren aus theoretischen und gesellschaftspolitischen Gründen dagegen aus, Verschwörungsdenken pauschal abzuwerten und seine Protagonisten als paranoid zu pathologisieren.[37]

Ähnlich betont David Coady, dass Verschwörungstheorien, verstanden als Annahmen, ein Ereignis sei von einer Verschwörung verursacht worden, durchaus „wahr, vorteilhaft und/oder gerechtfertigt“ sein können. Die Delegitimierung solcher Annahmen als Verschwörungstheorien im negativ konnotierten Sinn des Wortes sei oft Propaganda, mit dem Ziel, die Glaubhaftigkeit von „Herden-Meinungen“ oder Erklärungen der Regierung zu erhöhen. In diesem Sinne schade eine solche „Verschwörungshetze“ dem Ideal einer offenen Gesellschaft.[38]

Historische Beispiele

Antike, Mittelalter und frühe Neuzeit

Verschwörungstheorien hat es wahrscheinlich immer gegeben – der Historiker Dieter Groh spricht daher auch von einer „anthropologischen Konstante“. Auffällig ist aber, dass sie vor Beginn der Neuzeit nur vereinzelt Massenwirksamkeit erlangten.[39] Aus der Antike sind zwar mehrere große Verschwörungen überliefert (beispielsweise die catilinarische des Jahres 63 v. Chr. oder die pisonische des Jahres 65 n. Chr). Dennoch gibt es nur wenige Beispiele für konspirationistisches Denken – es spielte aber vermutlich im Jahr 415 v. Chr. beim athenischen Hermenfrevel eine Rolle, als es Alkibiades in die Desertion trieb, oder als im Jahre 19 die Erkrankung des allseits beliebten Germanicus als allzu triviale Erklärung für dessen als traumatisch empfundenen frühen Tod angesehen wurde und man stattdessen annahm, er wäre einem Mordkomplott zum Opfer gefallen.[40] Als hoch wirksame Verschwörungstheorie kann man die Brandstiftertheorie nennen, die die neronische Christenverfolgung auslöste.

Im Mittelalter wurde zur Zeit der Kreuzzüge den Juden unterstellt, insgeheim mit den Muslimen oder dem Antichrist im Bunde zu sein; die Pest führte man auf angebliche Brunnenvergiftungen durch Juden zurück oder unterstellte ihnen christliche Kinder zu entführen, um sie rituell zu ermorden.[41] Auch wähnte man geheimes und illegales (nämlich den Lehren der Kirche widersprechendes) Glauben und Handeln bei so genannten Ketzern wie den Katharern, Waldensern oder den Templern. Die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit funktionierten nach demselben Schema: Ein Unglück war geschehen, man identifizierte einen greifbaren Sündenbock, dem man dann den Prozess machte.

Allgemein aber waren Verschwörungstheorien im Mittelalter eher selten, da die meisten unerfreulichen Ereignisse nicht mit den Machenschaften menschlicher Verschwörer, sondern mit dem unerforschlichen Ratschluss Gottes erklärt wurden.

17. Jahrhundert: Antijesuitische Verschwörungstheorien

Das Vollbild einer Verschwörungstheorie als Geschichtsbild lässt sich das erste Mal im England des elisabethanischen Zeitalters nachweisen, als Jesuiten versuchten, auf illegalem Wege nach England zu kommen, um für die Rekatholisierung des Landes zu wirken. Unter der Folter gestanden diese Jesuiten dann ihre Verwicklung in verschiedene Mordanschläge auf die Königin oder den Sprengstoffanschlag auf das Parlament.

Dieses Musterbild der vom Ausland gesteuerten Jesuiten-Verschwörung[42] fand ihren Höhepunkt 1678 in der Papisten-Verschwörung, dem so genannten popish plot: Angeblich hätten Katholiken geplant, den König umzubringen, um seinen Bruder, den späteren James II., auf den Thron zu setzen. Diese unbegründeten Unterstellungen nahm die Whig-Opposition zum Anlass, gegen Königstreue, Konservative und Katholiken Front zu machen, von denen insgesamt 35 wegen Hochverrats unschuldig hingerichtet wurden.[43]

Nachdem der popish plot als Schwindel aufgedeckt war und sich nach der Glorious Revolution von 1688 die Gegner des neuen Königs Wilhelm von Oranien als „die loyale Opposition seiner Majestät“ bezeichnet hatten und damit verschwörerischer Umtriebe nicht mehr verdächtig waren, kam es zu einer Beruhigung der politischen Öffentlichkeit in England. Das Bild vom Jesuiten als konservativ-katholischem Konspirateur, der von Rom aus seine verderblichen Fäden zieht, fand aber Eingang in den Diskurs der französischen Aufklärung, zum Beispiel in die Encyclopédie Diderots und d’Alemberts.[44]

Nicht zuletzt als Folge dieser Verschwörungstheorie wurde der Orden 1773 aufgelöst. Im 18. Jahrhundert hatten sich im Zusammenhang mit dem Jesuiten-Staat von Paraguay und dessen Zerschlagung einige Jesuiten nämlich gegen die Herrschaftsansprüche der spanischen und der portugiesischen Krone gewandt und schienen damit die antijesuitische Verschwörungstheorie zu bestätigen. In den USA lassen sich antijesuitische Verschwörungstheorien bis ins 19. Jahrhundert hinein nachweisen, als etwa der bekannte Erfinder Samuel F. B. Morse wähnte, der österreichische Staatskanzler Metternich würde jesuitische Agenten mit dem Auftrag nach Amerika schleusen, einen Habsburger als Kaiser der Vereinigten Staaten zu installieren.[45]

18. Jahrhundert: Französische Revolution

Anonymes Porträt von M. de Robespierre, um 1793, Musée Carnavalet

Auf der Grundlage einer Verschwörungsideologie wurde in der Französischen Revolution die Verfolgung politischer Gegner mit Hilfe der Guillotine gerechtfertigt. So begründete Maximilien de Robespierre die Machtergreifung des Wohlfahrtsausschusses mit vielfältigen Verschwörungen des absolutistischen Auslands und seiner Helfershelfer, die bereits die gesamte Gesellschaft unterwandert hätten:

„Die Höfe des Auslands beratschlagen in unseren Verwaltungen und in unseren Sektionsversammlungen mit; sie verschaffen sich Zutritt zu unseren Klubs. Sie haben sogar Sitz und Stimme im Heiligtum der Volksvertretung. […] Zeigt ihr Schwäche, preisen sie eure Vorsicht; legt ihr Vorsicht an den Tag, zeihen sie euch der Schwäche. Euren Mut heißen sie Tollkühnheit, euren rechtlichen Sinn Grausamkeit. Laßt ihr ihnen Schonung angedeihen, zetteln sie vor aller Augen Verschwörungen an.“[46]

Diese Verschwörungstheorien hatten zwar insofern einen realen Kern, als sich Frankreich im Krieg mit seinen Nachbarländern befand und in der Vendée ein Aufstand gegen die revolutionäre Regierung ausgebrochen war. Auch standen die königliche Familie, der Hochadel und der romtreue Klerus tatsächlich häufig insgeheim mit dem Ausland in Verbindung und waren ausgesprochen katholisch. Der paranoide Anteil wird aber zum Beispiel an der so genannten Verschwörung des Auslands deutlich, als im Frühjahr 1794 die Hébertisten hingerichtet wurden, radikale Jakobiner, die sich angeblich vom Ausland hätten dafür bezahlen lassen, durch absichtlich übersteigerte Maßnahmen die Republik zu Grunde zu richten. Der Historiker Geoffrey T. Cubitt bescheinigt Robespierre deshalb nachgerade eine „conspiratorial obsession“, eine „Besessenheit von Verschwörungen“.[47]

19. Jahrhundert: Revolution versus Reaktion

Die massiven antikatholischen Angriffe durch die Aufklärer und die Verfolgungen in der Revolution führten einige konservative Theoretiker dazu, die Verschwörungstheorie einfach umzudrehen.[48] Der ehemalige Jesuit Abbé Augustin Barruel und der schottische Gelehrte John Robison stellten um 1798 die Gegenthese auf, nicht die Jesuiten hätten eine Verschwörung gestartet, sondern ihre Feinde, die aufklärerischen Philosophen, die Freimaurer und vor allem die Illuminaten.[49] Der Illuminatenorden Adam Weishaupts bot sich besonders an, weil er – im Unterschied zur politisch und religiös grundsätzlich toleranten Freimaurerei – tatsächlich die radikaldemokratische Umgestaltung der Gesellschaft mit den Mitteln eines Geheimbunds zum Ziele gehabt hatte. Zwar war er bereits 1785, also vier Jahre vor der Revolution, zerschlagen worden (andernfalls hätten Barruel und seine deutschen Quellen auch gar nicht aus seinen geheimen Papieren zitieren können), doch schien manches für seine Weiterexistenz zu sprechen: Zum einen war das ehemalige Mitglied Johann Joachim Christoph Bode, ein sächsisch-weimarischer Geheimrat, ausgerechnet wenige Wochen vor Ausbruch der Revolution nach Paris gereist – eine Koinzidenz, an der kein Verschwörungstheoretiker vorbeigehen kann. Auf der anderen Seite existierte in Frankreich selbst eine freimaurerartige Bruderschaft namens Les Illuminés, die zwar eher konservativ-mystisch ausgerichtet war und mit den bayrischen Illuminaten nur den Namen gemein hatte, doch schien das auszureichen.

Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert jedenfalls ist das Bild des politischen Verschwörers von links, der international vernetzt ist, überall Werte wie Vaterland, Glaube und Familie unterminiert und versucht, Revolutionen anzuzetteln, fester Bestandteil des konservativen Diskurses. Dies Bild steht auch deutlich hinter den Karlsbader Beschlüssen von 1819, mit denen der österreichische Staatskanzler Metternich überall so genannte Demagogen verfolgen, zensieren und einsperren ließ.[50]

20. Jahrhundert: Antisemitismus und die Folgen

Eine Übertragung dieser Verschwörungstheorie auf die Juden lässt sich mit Sicherheit erst für das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts nachweisen, als der französische Rechtskatholik Henri Roger Gougenot des Mousseaux 1869 in dem Werk Le Juif, le judaisme et la judaisation des peuples chrétiennes die Freimaurerei zu einer Deckorganisation der Juden erklärte. Diese kombinierte Verschwörungstheorie wurde 1921 von der britischen Autorin Nesta Webster noch erweitert, die sämtliche nicht- oder nicht orthodox christlichen Strömungen seit der Antike von den Gnostikern, über Assassinen, Illuminaten und Freidenkern bis hin zu Lenin und den russischen Revolutionären zu einer einzigen weltumspannenden Verschwörung wahlweise unter jüdischem oder unter satanistischem Vorzeichen zusammenstellte. Diese verschwörungsideologische Großkonstruktion wurde in den zwanziger Jahren von Erich Ludendorff, dem ehemaligen Generalquartiermeister des kaiserlichen Heeres, zum Wahnbild einer „jesuitisch-freimaurerisch-jüdischen Weltverschwörung“ erweitert.

Ihre ganze mörderische Potenz gewannen antisemitische Verschwörungstheorien Anfang des 20. Jahrhunderts, als unbekannte Verfasser unter Verwendung von Schauerliteratur und einer französischen liberalen Polemik gegen Napoléon III., die einfach umgedreht wurde, die Protokolle der Weisen von Zion fabrizierten. Diese Fälschung sollte einer der Schlüsseltexte des Antisemitismus werden. In diese antisemitische Verschwörungstheorie, die im Kern immer noch starke Ähnlichkeit mit ihrem antijesuitischen Urbild hat, wurden nach der Oktoberrevolution mit dem Schlagwort vom jüdischen Bolschewismus noch antikommunistische Elemente eingefügt.

Das so entstandene Gerücht eines als einheitlich imaginierten Weltjudentums, das seine Feinde im „Zangenangriff“ durch amerikanischen Finanzkapitalismus einerseits, sowjetischen Kommunismus andererseits halte, bildete den Kern von Hitlers Weltanschauung, der sich in Mein Kampf explizit auf die Protokolle der Weisen von Zion berief. Daher wird der Nationalsozialismus von einigen Historikern als eine große Verschwörungstheorie betrachtet, die davon ausging, dass die vermeintlichen Verschwörer nicht durch Absprache, sondern durch Abstammung Teil der Verschwörung geworden seien.[51] Diese biologistische Ideologie der Nationalsozialisten forderte die physische Vernichtung der Juden und führte in völkermörderischer Konsequenz schließlich zum Holocaust.[52]

Verhängnisvoll aufgeladen wurde die antisemitische Verschwörungsthese noch zusätzlich durch die Dolchstoßlegende: Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Oberste Heeresleitung verbreitet, schuld an der deutschen Niederlage sei nicht etwa die materielle, technische und zahlenmäßige Überlegenheit der Alliierten spätestens seit dem Kriegseintritt der USA gewesen, sondern die Wühltätigkeit der deutschen Sozialdemokratie, die dem angeblich „im Felde unbesiegten“ deutschen Heer mit der Novemberrevolution in den Rücken gefallen sei. Auch die Legende von einer „jüdischen Kriegserklärung“an Deutschland, die Chaim Weizmann 1933 ausgesprochen haben soll, diente als Rechtfertigung für die nationalsozialistische Judenverfolgung.[53]

Das verschwörungsideologische Denken der Nationalsozialisten zeigte sich auch während des Krieges. Hitler erklärte zum Beispiel den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stets mit angeblichen Machenschaften des Judentums, dessen „Agent“ Winston Churchill sei: „Der Mann, der es gemixt hat, ist Churchill; hinter ihm das Judentum, das sich seiner bedient“.[54]

Heinrich Himmler begründete in seiner bekannten Posener Rede vom 4. Oktober 1943 die „Ausrottung des jüdischen Volkes“ mit der Befürchtung, die Juden würden sonst als Fünfte Kolonne der Feindmächte fungieren:[55]

„Wir wissen, wie schwer wir uns täten, wenn wir heute noch in jeder Stadt – bei den Bombenangriffen, bei den Lasten und bei den Entbehrungen des Krieges – noch die Juden als Geheimsaboteure, Agitatoren und Hetzer hätten. Wir würden wahrscheinlich jetzt in das Stadium des Jahres 1916/17 gekommen sein, wenn die Juden noch im deutschen Volkskörper säßen.“

Hitler war bis zum Ende seines Lebens von der Notwendigkeit des Kampfes gegen das „Weltjudentum“ überzeugt. Sein Politisches Testament, das er am 29. April 1945, einen Tag vor seinem Suizid, verfasste, schließt mit einem Aufruf „zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum.“

Auch heute noch werden über das Internet zumeist von Rechtsextremen und Radikalislamisten wüste Verschwörungstheorien gegen Israel und „die Juden“ verbreitet: So sollen sie zu Zwecken des Organhandels gefangene Palästinenser umbringen, sie seien schuld am Flugzeugabsturz bei Smolensk, bei dem 2010 mehrere Mitglieder der politischen Elite Polens ums Leben kamen, an der Schweinegrippe und am Erdbeben im Indischen Ozean 2004, sie hätten den Holocaust erfunden, um Deutschland in Abhängigkeit zu halten, und steckten auch hinter den Chemtrails.[56]

Versatzstücke aus dem Text Protokolle der Weisen von Zion zur Untermauerung antisemitischer Verschwörungstheorien verwandt. Sie sind z. B. integraler Bestandteil der Ideologie der Hamas. Eine andere Version der Theorie von der jüdisch-freimaurerisch-atheistischen Weltregierung findet sich im Umfeld der katholischen Piusbruderschaft.

Verschwörungstheoretische Elemente im Marxismus-Leninismus

Karl Popper machte bereits 1945 auf Tendenzen im Marxismus aufmerksam, nach denen Gier, Gewinnsucht und andere psychologische Phänomene nicht wie bei Karl Marx als symptomatische Folgen des bestehenden sozialen Systems verstanden würden, sondern als dessen Ursachen: Danach würden Kriege, Wirtschaftskrisen usw. als „Ergebnis einer listigen Verschwörung von ‚Großkapitalisten‘ oder ‚imperialistischen Kriegshetzern‘“ verstanden statt als unerwünschte Nebenfolgen von Handlungen, die auf ganz andere Ziele gerichtet gewesen wären. Diese Tendenzen bezeichnet Popper als „vulgärmarxistische Verschwörungstheorie“.[57]

Zwischen den Weltkriegen zeitigte das verschwörungsideologische Weltbild auch in der Sowjetunion Stalins verheerende Folgen. Während des Großen Terrors von 1934 bis 1939, insbesondere während der Moskauer Prozesse, gestanden fast alle Altbolschewiken und die übergroße Mehrheit des Offizierkorps der Roten Armee in Schauprozessen unter der Einwirkung von Folter, sie seien Teil einer antisowjetischen, entweder von Trotzki oder vom kapitalistischen Ausland gesteuerten Verschwörung.

Ob Stalin tatsächlich diesem Wahn anhing, dem mehrere Millionen Menschen zum Opfer fielen, oder ob er seine Verschwörungstheorie in kühlem Kalkül nur deswegen propagieren ließ, um potentielle Rivalen ausschalten zu können, ist ungeklärt.[58] In den 1950er Jahren startete der Diktator dann eine ebenfalls verschwörungsideologische antisemitische Kampagne gegen so genannte wurzellose Kosmopoliten.

In jüngerer Zeit wurde vereinzelt versucht, den gesamten Leninismus als eine Verschwörungstheorie zu begreifen. Der deutsche Historiker Gerd Koenen etwa argumentiert, Lenins Imperialismustheorie enthielte, ebenso wie die verwandte Stamokap-Theorie, in ihrem Kern die Behauptung, Vertreter von Bank- sowie Industriekapital, die fusioniert hätten, nähmen als so genannte Monopolherren zunehmend Einfluss auf den Staat und seine Entscheidungsstrukturen. Durch geheime Lobby-Arbeit, wechselseitigen Personalaustausch zwischen Wirtschaft und Politik sowie institutionalisierte Bündnisse (Sozialpartnerschaft) würden die Monopolherren zunehmend Einfluss auf die Staatsleitung gewinnen, um diese schließlich vollständig ihren dubiosen Zwecken zu unterwerfen. Zu diesen Zwecken gehöre auch, den von Marx vorausgesagten tendenziellen Fall der Profitrate durch ökonomische und territoriale Expansion auszugleichen. Dies führe den so agierenden imperialistischen Staat in Konflikte mit anderen imperialistischen Staaten, was nahezu unausweichlich in kriegerische Auseinandersetzungen wie den Ersten Weltkrieg münde.

Damit hätten Lenin und andere Theoretiker, die ihm folgten, unterstellt, dass z. B. der Imperialismus und der durch ihn verursachte Erste Weltkrieg das Ergebnis illegitimer und geheimer Einwirkungen eines vergleichsweise kleinen Personenkreises sei, nämlich der „Agenten des Monopolkapitals“.[59] So sah z. B. die Kommunistische Internationale von 1919 eine internationale, imperialistische Verschwörung des Kapitals:

„Dagegen rüstet sich das Weltkapital zum letzten Kampf. Unter dem Deckmantel des »Völkerbundes« und eines pazifistischen Phrasenschwalls macht es die letzten Anstrengungen, die spontan zerfallenden Teile des kapitalistischen Systems wieder zusammenzukleben und seine Kräfte gegen die immer mehr wachsende proletarische Revolution zu richten. Diese neue ungeheure Verschwörung der Kapitalistenklasse muss das Proletariat mit der Eroberung der politischen Macht beantworten, diese Macht gegen seine Klassenfeinde richten und als Hebel der ökonomischen Umwälzung in Bewegung setzen. […] Nieder mit der imperialistischen Verschwörung des Kapitals!“

– Richtlinien der Kommunistischen Internationale[60]

Zwar stießen die Versuche, den gesamten Leninismus als Verschwörungstheorie zu beschreiben, in der Forschung kaum auf positives Echo, der Politologe Reinhard Kühnl sieht jedoch in späteren Formen dieser Theorien einzelne verschwörungsideologische Elemente auf der Hand liegen. In den siebziger und achtziger Jahren seien vielfach so genannte Kartell- oder Agenturtheorien diskutiert worden, nach denen der bürgerliche Staat und seine Repräsentanten nichts als Weisungsempfänger von personal auftretenden Vertretern industrieller Interessen seien. Diese – laut Kühnl – schlichte und personalisierende Beschreibung des Verhältnisses zwischen Staat und Kapitalinteressen würde heute auch von den meisten Marxisten abgelehnt, die den Einfluss industrieller Interessen nicht leugnen, ihn aber nicht als die einzige Ursache für die Machtübernahme Hitlers betrachten.[61]

Ein Beispiel für eine solche Agententheorie ist etwa die in der DDR-Geschichtswissenschaft einhellig vertretene Auffassung, vor allem die Großindustrie habe in der Weimarer Republik die NSDAP finanziert und durch direkte Einwirkung auf Entscheidungsträger wie durch die Industrielleneingabe vom November 1932 an die Macht gebracht. Daher sei das personale Handeln der Großindustriellen der wichtigste Faktor, der zu der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten beigetragen hätte. Hier wird im Sinne einer Verschwörungsideologie ein zentrales weltgeschichtliches Ereignis auf das zielgerichtete verborgene Wirken einer kleinen Minderheit zurückgeführt.[62] Die Kanzlerschaft Hitlers wird in dieser Auffassung mit einem „monokausalen Kaufakt“ verborgen handelnder Kapitalisten erklärt, die damit angeblich ihre Expansionsinteressen wahren wollten.[63] Andere Faktoren wie die nationalsozialistische Massenbewegung, die Weltwirtschaftskrise, die Folgen des als nationale Schmach empfundenen Versailler Vertrags und der Mangel an genügend entschiedenen Verteidigern der Republik werden demgegenüber ausgeblendet. Die historische Forschung nimmt heute dagegen an, dass der Anteil der Großindustrie an der Finanzierung der NSDAP gering war, unbeschadet der Tatsache, dass sie durchaus aktiv an der Zerstörung der Weimarer Republik mitgewirkt hat.[64] Die Einflussnahme einzelner Großindustrieller wird dabei nicht geleugnet, aber in ein komplexes multifaktorielles Ursachengeflecht aus institutionellen Rahmenbedingungen, ökonomischer Entwicklung, politischer Kultur, sozialem Gefüge und ideologischen Einflüssen eingeordnet.

Verschwörungstheorien in den USA seit 1945

Antikommunismus

Während nach 1945 Verschwörungstheorien in Westeuropa bis in die 1990er Jahre kaum Resonanz erhielten, wurden sie in den USA nach 1945 und noch stärker nach der Ermordung Kennedys 1963 und den Anschlägen vom 11. September 2001 zu einem verbreiteten Erklärungsmuster im kulturellen und politischen Leben und Denken vieler Menschen.[65] Bis in die 1950er Jahre wurden Verschwörungstheorien in antikommunistischer Ausprägung vom Regierungsapparat selbst vertreten, sie gehörten zum offiziellen Mainstream.[66] Das Komitee für unamerikanische Umtriebe unter dem Vorsitz Richard Nixons und das Government Operations Committee von Senator Joseph McCarthy etwa produzierten in den frühen fünfziger Jahren regelrechte Musterbeispiele für Verschwörungstheorien. FBI-Direktor J. Edgar Hoover behauptete 1958, während des amerikanisch-sowjetischen Bündnisses 1941−1945 hätten Kommunisten die Kontrolle zentraler gesellschaftlicher Institutionen in den USA übernommen, so der Massenmedien, der Verwaltung und der Eliteuniversitäten.[67] Es blieb nicht bei diesen Verdächtigungen: Nixon, McCarthy und Hoover verfolgten Kommunisten innerhalb des amerikanischen Establishments und wen sie dafür hielten, verletzten deren Grundrechte und ruinierten Leben und Karriere vieler Unschuldiger.[68] Am 27. April 1961 äußerte der amerikanische Präsident John F. Kennedy vor amerikanischen Zeitungsverlegern:

„Denn uns stellt sich auf der ganzen Welt eine monolithische und rücksichtslose Verschwörung entgegen, die sich vor allem auf versteckte Mittel für den Ausbau ihrer Einflusssphäre verlässt – auf Infiltration statt Invasion, heimliche Umstürze statt Wahlen, Einschüchterung statt Wahlfreiheit, Guerillas in der Nacht statt Armeen am Tage.“[69]

Kennedy-Attentat

Auch in der Folge nahm deren Zahl und Verbreitung in den USA nicht ab. Seit 1963 bietet das Attentat auf John F. Kennedy Anlass zu verschiedenen Verschwörungstheorien, die beispielsweise nachzuweisen versuchen, die CIA habe gemeinsam mit der Mafia, Exilkubanern, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und Vertretern des militärisch-industriellen Komplexes den Mord an dem Präsidenten zu verantworten. Dahinter stecke ein Staatsstreich, der Kennedys Politik habe stoppen wollen. Manche sehen die Mafia auch als alleinigen Drahtzieher des Attentats, weil die amerikanische Regierung unter Kennedy für die organisierte Kriminalität eine akute Bedrohung dargestellt habe. Eine weitere Version sieht hinter dem Mord das Castro-Regime, das den ständigen Widersacher Kennedy habe beseitigen wollen, dies in Analogie zu den tatsächlichen Attentatsversuchen gegen den kubanischen Anführer.[70]

Dennoch gab es in diesen Jahren einen deutlichen Wandel: Etwa seit Anfang der 1960er Jahre vertritt die amerikanische Regierung keine Verschwörungstheorien mehr.[71] Im Gegenteil, sie nutzt den Begriff, um ihr unwillkommenes, heterodoxes Wissen zu delegitimieren. 1967 griff sie zum ersten Mal zu diesem Mittel, als die CIA versuchte, die durch Flüsterpropaganda um sich greifende Kritik am Bericht der Warren-Kommission, die Lee Harvey Oswald als den alleinigen Mörder Kennedys namhaft gemacht hatte, als unglaubwürdig hinzustellen.[72]

Die Regierung als Verschwörung

Seitdem werden Verschwörungstheorien auch in den USA marginalisiert, was zu einem Wandel ihrer Struktur führte: Nahmen bis dahin alle amerikanischen Verschwörungstheorien an, es gäbe geheime und böswillige Komplotte gegen die USA und ihre Regierung, behaupten die amerikanischen Verschwörungstheoretiker seitdem, dass die Regierung Teil der angenommenen Verschwörung sei. Reale Skandale wie die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere, die Watergate- oder die Iran-Contra-Affäre trugen zu diesem Misstrauen bei. Dass Regierung, Wissenschaft und Mainstream-Medien dazu übergegangen waren, Verschwörungstheorien als indiskutabel zu delegitimieren, trug unter deren Anhängern zu der Überzeugung bei, es müsse was dran sein, da das Establishment ein Interesse daran habe, ihre Verbreitung zu unterbinden.[73]

Neben Verschwörungstheorien zur Mondlandung, nach denen die Mondlandung 1969 der Weltbevölkerung mit Hilfe von Fernseh-Inszenierungen vorgetäuscht worden sein soll, oder der so genannten October Surprise-Verschwörung, wonach Persönlichkeiten aus dem Umfeld von Ronald Reagan den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini dazu gebracht haben sollen, die Geiseln in der amerikanischen Botschaft erst nach seiner Wahl zum Präsidenten freizulassen,[74] findet die Verschwörungstheorie der „Neuen Weltordnung“ in den USA bis heute Anhänger: In der Ideologie der rechtsgerichteten Milizbewegung, einem Konglomerat aus rechtem Libertarismus, christlichem Fundamentalismus und Antisemitismus, wird der Regierung in Washington unterstellt, im Bunde mit der UNO oder den Juden (siehe ZOG), mit anderen übernationalen Mächten oder sogar Außerirdischen daran zu arbeiten, Freiheit und Moral der Bevölkerung zu unterminieren und eine „neue Weltordnung“ errichten zu wollen. Ein erster Schritt dazu sei die Beschränkung des im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung jedem Bürger garantierten Rechts, Waffen zu tragen. Anlass zu diesen Befürchtungen bot das Massaker von Waco (Texas) 1993, das durch den Versuch der Bundespolizei ausgelöst wurde, die geltenden Waffengesetze auch bei der kleinen Sekte der Davidianer durchzusetzen.[75]

Verschwörungstheoretische Verdächtigungen gegen die Regierung sind besonders unter der afroamerikanischen Bevölkerung der USA verbreitet: So werden innerhalb dieser sozialen Gruppe hinter den Morden an Malcolm X und Martin Luther King oftmals Geheimdienste oder die Regierung vermutet. Auch die Thesen, dass Schusswaffen, Crack und AIDS – Phänomene, die bei der afroamerikanischen Bevölkerung überdurchschnittlich verbreitet sind – aus rassistischen Gründen absichtlich in deren Wohngebiete gebracht worden wären, finden hier weite Verbreitung.[76]

Auch im Zuge der Terroranschläge am 11. September 2001 wurden konspirationistische Verdächtigungen gegen die amerikanische Regierung laut. Sie fanden auch in Europa Verbreitung. Demnach sei die Bush-Regierung selbst für die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich, entweder, indem sie sie in vollem Wissen der Pläne der Attentäter geschehen ließ, oder indem sie selbst ihre Durchführung befahl. Ziel soll gewesen sein, die amerikanischen Kriegspläne gegen Afghanistan und den Irak umzusetzen und eine unilaterale Dominanz zu etablieren – siehe hierzu Verschwörungstheorien zum 11. September 2001.

Verschwörungstheorien in der islamischen Welt heute

Ähnlich wird auch in den Verschwörungsideologien argumentiert, die gegenwärtig in der islamischen Welt florieren.[77] Hier ist eine Mischung zu beobachten, die sich aus den Verschwörungstheorien zum 11. September, aus teils klassischen, teils antiimperialistisch modernisierten antisemitischen Verschwörungstheorien und aus verschwörungstheoretischen Versuchen zusammensetzt, für die geringen Entwicklungserfolge, die die arabische Welt in den letzten hundert Jahren erzielt hat, einen Sündenbock zu finden. Obwohl diese antisemitischen Verschwörungstheorien an einige judenfeindliche Stellen im Koran anknüpfen können (z. B. Sure 4, Vers 155), werden sie von einigen Islamwissenschaftlern nicht als genuine Frucht des Islam, sondern als Import ursprünglich europäischen Gedankenguts interpretiert.[78] Virulent wurden diese Verschwörungstheorien vor allem seit dem Sechstagekrieg 1967 – spätestens seitdem wird Israel als Agent der imperialistischen USA hingestellt, deren Ziel es sei, eine Weltherrschaft zu errichten und entweder den Islam oder die Besonderheiten der Völker zu vernichten.[79] Die Protokolle der Weisen von Zion sind z. B. integraler Bestandteil der Ideologie der Hamas, und 2003 behauptete der malaysische Premierminister Mahathir bin Mohamad auf einer Tagung der Organisation der Islamischen Konferenz, „die Juden“ würden die Welt durch Stellvertreter regieren und hätten zu diesem Zweck den Sozialismus, den Kommunismus, die Demokratie und die Menschenrechte erfunden.[80][81] Besonders Israel als jüdischer Staat steht seit jeher im Fokus von antisemitischen Verschwörungstheorien, oftmals im Zusammenhang mit Holocaustleugnung, so beispielsweise der Behauptung, Israel hätte den Holocaust erfunden, um die Besetzung der Palästinensergebiete zu legitimieren.[82] Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad verkündete am 26. Oktober 2005 auf einer Konferenz zum Thema Die Welt ohne Zionismus:[83]

„Dieses Besatzerregime [gemeint war Israel] stellt tatsächlich einen Brückenkopf der Welt der Arroganz im Herzen der islamischen Welt dar. Sie haben eine Festung errichtet, von der sie ihre Herrschaft auf die gesamte islamische Welt ausdehnen wollen. Darüber hinaus gibt es weder Grund noch Zweck für dieses Land.“

Seit Dezember desselben Jahres erklärte Präsident Ahmadinedschad öffentlich im Zuge eines Konfrontationskurses mit dem Westen, dass er die Geschichte des Holocaust in Frage stellt (siehe hierzu Holocaustleugnung).

Auch bei Kritikern der islamistischen oder patriarchal-autoritären Regime sind teils verschwörungstheoretische Elemente zu finden. Die ägyptische Menschenrechtlerin Nawal al-Saadawi zum Beispiel ist der Meinung, die arabischen Despoten hätten auch immer im Auftrag des amerikanischen und israelischen Kolonialismus gestanden.[84]

Esoterische Verschwörungstheorien in Europa heute

Seit den 1990er Jahren werden antisemitische Verschwörungstheorien auch wieder in Europa rezipiert, und zwar in esoterischem Gewand. Der britische ehemalige Sportreporter David Icke verbreitet die Mär, die Welt wäre von „reptiloidenAußerirdischen unterwandert, die er zum Teil als Juden, zum Teil als Illuminaten darstellt. Dabei zitiert er zustimmend die Protokolle der Weisen von Zion. Icke selbst bestreitet, antisemitisch zu sein, da er ja nicht gegen alle Juden polemisiere, sondern nur gegen die Rothschilds, „eine der notorischsten schwarz-okkulten Blutlinien des mittelalterlichen Europa“. Sie wären auch die geheimen Drahtzieher hinter Hitler gewesen, den sie aufgebaut und bezahlt hätten. Ickes Webseite, auf der er diese und ähnliche Behauptungen verbreitet, wird nach seinen eigenen Angaben mehrere hunderttausend Mal pro Woche angeklickt.[85]

Mit ähnlichen Behauptungen erzielte der deutsche Autor Jan Udo Holey einen Bestseller: In seinem 1993 erschienenen Buch Geheimgesellschaften und ihre Macht im zwanzigsten Jahrhundert, das vornehmlich über esoterische Buchläden vertrieben wurde, behauptet er, Mayer Amschel Rothschild hätte 1773 mit zwölf anderen jüdischen Geldgebern den Plan gefasst, bis zum Jahr 2000 den Weg für ihre Weltregierung freizumachen. Er entwirft eine umfassende Verschwörungstheorie, die vom alten Mesopotamien über den Mythos von den NS-Flugscheiben bis zu einem angeblich bevorstehenden Dritten Weltkrieg reicht und nach der die Juden am Holocaust selber schuld seien. Dabei bezieht er sich explizit auf die Protokolle der Weisen von Zion und auf Werke von Holocaustleugnern wie Germar Rudolf.[86] Holeys „esoterische Verklärung des Nationalsozialismus“[87] unterlag von 1996 bis 2001 auf Beschluss des Landgerichts Mannheim wegen Volksverhetzung der Beschlagnahme.

Diese und ähnliche antisemitische Verschwörungstheorien werden in Europa heute unter anderem von dem Deutschen Jo Conrad oder dem Niederländer Robin de Ruiter verbreitet.[88] Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz sieht die Gefahr, dass an sich unpolitische, zumeist formal höher gebildete Leser durch Rezeption dieser rechtsesoterischen Verschwörungstheorien in Kontakt mit rechtsextremistischem Gedankengut kommen, was perspektivisch zu einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz antisemitischer Ressentiments über die rechtsextremistische Szene hinaus beitragen könne.[89]

Die Frage, wieso esoterisch Interessierte im modernen Europa anfällig für antisemitische Verschwörungstheorien sind, wird in der Forschung unterschiedlich beantwortet. Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann glaubt, die Esoterik biete über den Begriff der Ganzheitlichkeit ein einfaches und zugleich binäres Welterklärungsmodell an: Das Universum werde in einem Zustand quasi natürlicher Stabilität und Harmonie gedacht, die sich aber nur einstelle, wenn sich die Menschen „mit ihrem durch Abstammung, Geschlecht, Klasse und Rasse determinierten Platz“ abfänden. Jedes Ausbrechen aus der angeblich kosmischen Bestimmung werde als Verursachung von Instabilität und Unordnung gedeutet, weswegen es naheliege, Menschen, die diese Ordnung ablehnten und sich außerhalb der Gemeinschaft stellten, zu denunzieren.[90] Die Schweizer Soziologinnen Chantal Magnin und Marianne Rychner nehmen dagegen an, dass sowohl Esoterik als auch Verschwörungstheorie von einem Ohnmachtsgefühl der Rezipienten ausgehen: Hier gegenüber den als allmächtig gedachten Verschwörern, dort gegenüber den geheimnisvollen kosmischen Kräften, die die Welt angeblich lenken. Die von der Esoterik empfohlenen magischen Praktiken zur Beeinflussung dieser Kräfte führten aber regelmäßig zu Frustrationserfahrungen, die wiederum zur Akzeptanz verschwörungstheoretischer Erklärungsmodelle beitrügen:

„Irgend jemand wird ja wohl dahinterstecken, wenn es einem im täglichen Leben nicht gelingt, die kosmischen Kräfte endlich zu beherrschen, wenn das Schicksal nicht zur Chance werden will.“[91]

Erklärungsansätze

Die Popularität von Verschwörungsideologien unterliegt Schwankungen: In einigen Gesellschaften treten sie über einen gewissen Zeitraum als Massenphänomen auf, in anderen scheinen sie konstantes Merkmal der politischen Kultur zu sein, während wieder andere nur in geringem Maße davon betroffen sind. Wie der historische Überblick gezeigt hat, waren z. B. die Epoche der französischen Revolution oder Jahre um den Zweiten Weltkrieg herum Zeiten konspirationistischer Hochkonjunktur. Mehrere Erklärungen für diese Phasenwechsel bieten sich an:

Der unterschiedliche Bedrohungsgrad einer Gesellschaft

Verschwörungsideologien sind gerade dort vertreten, wo sich mehr oder minder große Teile einer Gesellschaft von außen bedroht fühlen. Das war etwa bei der Pest des Mittelalters genauso der Fall wie im elisabethanischen England, im revolutionären Frankreich oder auch im Deutschland der 1920er Jahre, als die unerwartete Niederlage im Weltkrieg und der als nationale Schmach verrufene Versailler Vertrag die Suche nach einem Sündenbock motivierten. Dies gilt unbeschadet der Tatsache, dass das Ergebnis dieser Suche stets irrational ist und in Wirklichkeit mit der Verursachung der als unerfreulich empfundenen Lage oft nur wenig oder – wie im Falle des deutschen Antisemitismus – überhaupt nichts zu tun hat. Gegen die Annahme, dass eine äußere Bedrohung alleine für die Verbreitung von Verschwörungsideologien in einer Gesellschaft ausreicht, spricht die Tatsache, dass nicht jede Gesellschaft in Not mit Verschwörungstheorien auf ihre Bedrohung von außen reagiert: Obwohl Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs in der Tat schwer bedroht war, fanden Verschwörungstheorien keinen Massenanhang.

Die unterschiedliche Aufgeklärtheit einer Gesellschaft

Verschwörungstheorien im konspirationistischen Sinne reduzieren Komplexität: Sie lösen unübersichtliche und diffuse Situationen dadurch auf, dass sie sie auf einzelne bekannte Phänomene zurückführen und damit bearbeitbar machen. Die Situation mag immer noch bedrohlich sein, unerklärlich ist sie nicht mehr. Der Mythos als Verarbeitungsform von Wirklichkeit besteht nach Hans Blumenberg darin, das Subjekt einer Geschichte zu finden und zu benennen (Arbeit am Mythos, 1979). Dementsprechend müssten Gesellschaften, die über die zahlreichen und sich obendrein wechselseitig bedingenden Kausalverhältnisse in Geschichte, Wirtschaft und Politik besser aufgeklärt sind, weniger anfällig für Verschwörungsideologien sein. Tatsächlich aber lässt sich eine Abnahme der Verschwörungstheorien im Lauf der Zeit nicht in allen Gesellschaften finden. Gerade im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Vernunft, gab es eine deutliche Häufung von Verschwörungstheorien. Ähnliches ist in den USA zu beobachten, einer Gesellschaft mit einem guten, wenn auch inhomogenen Bildungssystem: Hier scheint die Popularität von Verschwörungstheorien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konstant zu bleiben, wenn nicht sogar zuzunehmen, weswegen 1964 Richard Hofstadter den „paranoiden Stil“ nachgerade als Merkmal für die politische Kultur seines Landes beschrieb.[92] Einen Rückgang der Verschwörungsideologien bei vermehrter Bildung scheint es nicht zu geben.

„Dialektik der Aufklärung“

Der Zusammenhang zwischen Verschwörungsideologie und Vernunft kann auch umgedreht werden. Der Historiker Dieter Groh vermutet hier eine „Dialektik der Aufklärung“ im Sinne Adornos: Verschwörungstheorien sind als „das Andere der Vernunft“ Schattenseite und gleichzeitig Gegenbewegung einer zu schnell sich vollziehenden Rationalisierung aller gesellschaftlichen Beziehungen; denn das Aufkommen der Verschwörungsideologien hängt gerade mit der Aufklärung und Säkularisierung zusammen, die irrationale Welterklärungen durch rationales Wissen ablösen und zurückdrängen will; wenn man nicht mehr alles mit dem Wirken eines allmächtigen Gottes erklären kann, wächst die Neigung, unerfreuliche Phänomene den Machenschaften einer Verschwörergruppe zuzuschreiben, da irgendjemand ja dafür verantwortlich sein muss.[93] Für diesen Zusammenhang von technischem Fortschritt und Rationalität auf der einen Seite sowie mentaler Modernitätsverweigerung und Antirationalismus auf der anderen prägte der Philosoph Ernst Bloch auch den Begriff der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Jüngere ethnologische Untersuchungen legen einen ähnlichen Zusammenhang nahe zwischen Verschwörungsideologien und der Bedrohung einer traditionalen Gesellschaft durch Modernisierung. J. Clyde Mitchell hat bei seinen Untersuchungen der Volksgruppe der Yao in Sambia aufgedeckt, dass mit der Unübersichtlichkeit des sozialen Wandels dort die Anklagen wegen witchcraft (allgemeiner magischer Schädlichkeit) zunahmen, wohingegen die angeblichen Fälle von sorcery (konkretem Schadenzauber) abnahmen: Sie dienen offenkundig dazu, soziale oder stammespolitische Konflikte auszutragen.

Verschwörungstheorie als politische Religion

In Anlehnung an Eric Voegelin werden Verschwörungstheorien als Elemente politischer Religion oder als solche selbst beschrieben. Gerade dort, wo die Welt säkularisiert ist, wo also kein Gottesbezug mehr die Kontingenz der Welt erklärt, setzt die Verschwörungstheorie zur Welterklärung ein. Nicht mehr widergöttliche Kräfte sind Ursache des Bösen, sondern eine „große Verschwörung“ gilt als die treibende Kraft der Geschichte. Norman Cohn vermutet dabei nicht nur phänomenologische Parallelen zu den chiliastischen Bewegungen des Mittelalters, sondern eine gewisse Kontinuität, wobei die alten religiösen Ausdrucksformen durch weltliche ersetzt worden seien. Einzelne Verschwörungstheorien sind Gegenstand der Religionswissenschaft geworden.

Die unterschiedliche Akzeptanz oppositioneller Gruppen

Die fehlende Akzeptanz einer Opposition kann als notwendige Bedingung für die Verbreitung von Verschwörungstheorien verstanden werden. Wenn es erlaubt ist, gegen die Regierung aufzutreten, schwindet die Versuchung, derartige Bestrebungen als Verschwörung zu ächten: Sie sind dann keine Verschwörung mehr, die sich vielleicht schon aus Furcht vor politischer Verfolgung konspirativer Mittel bedienen muss, sondern eine legitime Oppositionspartei. In der Tat fällt auf, dass in den Staaten Europas jeweils mit dem Aufkommen des Parteienwesens die Neigung zu Verschwörungsideologien zurückgeht. In England ist dieser Moment 1688 mit der Glorious Revolution gekommen, als sich die Gegner des neuen Königs Wilhelm von Oranien als „die loyale Opposition seiner Majestät“ bezeichneten und damit verschwörerischer Umtriebe nicht mehr verdächtig waren – danach hat es keine Verschwörungstheorie in England mehr zu Massenanhang gebracht. Ähnlich in Frankreich, wo während der Revolution der Glaube an eine einheitliche Volonté générale im Sinne Jean-Jacques Rousseaus zu der Überzeugung beitrug, interessegeleitete Abweichungen von diesem allgemeinen Volkswillen seien Verschwörungen und müssten gewaltsam unterdrückt werden.[94] Die Furcht vor Verschwörungen ließ erst nach der Julirevolution 1830 nach, als sich ein Mehrparteiensystem etablierte, ähnlich wie in Deutschland nach der von 1848: Mit dem Pluralismus und der damit einhergehenden Institutionalisierung von Parteien verbreitet sich eine moderne Vorstellung von Politik, die der traditionalen oder charismatischen Herrschaft eine rationale Form der Konsensbildung durch öffentliche Diskussion gegenüberstellt. Mit zunehmender Transparenz und Verfahrenslegitimation, wie sie die dritte Form in Max Webers Typologie kennzeichnen, nämlich die rationale Herrschaft, verlieren verschwörungsideologische Vorstellungen somit ihre Glaubwürdigkeit. In diesem Sinne könnte dann die breite Annahme der antisemitischen Verschwörungstheorien des Nationalsozialismus als besonders schwerer Rückfall in das eigentlich bereits überwundene Zeitalter der Verschwörungsideologien verstanden werden.

Psychologische Grundlagen

Verschwörungstheorien ähneln strukturell der Paranoia, einer psychischen Störung, bei der die davon Betroffenen wahnhaft Verfolgungen und Verschwörungen gegen die eigene Person wahrnehmen. In beiden Fällen sind Misstrauen und Verdächtigungen ins Unrealistische gesteigert, in beiden Fällen folgt daraus eine ängstlich-aggressive Haltung gegenüber der als bedrohlich wahrgenommenen Umwelt. Verschiedene Wissenschaftler interpretieren daher zum Beispiel die in totalitären Systemen verbreiteten Verschwörungstheorien als direkten Ausfluss der Paranoia ihrer Diktatoren.[95] Diesem Ansatz widerspricht der Historiker Rudolf Jaworski, da eine Verschwörungstheorie, um massenwirksam zu sein, stärkere Bezüge zur äußeren Wirklichkeit behalten müsse als ein individueller Wahn; sie sei auch auf Kommunikation und propagandistische Weiterverbreitung angelegt, während Wahnpatienten ihre Imaginationen möglichst lange für sich behielten; schließlich verkenne diese Deutung auch den instrumentellen Charakter von Verschwörungstheorien, die oft auch wider besseres Wissen verbreitet würden, um bestimmte Ziele zu erreichen.[96] Der deutsche Psychiater Manfred Spitzer verweist auf Statistiken, nach denen etwa die Hälfte der Bevölkerung der Vereinigten Staaten an mindestens eine Verschwörungstheorie glaube. Sie alle als psychisch krank zu beschreiben, sei weder sinnvoll noch zielführend; vielmehr gehöre der Glaube an Verschwörungstheorien zum ganz normalen „Arsenal menschlicher Weltverhältnisse“, wenn die psychologischen und neurobiologischen Mechanismen, auf denen er beruhe, auch denen des Wahns strukturell verwandt seien.[97]

Laut den amerikanischen Psychologen Jennifer Whitson und Adam Galinsky sind Personen, wenn sie glauben, keine Kontrolle über die Situation zu haben, in der sie sich befinden – also Personen mit einer situativ bedingt niedrigen Selbstwirksamkeitserwartung –, anfälliger für Verschwörungstheorien und Aberglauben. Sie tendieren dann dazu, überall Muster und Verbindungen zu sehen – selbst dort, wo es gar keine gibt – oder abergläubische Rituale mit einer Situation zu assoziieren.[98] Suggeriert man Menschen, dass sie die Kontrolle über eine Situation verloren haben, so suchen sie auch im scheinbaren Chaos nach Halt. Kontrollverlust wird von der Psyche als extrem starke Bedrohung wahrgenommen. Der starke Versuch, sie wieder herzustellen, kann auch die Wahrnehmung der Realität beeinflussen und man erzeugt sich mit Hilfe von „mentaler Gymnastik“ eine imaginäre Ordnung. Eine Möglichkeit ist, nach Strukturen zu suchen, um die Situation besser verstehen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen zu können. Man sucht nach Mustern – und wenn es keine gibt, baut man durch Sinnestäuschungen welche ein. Man sieht Muster und Verbindungen, welche intersubjektiv bzw. objektiv nicht existieren. Um auszuschließen, dass es sich bei den Versuchspersonen um generell verunsicherte Menschen handelte, die unabhängig vom Kontext ordnende Strukturen suchen, suggerierte man ihnen Sicherheit. Dann unterschieden sich die Ergebnisse nicht mehr von denen anderer Versuchspersonen. Bei Kontrollverlust werden auch angebotene einfache Zusammenhänge und Lösungen dankbar angenommen.[99][100]

Neben einer solchen geringen Selbstwirksamkeit und der Wahrnehmung, keine Kontrolle über relevante Entwicklungen zu haben, erwies sich in den Untersuchungen der amerikanischen Politikwissenschaftler Joseph E. Uscinski und Joseph M. Parent der Bildungsgrad als signifikanter Faktor bei der Wahrscheinlichkeit, an Verschwörungstheorien zu glauben: Während etwa 40 % der Probanden ohne Highschoolabschluss eine hohe Neigung dazu aufwiesen, an Verschwörungstheorien zu glauben, war der entsprechende Anteil von Personen mit einem Hochschulabschluss (Postgraduates) deutlich unter 30 %.[101]

Nach einer 2011 veröffentlichten Untersuchung der Psychologen Michael J. Wood und Karen M. Douglas der Universität Kent glauben Menschen, die an eine Verschwörungstheorie glauben, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch an andere, wobei deren Inhalt weniger wichtig ist als die Tatsache, dass es sich eben um eine Verschwörungstheorie handelt: So war bei den untersuchten Probanden, die glaubten, Osama bin Laden wäre noch am Leben, seine spektakuläre Tötung durch amerikanische Navy SEALs 2011 also nur vorgetäuscht, die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ebenfalls daran glaubten, er wäre bereits vor deren Einsatz tot gewesen. Dass beide Theorien sich gegenseitig logisch ausschließen, spielte für die Probanden offenkundig eine allenfalls untergeordnete Rolle.[102] Dies erklären Wood und Douglas mit einer „konspirationistischen Weltsicht“, die sich weniger im positiven Glauben an die Inhalte bestimmter verschwörungstheoretischer Narrative zeige als im Zweifel und Misstrauen gegenüber der „offiziellen“ Version. Ihre statistische Untersuchung von über 2000 Onlinekommentaren zum Thema der Terrorangriffe vom 11. September 2001 auf britischen und amerikanischen News-Webseiten ergab, dass Benutzer, die der konventionellen Erklärung zuneigten, eher für diese argumentierten als die Argumente der Verschwörungstheoretiker zu widerlegen; wer dagegen glaubte, die Angriffe seien das Ergebnis einer Verschwörung der amerikanischen Regierung, der Illuminati oder anderer, für den galt umgekehrt, dass er eher gegen die offizielle Version argumentierte als für ein geschlossenes Alternativnarrativ. In Aufnahme eines Begriffs des amerikanischen Neurologen Steven Novella beschreiben Wood und Douglas dieses Vorgehen als „anomaly hunting“, als „Jagd nach Anomalien“:[103] Dabei werde aus nicht erklärten Befunden der Trugschluss gezogen, sie ließen sich überhaupt nicht erklären und würden zu einer Widerlegung der offiziellen Version zwingen. Diese Benutzer hätten zudem weniger aggressiv argumentiert, häufiger auf andere Verschwörungstheorien rekurriert und den Terminus Verschwörungstheorie für sich als stigmatisierend abgelehnt.[104]

Gesellschaftliche Faktoren

Ein 1994 in der amerikanischen Zeitschrift Political Psychology erschienener Artikel untersuchte anhand einer Umfrage den Einfluss verschiedener gesellschaftlicher Faktoren auf den Glauben an Verschwörungstheorien.[105] Den 348 Umfrageteilnehmern wurden zehn in den USA zur damaligen Zeit populäre Verschwörungstheorien präsentiert, darunter etwa:

  • John F. Kennedy wurde nicht Opfer eines Einzeltäters, sondern einer organisierten Verschwörung
  • das FBI war in die Ermordung von Martin Luther King verwickelt
  • die Air Force hält Beweise für die Existenz fliegender Untertassen zurück
  • das AIDS auslösende HI-Virus wurde von der Regierung erschaffen; darauf aufsetzend die Theorie, sie habe es danach absichtlich unter Schwarzen oder Homosexuellen verbreitet
  • die Regierung bringt in den Städten absichtlich Drogen in Umlauf
  • die Japaner planen die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft

Die Teilnehmer wurden befragt, welchen Wahrheitsgehalt sie der jeweiligen Theorie beimessen, basierend auf einer Vier-Punkte-Skala von „definitiv wahr“ bis „definitiv falsch“.

Die Umfrage ergab eine überwiegende Ablehnung der Theorien. Zwei der zehn Theorien wurden als eher wahrscheinlich bewertet, sechs hingegen als eher unwahrscheinlich, die restlichen zwei ergaben ein Unentschieden. Der Grad der Zustimmung variierte stark zwischen den verschiedenen Theorien. Den höchsten Zustimmungsgrad erreichte die Verschwörungstheorie zur Ermordung von John F. Kennedy mit 69 %. Die Theorien zum HI-Virus fanden hingegen nur wenig Anhänger.

Der Glaube an eine Verschwörungstheorie erhöhte die Neigung, auch weitere als plausibel einzustufen. Er korrelierte mit einer Neigung zu Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und zwischenmenschlichem Umfeld, Unsicherheit in Hinblick auf den Arbeitsplatz, ethnischer Herkunft und sexueller Orientierung. Menschen, die ihre Lebenssituation als ungerecht empfanden und sich von der Politik allein gelassen fühlten, glaubten signifikant häufiger an Verschwörungstheorien, ebenso Afro- und Hispanoamerikaner, was der Autor mit ihrem Status als ethnische Minderheiten in Verbindung bringt. Jüngere Menschen glaubten etwas häufiger an Verschwörungstheorien. Hinsichtlich Bildungsstand, Geschlecht oder Berufsfeld konnten nur wenige signifikante Korrelationen festgestellt werden.

Verschwörungstheorien, die bestimmte Volksgruppen in besonderer Weise betrafen, erreichten unter deren Angehörigen einen höheren Zustimmungsgrad. Afroamerikaner sind etwa bei der Drogenkriminalität deutlich überrepräsentiert und häufiger von AIDS betroffen. 62 % von ihnen stimmten der Theorie zu, die Regierung habe in den Städten absichtlich Drogen in Umlauf gebracht (alle Teilnehmer: 21 %). 31 % stimmten der Theorie zu, die Regierung habe das HI-Virus absichtlich unter Schwarzen verbreitet (alle Teilnehmer: 10 %). 68 % glaubten, die Regierung war in die Ermordung Martin Luther Kings verwickelt (alle Teilnehmer: 42 %). Diese Beobachtung deckte sich mit den Erkenntnissen einer früheren Umfrage unter afroamerikanischen Kirchenmitgliedern, bei der thematisch ähnliche Fragen gestellt wurden.

Wissenssoziologisches Erklärungsmodell

Nach Andreas Anton sind Verschwörungstheorien „eine spezielle Formkategorie sozialen Wissens“, „in deren Zentrum Erklärungs- oder Deutungsmodelle stehen, welche aktuelle oder historische Ereignisse, kollektive Erfahrungen oder die Entwicklung einer Gesellschaft insgesamt als Folge einer Verschwörung interpretieren.“[106] Auf dieser Definition aufbauend besteht entsprechend der wissenssoziologischen Perspektive von Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter die wichtigste Funktion von Verschwörungstheorien darin, „Ereignisse oder Prozesse, die sich ansonsten nur schwer einordnen ließen, sinnhaft zu deuten, so dass sie sich in bestehende Weltbilder, Sinnstrukturen oder ein bestimmtes Hintergrundwissen integrieren lassen.“ Das Verschwörungsdenken der Moderne wird nach Anton, Schetsche und Walter durch fünf interdependente Faktoren wesentlich beeinflusst: Zunächst einmal müsse ein kulturelles Wissen über die Existenz realer Verschwörungen vorhanden sein; damit zusammenhängend müsse Misstrauen gegenüber den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Machteliten vorhanden sein, etwa durch Kenntnisse über deren Verwicklung in illegale Machenschaften – als Beispiel nennen sie die als Gladio bekanntgewordenen Stay-behind-Organisationen der NATO; drittens müsse ein starker Wunsch nach Erklärung für ein unerwartetes Ereignis in der Gesellschaft vorhanden sein, der durch die offizielle Erklärung nicht befriedigt werde; viertens müsse es ein die individuelle Verantwortung für ein Ereignis oder gesellschaftliche Fehlentwicklungen betreffendes Entlastungsbedürfnis geben: Wer unterstellt, dass die wahren Entscheidungen ohnehin nur in einem kleinen, unbeeinflussbaren Zirkel von Verschwörern fielen, brauche sich keine Vorwürfe zu machen, gegebenenfalls die falsche Partei gewählt zu haben; schließlich sei die Möglichkeit notwendig, solche heterodoxen Deutungen massenhaft und ungehindert zu verbreiten, etwa über das Internet. Anton, Schetsche und Walter begrüßen dieses Medium als Ermöglichung einer „ergebnisoffenen Konkurrenz zwischen orthodoxen und heterodoxen Wissensbeständen und Wirklichkeitskonzepten (einschließlich Verschwörungstheorien)“.[107]

Verschwörungsideologien und Gewalt

Der historische Überblick über die Konjunkturen der Verschwörungsideologien zeigt die immense Gewaltbereitschaft, die mit diesem Denken einhergeht: Vom mittelalterlichen Inquisitionsterror gegen Andersgläubige über die englischen Verfolgungen von Kryptokatholiken und Jesuiten zur grande terreur der Französischen Revolution, dann vom Schrecken des stalinistischen Gulag bis schließlich zum Grauen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten: Stets folgte auf die Entlarvung vermeintlicher Verschwörer und Volksfeinde deren Eliminierung. Und noch in der jüngsten Vergangenheit zeigt der Bombenanschlag von Oklahoma City von 1995 die mörderische Potenz von Verschwörungsideologien.

Der Zusammenhang ist notwendiger Bestandteil der scheinrationalen Logik der Verschwörungsideologien: Wenn die Bedrohung durch die als übermächtig vorgestellten Verschwörer so groß ist und wenn es aufgrund der ideologischen Selbstabdichtung keinerlei Mittel gibt, diese Phantasievorstellung zu widerlegen, muss buchstäblich jedes Mittel recht sein, sich ihrer zu erwehren.

Aufgrund der Erfahrungen des griechischen Unabhängigkeitskrieges (1821 – 1829), als eine christliche Minderheit sich gewaltsam mit Hilfe von Großbritannien aus dem Osmanischen Reich gelöst hatte, fürchtete die jungtürkische Regierung im Jahre 1915 Ähnliches: Sie vermutete, die christlichen Armenier stünden insgeheim mit Russland, das schon lange Interesse an der Kontrolle der Meerengen besaß, im Bunde. Daher schalteten sie mit Massakern und Todesmärschen in die mesopotamische Wüste diese vermeintliche fünfte Kolonne des Kriegsgegners aus.[108]

Doch Gewalt ist nicht nur die Folge staatlicher Verschwörungstheorien „von oben“: In den beiden großen Freiheitskämpfen des 18. Jahrhunderts spielen Verschwörungstheorien „von unten“ für die Motivation der Revolutionäre eine nicht zu unterschätzende Rolle. Von George Washington etwa ist bekannt, dass er hinter dem konfliktträchtigen Handeln der britischen Regierung, das zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führte, eine Verschwörung witterte: Die Besteuerung der Kolonisten ohne ihre Repräsentation im Parlament erschien ihm nicht als rationale Verfolgung britischer Interessen, die nur eben den seinen widersprachen und die politisch, das heißt durch Verhandlung und Kompromiss, zu regeln wären, sondern als absichtliche und vor den Amerikanern lange geheim gehaltene Böswilligkeit, die es zu bekämpfen gelte – eine Interpretation, die den Kämpfern für die Unabhängigkeit gewiss mehr Anhänger zuführte, als wenn er sie rein rational dargestellt hätte.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang von revolutionärer Gewalt und Verschwörungstheorie im vorrevolutionären Frankreich, wo unter der Landbevölkerung immer wieder Gerüchte von Hungerverschwörungen aufflackerten.[109] Die berühmteste und wohl auch folgenreichste war das im Frühjahr 1789 massenhaft kolportierte Gerücht, Adel und König würden absichtlich die Getreideversorgung verknappen, um in der folgenden Hungerkrise den beim Volk beliebten Finanzminister Jacques Necker entlassen und die von ihm empfohlene Einberufung der Generalstände aussetzen zu können. Diese Verschwörungstheorie trug nicht unwesentlich zur Delegitimierung des Ancien Régime und zur Bereitschaft der von einer Hungersnot bedrohten Massen bei, auch Gewalt einzusetzen.

Die Gerüchte um Hungerverschwörungen ließen in der Folgezeit aber nicht nach. Tatsächlich waren ähnliche Sorgen der Pariser Sansculotten im Zusammenhang mit der durch Inflation bedrohten Revolutionswährung, den Assignaten, einer der Auslöser für den massenhaften Terror des Wohlfahrtsausschusses. Die Verschwörungstheorie, die revolutionäre Gewalt „von unten“ motiviert hatte, war zur Rechtfertigung staatlichen Terrors „von oben“ geworden.

Verschwörungstheorien in der Literatur

Verschwörungstheorien, ihre intrigante Lancierung oder Aufdeckung sind seit je Stoff zahlreicher Bühnenstücke und Prosawerke.

Seit einiger Zeit werden Verschwörungstheorien vor allem in der amerikanischen Literatur thematisiert. Hier lassen sich drei Aspekte ausmachen, die sie für Autor und Leserschaft interessant machen: Spannung, Satire und Postmoderne; bei vielen Büchern kommen mehrere dieser Aspekte zum Tragen:

  • (Welt-)Verschwörungstheorien eignen sich hervorragend dazu, Spannung zu erzeugen: Der Held dringt mit dem Leser immer tiefer in die Geheimnisse einer ungeheuerlichen Konspiration ein, gerät eben dadurch mehrfach in größte Gefahr und entkommt den finsteren Geheimbündlern nur knapp, wenn überhaupt. Dieser Dramaturgie gehorchen z. B. die Romane von Dan Brown. Ein weiteres Beispiel ist der Roman Welt in Angst von Michael Crichton, der der Angst von Umweltskeptikern vor einer Verschwörung von Umweltschützern gegen den westlichen Lebensstil Ausdruck verleiht.
  • Satirisch werden Verschwörungstheorien zum Beispiel in William S. Burroughs berühmter Kurzgeschichte 23 Skiddoo behandelt, die in schnoddrigem Insider-Jargon schildert, wie einem obskuren Geheimdienst seine telepathisch kontrollierten Mörder aus dem Ruder laufen. Auch die Romantrilogie Illuminatus! von Robert Anton Wilson und Robert Shea benutzt vielfach satirische Momente, etwa wenn gleich zu Beginn des ersten Bandes das Denken in Verschwörungstheorien als Ideologie entlarvt wird mit dem das Kommunistische Manifest parodierenden Motto: „Die Geschichte der Welt ist die Geschichte der Kriege zwischen Geheimbünden.“
  • In der postmodernen Literatur tritt das Motiv der Verschwörungstheorie besonders häufig auf. Hier dient es dazu, zu belegen, dass alles, was gemeinhin für Wirklichkeit gehalten wird, letztlich eine Konstruktion und bloße Vereinbarung ist: So offenkundig konstruiert wie eine Verschwörungstheorie ist demnach überhaupt jede Vorstellung der Realität. Dies wird in Illuminatus! mit dem von Timothy Leary entlehnten Begriff des „Realitätstunnels“ sogar explizit erklärt: Aus der gegen unendlich laufenden Zahl der möglichen Interpretationen der Welt einigt sich eine Gesellschaft auf eine, die dann als verbindlich indoktriniert wird. Erleuchtung erfahren die Protagonisten der Romantrilogie durch einen so genannten Mindfuck, der ihren Realitätstunnel zerstört und sie so in Stand setzt, einen eigenen zu konstruieren. Weniger optimistisch zeigt sich Umberto Eco in seinem Roman Das Foucaultsche Pendel, in dem er beschreibt, wie neugierige Wissenschaftler selber eine Verschwörungstheorie spinnen, die eben dadurch Realität gewinnt und einen von ihnen auf schaurige Weise das Leben kostet – er stirbt, gehenkt am titelgebenden Foucaultschen Pendel. Wesentlich schwieriger zu deuten sind die frühen Romane von Thomas Pynchon wie V. oder The Crying of Lot 49, in denen Verschwörungstheorien zugleich ironisiert und als Chiffre für die untergründigen Zusammenhänge der Welt gesetzt werden. Pynchon nimmt hier jedoch – weit vom postmodernen Pop-Eklektizismus Wilsons entfernt – die Tradition der literarischen Moderne auf; die Unverständlichkeit der Bedrohung in The Crying of Lot 49 erinnert an Kafkas Albtraumwelten, und auch die „mythologische Ordnungsmethode“ aus Joyces Ulysses wird reflektiert, bei der die Mythologie zu einer zweiten, die bunte Oberfläche gliedernden Wirklichkeitsebene wird. In The Crying of Lot 49 stößt die Protagonistin Oedipa Maas auf immer mehr Indizien für die Existenz einer geheimnisvollen Post-Verschwörung, bis sie schließlich vor der Alternative steht, sich entweder außerhalb dessen zu stellen, was die anderen Menschen für Realität halten, oder innerhalb des gesellschaftlichen Konsenses zu bleiben, was aber bedeutet, dass sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann – sie müsste sich dann selbst für verrückt erklären. Eine positivere Darstellung erfahren die Verschwörungstheorien in Pynchons Roman Die Enden der Parabel: Hier dienen sie, ähnlich wie bei Wilson, als selbstkonstruierte Fluchtmöglichkeiten, als Wege aus dem gigantischen Todes-, Indoktrinations- und Verwertungszusammenhang der geschilderten Welt. Negativ werden Verschwörungstheorien dagegen im Werk Don DeLillos gesehen: In dem Roman Sieben Sekunden, in dessen Mittelpunkt der Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald steht, wird geschildert, wie er von CIA-Agenten dahingehend manipuliert wird, sich selbst für einen Mord verantwortlich zu zeigen, den er nicht begangen hat: Verschwörungstheorie wird hier zur Metapher der Fremdbestimmung und Manipulation des Menschen. Zugleich knüpft DeLillos Version der Ereignisse selbst an eine bekannte Verschwörungstheorie an.

Siehe auch

Literatur

Deutschsprachig
Englischsprachig
  • Michael Butter, Maurus Reinkowski (Hrsg.): Conspiracy Theories in the United States and the Middle East: A Comparative Approach. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2014, ISBN 311030760X
  • Cornel Zwierlein, Beatrice de Graaf (Herausg.), Security and Conspiracy in History, 16th to 21st Century. Historical Social Research 38, Special Issue, 2013.
  • Michael Barkun: A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2006, ISBN 978-0-52024812-0.
  • S. Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Science. 32, 2002, S. 131–150.
  • D. Coady: Conspiracy Theories and Official Stories. In: International Journal of Applied Philosophy. 17/2, 2003, S. 199–211.
  • Mark Fenster: Conspiracy Theories. Secrecy and Power in American Culture. Minneapolis 1999 (zweite Auflage Minneapolis 2008), ISBN 0-8166-3242-1.
  • Carl F. Graumann, Serge Moscovici (Hrsg.): Changing Conceptions of Conspiracy. Springer Series in Social Psychology. New York u. a. 1987, ISBN 0-387-96223-9.
  • Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966. (Nachdruck: Chicago 1990, ISBN 0-226-34817-2, online)
  • B. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy. 96, 1999, S. 109–26.
  • Frank P. Mintz: The Liberty Lobby and the American Right. Race, conspiracy and culture. Greenwood Press Westport, Connecticut 1985, ISBN 0-313-24393-X.
  • Kathryn S. Olmsted: Real Enemies. Conspiracy Theories and American Democracy, World War I to 9/11. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-1997-5357-4.
  • Jane Parish, Martin Parker (Hrsg.): The Age of Anxiety. Conspiracy Theory and the Human Sciences. Oxford-Malden 2001, ISBN 0-631-23168-4.
  • Daniel Pipes: Conspiracy. How the Paranoid Style Flourishes and Where It Comes From. Free Press, New York 1997 (dt.: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling, München 1998, ISBN 3-932425-08-1.)
  • J.M. Roberts: The Mythology of the Secret Societies. Secker & Warburg, London, New York 1972, ISBN 0-684-12904-3.

Dokumentationen

Weblinks

Wiktionary: Verschwörungstheorie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer: Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin Verlag, Salzburg 2010, S. 21 f.
  2. Heinrich Schmidt: Philosophisches Wörterbuch. 21. Auflage, neu bearbeitet von Georgi Schischkoff , Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1978, S. 693.
  3. Brian L. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy 96, Nr. 3 (1999), S. 116.
  4. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 42.
  5. Vgl. David Coady: Gerüchte, Verschwörungstheorien und Propaganda. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 286.
  6. Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band II: Falsche Propheten. Hegel, Marx und die Folgen. 7. Auflage, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1992, S. 119.
  7. Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 (online, Zugriff am 21. September 2014).
  8. Günter Hartfiel: Wörterbuch der Soziologie. 3. Auflage, neu bearbeitet von Karl-Heinz Hillmann, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1972, S. 787.
  9. Dieter Groh: The Temptation of Conspiracy Theory, or: Why do bad things happen to good people? Part I: Preliminary Draft of a Theory of Conspiracy Theories. In: Carl F. Graumann und Serge Moscovici (Hrsg.): Changing Conceptions of Conspiracy. Springer, New York/Berlin/Heidelberg 1987, S. 2 ff.
  10. Geoffrey T. Cubitt: Conspiracy Myths and Conspiracy Theories. In: Journal of the Anthropological Society of Oxford 20 (1989), S. 13–17.
  11. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 45–53.
  12. Armin Pfahl-Traughber: „Bausteine“ zu einer Theorie über „Verschwörungstheorien“. Definitionen, Erscheinungsformen, Funktionen und Ursachen. In: Helmut Reinalter (Hrsg.): Verschwörungstheorien. Theorie – Geschichte – Wirkung. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2002, S. 31 f, zitiert nach Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer: Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin Verlag, Salzburg 2010, S. 20 f.; ähnlich Cass Sunstein und Adrian Vermeule: Conspiracy Theories. Causes and Cures. In: Journal of Political Philosophy 17 (2009), S. 202, 210 f. u.ö.
  13. Brian L. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy 96, Nr. 3 (1999), S. 116.
  14. Pete Mandik: Shit happens. In: Episteme 4 (2007), S. 206.
  15. Steve Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Sciences 32/2 (2002), S. 149.
  16. David Coady: Conspiracy theories and official stories. In: International Journal of Applied Philosophy 17 (2003), S. 199–211.
  17. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 3–6.
  18. Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten. Zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. Logos Berlin, 2011, S. 77f.; vgl. derselbe, Michael Schetsche und Michael Walter: Einleitung. Wirklichkeitskonstruktion zwischen Orthodoxie und Heterodoxie – zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. In: dieselben (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 12.
  19. Michael J. Wood, Karen M. Douglas: “What about building 7?” A social psychological study of online discussion of 9/11 conspiracy theories (University of Kent, veröffentlicht 2013 im Frontiers in Psychology), Onlineausgabe der US National Library of Medicine, Zugriff am 23. Oktober 2015.
  20. Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band II: Falsche Propheten. Hegel, Marx und die Folgen. 7. Auflage, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1992, S. 119.
  21. Siehe zum Beispiel Günter Hartfiel: Wörterbuch der Soziologie. 3. Auflage, neu bearbeitet von Karl-Heinz Hillmann, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1972, S. 787; Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin, Salzburg 2010, S. 10–14; Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 6 ff.
  22. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin, Salzburg 2010, S. 10–14.
  23. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 7–13.
  24. Dieter Groh: The Temptation of Conspiracy Theory, or: Why do bad things happen to good people? Part I: Preliminary Draft of a Theory of Conspiracy Theories. In: Carl F. Graumann und Serge Moscovici (Hrsg.): Changing Conceptions of Conspiracy. Springer, New York/Berlin/Heidelberg 1987, S. 8–11; Rudolf Jaworski: Verschwörungstheorien aus psychologischer und aus historischer Sicht. In: EZW-Texte 177 (2004), S. 44 f.
  25. Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters. LIT, Münster 2004, S. 16 f.
  26. Brian L. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy 96, Nr. 3 (1999), S. 117–125 .
  27. Steve Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Sciences 32/2 (2002), S. 144–147.
  28. Pete Mandik: Shit happens. In: Episteme 4 (2007), S. 206.
  29. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 43 f.
  30. Rudolf Jaworski: Verschwörungstheorien aus psychologischer und aus historischer Sicht. In: EZW-Texte 177 (2004), S. 46.
  31. Brian L. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy 96, Nr. 3 (1999), S. 116.
  32. Rudolf Jaworski: Verschwörungstheorien aus psychologischer und aus historischer Sicht. In: EZW-Texte 177 (2004), S. 46.
  33. So auch Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters. LIT, Münster 2004, S. 14 f.
  34. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer: Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin Verlag, Salzburg 2010, S. 12 f.
  35. Brian L. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy 96, Nr. 3 (1999), S. 121–126.
  36. Steve Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Sciences 32/2 (2002), S. 133 und 143–147 .
  37. Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter: Einleitung: Wirklichkeitskonstruktion zwischen Orthodoxie und Heterodoxie – zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. In: dieselben (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 12–17.
  38. David Coady: Gerüchte, Verschwörungstheorien und Propaganda. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 294 f.
  39. Dieter Groh, Die verschwörungstheoretische Versuchung, oder: Why do bad things happen to good people, in: ders., Anthropologische Dimensionen der Geschichte, Frankfurt am Main 1992, S. 267 ff.
  40. Andreas Hartmann, Germanicus und Lady Di. Zur öffentlichen Verarbeitung zweier Todesfälle, in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Der Vergleich. Eine Methode zur Förderung historischer Kompetenzen. Ausgewählte Beispiele, ars una Verlagsgesellschaft, Neuried 2005, S. 61-126.
  41. Juliane Wetzel: Verschwörungstheorien. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin 2008, ISBN 978-3-598-24074-4 S. 335 (abgerufen über De Gruyter Online).
  42. Zu antijesuitischen Verschwörungstheorien s. Stephen Luckert, Jesuits, Freemasons, Illuminati, and Jacobins. Conspiracy Theories, secret societies, and politics in late 18th century Germany, Diss. Binghampton University 1993, S. 75–96.
  43. Douglas C. Green (Hg.), Diaries of the Popish Plot, New York 1977
  44. so z. B. Denis Diderot: Jesuit, in: Anette Selg und Rainer Wieland (Hg.), Die Welt der Encyclopédie, Eichborn Verlag, Frankfurt/M 2001, S. 183ff
  45. Samuel F. B. Morse, Conspiracy Against the Liberties of the United States, Leavitt & Lord, New York 1835, zit. bei Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 (online, Zugriff am 21. September 2014).
  46. Zitiert nach Walter Markov: Revolution im Zeugenstand. Frankreich 1789–1799. Band 2, Leipzig 1982, S. 566 f.
  47. Geoffrey T. Cubitt, Robespierre and Conspiracy Theories, in: Colin Haydon und William Doyle (Hgg.), Robespierre, Cambridge University Press 1999, S. 75 – 91, das Zitat S. 83.
  48. Volker Jordan: Der protestantische Frühkonservativismus in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Seite 105 ff.
  49. Roland Sonntag: Verschwörungstheorien – Zur Variabilität eines aktuellen Phänomens, Seite 11.
  50. Johannes Rogalla von Bieberstein: Die These von der Verschwörung 1776–1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die soziale Ordnung, Bern 1976, S. 139f
  51. So Wolfram Meyer zu Uptrup: Kampf gegen die „jüdische Weltverschwörung“. Propaganda und Antisemitismus der Nationalsozialisten 1919 bis 1945. Metropol, Berlin 2003, und Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 78–93.
  52. Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933–1945. Hrsg., eingeleitet und dargestellt von Walther Hofer. Fischer Bücherei, Frankfurt am Main 1957; überarbeitete Neuausgabe: Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-26084-1, S. 268 f.
  53. Juliane Wetzel: Verschwörungstheorien. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin 2008, ISBN 978-3-598-24074-4 S. 335 (abgerufen über De Gruyter Online).
  54. Werner Jochmann: Monologe im Führerhauptquartier. Hamburg 1980, S. 93.
  55. Text der Posener Rede auf www.nationalsozialismus.de
  56. Juliane Wetzel: Verschwörungstheorien. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin 2008, ISBN 978-3-598-24074-4 S. 335 (abgerufen über De Gruyter Online).
  57. Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band II: Falsche Propheten. Hegel, Marx und die Folgen. 7. Auflage, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1992, S. 119.
  58. vgl. Oleg Gordievsky, Oleg und Christophe Andrew, KGB: The Inside Story. Hodder & Stoughton. 1990, ISBN 0-340-48561-2, S. 114; Dimitri Wolkogonow, Stalin. Triumph und Tragödie. Ein politisches Porträt, Econ Taschenbuch Verlag 1989, ISBN 3-612-26011-1, S. 18.
  59. Gerd Koenen: Marxismus-Leninismus als universelle Verschwörungstheorie. in: Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte. Dietz, Bonn 1999,2, S. 127–132; ähnlich auch Daniel Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, Gerling Akademie Verlag München 1998, S. 153 ff., und Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 109–117.
  60. Richtlinien der Kommunistischen Internationale – angenommen vom Kongress der Kommunistischen Internationale in Moskau (2. bis 6. März 1919).
  61. Reinhard Kühnl: Faschismustheorien. Ein Leitfaden, aktualisierte Neuauflage, Distel Verlag, Heilbronn 1990, S. 249 f.
  62. Ein Beispiel für viele: Eberhard Czichon, Wer verhalf Hitler zur Macht, Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1967.
  63. Eike Hennig, Industrie und Faschismus. Anmerkungen zur sowjet-marxistischen Interpretation, in: NPL 15 (1970), S. 438.
  64. Vgl. Reinhard Neebe, Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik, Vandenhoeck und Rupprecht, Göttingen 1981; Henry A. Turner, Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Siedler Verlag, Berlin 1985.
  65. Peter Knight: Conspiracy Culture. From the Kennedy Assassination to the X-Files. Routledge, London 2000, S. 2.
  66. Michael Butter: Konspirationistisches Denken in den USA. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 267 f.
  67. Herbert Hoover: Masters of deceit. The story of communism in America and how to fight it. Holt, New York 1958 (online, Zugriff am 20. Oktober 2014.)
  68. David Hecht: Hoover, Herbert. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 324.
  69. Text der Rede auf www.jfklibrary.org: “For we are opposed around the world by a monolithic and ruthless conspiracy that relies primarily on covert means for expanding its sphere of influence–on infiltration instead of invasion, on subversion instead of elections, on intimidation instead of free choice, on guerrillas by night instead of armies by day.”
  70. James D. Perry: Kennedy, John F. Assassination of. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 383–397; Larry J. Sabato: The Kennedy Half-Century. The Presidency, Assassination, and Lasting Legacy of John F. Kennedy. Bloomsbury, New York 2013, S. 160–240.
  71. Michael Butter: Konspirationistisches Denken in den USA. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 268.
  72. Lance deHaven-Smith, „Conspiracy Theory In America“. University of Texas Press, Austein 2013, S. 20, 26, 131 u.ö.
  73. Michael Butter: Konspirationistisches Denken in den USA. In: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 268–272.
  74. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 264.
  75. Claus Leggewie, Fed up with the Feds. Neues über die amerikanische Paranoia, in: Kursbuch 124: Verschwörungstheorien, Rowohlt, Berlin 1996, S. 115–128; Alasdair Spark: New Wolrd Order. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 2, S. 536–539.
  76. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 245 ff. u. ö.; Jack Z. Bratich: AIDS und Ted Remington: Cocaine. Beides in: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Bd. 1. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, S. 45 f. und S. 178-184.
  77. Zum Folgenden siehe Bassam Tibi: Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik. dtv, München 1994.
  78. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 119f
  79. Daniel Pipes: The Hidden Hand. Middle East Fears of Conspiracy. St. Martin’s Press, New York 1998, S. 49–74.
  80. Jeff Jacoby: Rousing Muslim bigotry. In: Boston Globe vom 23. Oktober 2003, Zugriff am 10. Oktober 2012.
  81. http://findarticles.com/p/articles/mi_m0WDQ/is_2003_Oct_20/ai_109021654
  82. Mitchell G. Bard, Behauptungen und Tatsachen. Negative arabisch/ moslemische Einstellungen gegenüber Israel, 2011, (online, Zugriff am 4. Mai 2011)
  83. Deutsche Übersetzung der Rede
  84. Philipp Gessler, Die Juden als Weltfeinde, in: taz vom 15. Dezember 2005.
  85. Ulrike Heß-Meining: Right-wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes und Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europa. Current trends and Perspectives. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, S. 398 ff., das Zitat („One of the most notorious black occult blooodlines of middle age Europe“) S. 399.
  86. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 148.
  87. Klaus Bellmund und Kareel Siniveer: Kulte, Führer, Lichtgestalten. Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda. Droemer Knaur, München 1997, S. 199.
  88. Zu Conrad siehe Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 149–152; zu de Ruiter Ulrike Heß-Meining: Right-wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes und Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current trends and Perspectives. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, S. 400 ff.
  89. Bundesamt für Verfassungsschutz: Argumentationsmuster im rechtsextremistischen Antisemitismus (PDF; 1,4 MB). November 2005, S. 10 f., Zugriff am 31. Mai 2014
  90. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 146 f.
  91. Chantal Magnin und Marianne Rychner: Strukturelle Gemeinsamkeiten zweier Weltdeutungen: Esoterik und antisemitische Verschwörungstheorie. In: Tangram. Bulletin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Nr. 6 (1999), S. 43 (online, Zugriff am 31. Mai 2014).
  92. Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 (online, Zugriff am 21. September 2014).
  93. Dieter Groh, Die verschwörungstheoretische Versuchung, oder: Why do bad things happen to good people, in: ders., Anthropologische Dimensionen der Geschichte, Frankfurt am Main 1992, S. 287–304.
  94. Geoffrey T. Cubitt, Robespierre and Conspiracy Theories, in: Colin Haydon und William Doyle (Hgg.), Robespierre, Cambridge University Press 1999, S. 83 f.
  95. Oliver Brachfeld: Zur Psychopathologie der „Weltverschwörungen“. In: Wilhelm Bitter (Hrsg.): Massenwahn in Geschichte und Gegenwart. Klett, Stuttgart 1965, S. 111–117; Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 48 f.
  96. Rudolf Jaworski: Verschwörungstheorien aus psychologischer und aus historischer Sicht. In: EZW-Texte 177 (2004), S. 37–42 (online, Zugriff am 21. September 2014).
  97. Manfred Spitzer: Verschwörungstheorien – ganz normal und doch ein Problem. In: Nervenheilkunde 3 (2015), S. 195 f. und 201.
  98. Jennifer A. Whitson, Adam D. Galinsky: Lacking Control Increases Illusory Pattern Perception, Science, Vol. 322. no. 5898, S. 115–117, 3. Oktober 2008
  99. Elke Ziegler: Kontrollverlust lässt Verschwörungstheorien gedeihen, science.ORF.at, 3. Oktober 2008
  100. Meg Washburn: When seeing IS believing, eurekalert.org, 2. Oktober 2008
  101. Joseph E. Uscinski and Joseph M. Parent: American Conspiracy Theories. Oxford University Press, Oxford und New York 2014. Zitiert bei Manfred Spitzer: Verschwörungstheorien – ganz normal und doch ein Problem. In: Nervenheilkunde 3 (2015), S. 200.
  102. Michael J. Wood, Karen M. Douglas und Robbie M. Sutton: Dead and Alive. Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories. In: Social Psychological and Personality Science (2012), S. 767–773. Zitiert bei Manfred Spitzer: Verschwörungstheorien – ganz normal und doch ein Problem. In: Nervenheilkunde 3 (2015), S. 201 (Online).
  103. Steven Novella: Anomaly hunting. Auf NeuroLogica Blog, 27. April 2009, Zugriff am 26. Oktober 2015.
  104. Michael J. Wood und Karen M. Douglas: “What about building 7?” A social psychological study of online discussion of 9/11 conspiracy theories. In: Frontiers in Psychology 4 (2013), Artikel 409, S. 1–9 Onlineausgabe der US National Library of Medicine, Zugriff am 23. Oktober 2015.
  105. Ted Goertzel: Belief in Conspiracy Theories. In: International Society of Political Psychology (Hrsg.): Political Psychology. Nr. 15, 1994, S. 733-744 (Unredigierte Originalfassung des Autors im DOC-Format).
  106. Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten. Zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. Perilog, Berlin 2011, S. 119. Zitiert nach: Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter: Einleitung. Wirklichkeitskonstruktion zwischen Orthodoxie und Heterodoxie – zur Wissenssoziologie von

    Verschwörungstheorien

    . In: dieselben (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 9-25, hier S. 15.

  107. Andreas Anton, Michael Schetsche und Michael Walter: Einleitung. Wirklichkeitskonstruktion zwischen Orthodoxie und Heterodoxie – zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. In: dieselben (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 9-25, hier S. 15-19.
  108. Siehe z. B. Donald Bloxham, The Great Game of Genocide. Imperialism, Nationalism, and the Destruction of the Ottoman Armenians, Oxford University Press, New York 2005, S. 116, 118, 1196, 199 u.ö.
  109. Steven L Kaplan, The famine plot persuasion in eighteenth-century France, Transactions of the American Philosophical Society, New Series, Volume 72, Philadelphia 1982

CC-BY-SA 3.0 Wikipedia